Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Georg Veit: Abschied vom Capitol nach 27 Jahren

Dauerbrenner (I): Georg Veit war 27 Jahre lang künstlerischer Leiter des Capitols.
Dauerbrenner (I): Georg Veit war 27 Jahre lang künstlerischer Leiter des Capitols.

„Hair“, „Jesus Christ Superstar“, „Victor & Victoria“: Mit diesen und über 30 anderen Produktionen hat Georg Veit das Capitol mehr als ein Vierteljahrhundert lang geprägt.

Man könnte unzählige andere Stücke aufzählen. „Cabaret“ zum Beispiel mit Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders in der Hauptrolle. Oder „Evita“. Und „Einer flog übers Kuckucksnest“. Viele der größeren und kleineren Produktionen, die unter Georg Veits Regie entstanden sind, waren Publikumserfolge, wurden lange gespielt und werden es noch. Der Dauerbrenner „I want it all“ mit Musik von Queen zum Beispiel hatte 2011 Premiere und steht in der aktuellen Saison wieder auf dem Spielplan – es ist etwas, das bleibt, auch nachdem Georg Veit als künstlerischer Leiter seinen Hut genommen hat.

Mit Blick auf die lange Liste erfolgreicher Projekte hat der 60-Jährige überhaupt kein Problem damit, die Frage nach dem größten Flop zu beantworten. Er muss auch gar nicht lange überlegen. „Mit ,Moulin Rouge’ haben wir uns total verhoben“, blickt er über 20 Jahre zurück in den Herbst 2003. „Der Film war sehr erfolgreich gewesen, und wir dachten in unserer Hybris: Das machen wir auch“, erinnert er sich. „Das war viel zu groß und viel zu heftig für uns.“ Mit dem Abstand von zwei Jahrzehnten allerdings kann Georg Veit der damals für keinen der Beteiligten witzige Situation durchaus etwas Positives abgewinnen. „Es zeigt, dass wir immer einfach ausprobiert und gemacht haben. Und dass es auch einmal schiefgehen durfte.“

Der Anfang? – „Harakiri“

Schon der Anfang der Zusammenarbeit zwischen ihm und dem Capitol sei eigentlich „Harakiri“ gewesen, sagt Georg Veit beim Videogespräch mit der RHEINPFALZ. Thorsten Riehle, der heutige Mannheimer Bürgermeister für Wirtschaft und Kultur, hatte in München „Der kleine Horrorladen“ produziert und suchte einen Regisseur für eine zweite Inszenierung in seiner Heimatstadt Mannheim. Über Kontakte aus dem „Human Pacific“-Team – einem zwei Jahre zuvor aufgeführten, heute legendären Musical mit einem gewissen Xavier Naidoo in der Hauptrolle – kam Riehle mit Georg Veit in Verbindung. „Wir haben uns in einem Eiscafé getroffen“, erzählt der Regisseur, „und zwei Tage später mit der Arbeit begonnen.“ Am 20. September 1997 war die Premiere von „Der kleine Horrorladen“ im Capitol, einem aus dem Dornröschenschlaf geweckten wunderschönen Anwesen aus den 1920er-Jahren mit markanter Kuppel, das als Kino aufgegeben worden war.

Georg Veits zweite Produktion im Capitol war „Blutsbrüder“ – mit Mitgliedern der Söhne Mannheims als Liveband auf der Bühne. Auch ein anderer, heute noch sehr berühmter Mannheimer hatte sich als junger Mann im Capitol als Musicaldarsteller beworben und spielte in einem Kinderstück mit, bevor sich ganz auf Comedy konzentrierte – und neue Programme bis heute als erstes im Capitol präsentiert: Bülent Ceylan.

Die Stadt als Schauplatz

In ihrem Ensemble hatten Riehle und Veit über die Jahre aber nicht nur viele Künstlerinnen und Künstler, die in der Region leben oder nach Jahren woanders wieder zurückgekommen sind wie der Musicaldarsteller und heutige Capitol-Programmleiter Sascha Krebs. Sie machten die Stadt Mannheim auch immer wieder selbst zum Schauplatz ihrer Produktionen. Zum 200. Geburtstag des in Mannheim erfundenen Fahrrads brachten sie 2017 „Karl Drais – Die treibende Kraft“ auf die Bühne, 2021 setzten sie mit „Blume Peter“ einem Mannheimer Original ein Denkmal, und auf der Bundesgartenschau 2023 würdigten sie Joy Fleming mit dem Musical „Ein Lied kann eine Brücke sein“.

Dabei ist Georg Veit eines gar nicht, nämlich Mannheimer. Er lacht. „Ich bin Karlsruher und liebe es“, sagt er. Und sei eigentlich ganz froh darüber, dass er sein Berufsleben in den vergangenen 27 Jahren weitgehend in Mannheim verbracht habe und sämtliche Kontakte in Karlsruhe privater Natur sind. Dem Capitol, bei dem er nie fest angestellt war, möchte er als Regisseur für Familienmusicals und als Darsteller im Kindertheater treu bleiben. Zudem führt er jedes Jahr Regie beim Sommertheater des IGV Nussloch, und gerade inszeniert er in Hannover die Uraufführung von „Anouk“ nach den Kinderbuch-Bestsellern von Hendrikje Balsmeyer und Peter Maffay. „Und dann“, sagt er am Ende des Gesprächs, „mache ich mal ein bisschen Pause.“

Termin

Am Sonntag, 27. Oktober, 19 Uhr, ist Georg Veit im Capitol-Casino zu Gast in der Reihe „Sascha im Quadrat“.

Dauerbrenner (II): Die Rock-Show „I want it all“ mit Songs von Queen feierte 2011 Premiere und wird immer noch im Capitol gespie
Dauerbrenner (II): Die Rock-Show »I want it all« mit Songs von Queen feierte 2011 Premiere und wird immer noch im Capitol gespielt – das nächste Mal am 20. März 2025 –, nachdem Zuschauerproteste eine Absetzung des Stückes verhindert hatten. Unser Foto zeigt Publikumsliebling Sascha Krebs.
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