Ludwigshafen
Ghettoblaster und Bandsalat: Rocker-Comedian Sven Hieronymus erinnert sich an seine Jugend
Vier Wochen lang unablässig in den eigenen vier Wänden, da bedeute die Rückkehr auf die Bühne für ihn die reinste Erholung, erzählt Sven Hieronymus im Stream aus Maudach. „Weil jeder Einzelne von euch da draußen zehnmal normaler tickt als irgendeiner in meiner Familie.“ Nur hier, ob nun vor Publikum oder einer Kamera, könne er eine Stunde lang „babbele“, ohne dass ihn jemand unterbreche. Zu Hause höre ihm ja niemand mehr zu, und wenn doch, erhalte er auf jede Frage nur eine patzige Antwort. „Meiner Frau gehe ich auf die Nerven, meine Tochter findet mich total doof, gut, immerhin hasst mich mein Sohn.“
An der Schwelle zum Erwachsensein hängen geblieben
Das als sonderbar erachtete, dabei normal spätpubertäre Verhalten dieses 19-jährigen Sohnes stand fortan im Zentrum, unvermeidlich verbunden mit verbrämten Erinnerungen des rheinhessischen RPR1-Moderators an die eigene Jugendzeit. Es waren Ausschnitte aus seinem 2018 gestarteten Programm „Als ob!“, die der 53-Jährige spielte. Der Sohn befindet sich an der Schwelle des Erwachsenseins, aber er findet diese Schwelle einfach nicht, und wenn doch, bleibt er daran hängen und fällt hin. Es reicht aber immerhin dazu, seinem alten, langhaarigen Rockervater das Leben zu erklären. Und wenn der Rocker Einwände hat, kommt regelmäßig der anzweifelnde Kurzsatz: „Als ob!“
Geier kreisen überm Haus
Ein Anti-Aggressionstraining sei nötig gewesen, um mit dem Kind noch zurechtzukommen, das vor der Playstation mehr und mehr im Shisha-Nebel verschwinde, sich der Faulheit ergebe und derart erbärmlich rieche, dass schon die Geier über dem Haus kreisten. Vor allem technisch sei die Ausstattung des Teenies dabei auf dem neuesten Stand, der sich nun den jüngsten iPod wünsche. „Wie haben wir früher unsere Musik gehört?!“ fuhr es aus Hieronymus heraus, der von nun an hingebungsvoll an Audiokassetten samt des Bandsalats, den sie produzierten, erinnerte, wie an seinen „guten“ alten Ghettoblaster, „schwer wie ein Sack Zement“ und dazu bestückt mit acht dicken Batterien, „die haben sie im Atomkraftwerk noch handgeschnitzt“. Und die Musik? Die war früher natürlich auch viel besser. Kein Kollegah und kein Haftbefehl, „so Typen waren bei uns früher im Heim für Schwererziehbare“, sondern Led Zeppelin, Pink Floyd oder Supertramp. „Das war noch Musik!“ befand der Alt-Rocker kategorisch, bevor er mit Jens Huthoff und Jeanette Friedrich „Here I Go Again“ von Whitesnake anstimmte und hoffnungsvoll weissagte: „Wir sehen uns demnächst wieder live in der Halle, schwitzend, stinkend und spuckend. Ich versprech’s euch!“
Die Tochter des Rockers
Die vorläufig dreiteilige Veranstaltungsreihe ist eine Idee der Maudacher Veranstalter Bernd Kühn und Torsten Heger, die mit ihrem jungen Unternehmen KüHe Event der hiesigen Kultur wieder auf die Füße verhelfen möchten. Unter dem Label „LuKuCo21“ starteten sie online mit Slam-Poetry von den Fabelstaplern. Für kommenden Freitag, 30. April, 20 Uhr, ist ein Auftritt der Schönen Mannheims angekündigt, zuvor um 19.30 Uhr tritt Lea Hieronymus, die Tochter des Comedians auf.