Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gewichtheben: Wie die Athleten des Bundesligisten AC Mutterstadt ihre Form halten wollen

Nina Schroth trainiert bis zu achtmal pro Woche. Manchmal sogar in einem Weingut.
Nina Schroth trainiert bis zu achtmal pro Woche. Manchmal sogar in einem Weingut.

Not macht erfinderisch, auch in Zeiten des Coronavirus. Die Athleten des Bundesligisten AC 1892 Mutterstadt greifen zu überraschenden Trainingsmethoden an außergewöhnlichen Orten. Nationalheberin Nina Schroth spricht von Einheiten in einer ganz besonderen Umgebung.

Nach ausgestandener Ellenbogenverletzung und einem gelungenen Comeback auf der Bundesligabühne hatte die 28-jährige Nina Schroth für die nächsten Monate noch große sportliche Ziele in Visier. Unter anderem das Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft am 25. April in Samswegen und Ende Juni die Teilnahme an den Europameisterschaften. Die weltweite Coronakrise hat stattdessen vorerst alle sportlichen Veranstaltungen auf Eis gelegt.

„Zum Glück bin ich fit und gesund, schütze mich so gut es geht. Ich kann nur auf einen guten und gesunden Ausgang für uns alle hoffen“, sagt die Bankangestellte bei der Sparkasse Rhein-Haardt. Schroth hat nicht die Möglichkeit, ein Homeoffice zu nutzen. Im Beratungszentrum Neustadt-Schütt ist Anwesenheitspflicht angesagt. Auch als Nationalheberin, die seit kurzem wieder dem Kader angehört, kann sie nicht in den Trainingsräumen des ACM trainieren. Ihr Ehrgeiz ist trotzdem ungebrochen. Bis zu acht Trainingseinheiten in der Woche, unter anderem bei ihrem Entdecker und ersten Trainer Hans Kühn, stehen für Schroth auf dem Programm. Kurios: Die Nationalheberin trainiert auch mal zwischen Weinkisten in einem Weingut in ihrem Heimatort Lachen-Speyerdorf. Wenn es zu einem späteren Zeitpunkt doch eine EM geben sollte, wäre mit der Vize-Europameisterin zu rechnen.

Lang will etwas kürzertreten

Die Mutterstadter Trainingsstätte ist für alle Mitglieder und die Gewichtheber gesperrt. Deshalb erhielten die Athleten vom Verein Hanteln für das häusliche Training. „Unsere Sportler sollen erst einmal im Rahmen der Möglichkeiten daheim ihre Übungen machen können. Ein reguläres Training ist zwar nicht möglich, aber Kniebeugen gehen in der Regel immer. Alle wollen sich fithalten“, berichtet Trainer Dennis Eichner. Die Absage des Bundesligafinales und von Olympia ist für den Angestellten der Gemeinde Mutterstadt eine logische Konsequenz. „Die Welt hat jetzt andere Themen als Gewichtheben. Die Olympischen Spiele hätte man aus meiner Sicht früher absagen müssen. Wann es mit Bundesliga-Gewichtheben weitergeht, ist absolut fraglich“, will Eichner die weitere Entwicklung abwarten.

Die Teilnahme an den Olympischen Spielen war für Max Lang das große sportliche Ziel in diesem Jahr. Dafür hat der 27-Jährige extra die Gewichtsklasse gewechselt und fast täglich geschuftet. Die Leistungen des mehrfachen deutschen Meisters in der Bundesligarunde waren vielversprechend. Er hatte nur einen Fehlversuch beim Wettkampf in Roding. Auch bei internationalen Turnieren präsentierte sich der Sportsoldat in hervorragender Verfassung. „Ich war als bester Europäer nach den Top Acht der Welt ganz nah dran an der Qualifikation für Olympia. Aber in der Krise sieht die Welt jetzt ganz anders aus, und Dinge wie Olympia treten zu recht in den Hintergrund“, sagt Lang.

Aus diesen Gründen nimmt sich der in den sozialen Medien bei Instagram mit knapp 98.000 Followern bekannteste deutsche Gewichtheber sportlich eine Auszeit. „In den vergangenen Jahren hatte ich es verlernt, mal eine Trainingspause zu machen. Die Gesundheit muss jetzt im Vordergrund stehen. Ich warte auf einen Beschluss, wie und wann es mit Wettkämpfen weitergeht“, erklärt Lang. Ganz ohne Sport wird der Kaderathlet die nächsten Wochen nicht verbringen. Geplant sind Fitness-Work-outs auf Instagram und Youtube.

Dancz studiert ab September

Ihr Abitur in der Tasche hat seit kurzem die 19-jährige Lara Dancz. Im letzten Moment legte die Schülerin erfolgreich die mündliche Abiturprüfung an der Integrierten Gesamtschule Oggersheim ab. Im letzten Bundesligakampf gegen Berlin wollte die Junioren-Nationalheberin die Norm für die EM Mitte September in Finnland knacken. 101 Kilogramm im Stoßen hatte sich Dancz vorgenommen. Der Wettkampf sowie die gesamte Bundesligasaison wurde dann aber abgesagt. Ob die Mutterstadter Nachwuchshoffnung bei einer möglichen Europameisterschaft an den Start gehen kann, steht derzeit in den Sternen. Ihre Form müsste sie bis dahin wiederfinden. „Ich kann nicht wirklich trainieren. Mit dem mir zur Verfügung stehenden Material sind nur Zugübungen in einer kleinen Halle in Studernheim möglich. Ich habe die Form verloren. Sie muss erst wieder aufgebaut werden“, beschreibt Lara Dancz ihre Nöte. Anderen Kollegen aus der Nationalmannschaft ergehe es ähnlich. Die sportliche Unsicherheit belastet die AC-Heberin. Ein Licht am Horizont ist der Beginn eines dualen Studiums (BWL, Energiewirtschaft) bei der MVV Energie AG in Mannheim. Dort will Dancz ab September durchstarten.

x