Ludwigshafen Gemeinsam stark
«Friesenheim.» Anlässlich seines 125. Geburtstags hat der BASF Gesangverein am Samstag ein Jubiläumskonzert gegeben. Eigentlich war die Vorstellung aber viel mehr als nur ein Konzert: Mit kleinen, teils komödiantisch angehauchten, Theatereinlagen, führte der Chor seine Gäste durch 125 Jahre Chor- und Zeitgeschichte.
Mit wunderschön gesungenen Volksliedern übernahm der Männerchor die Vertonung der Anfangsjahre, erzählte vom Leben der Bauern und Arbeiter in der Region und von der Gründung der BASF. Gekonnt legten die Sänger die Stimmungen der dargestellten Szenen in die Lieder: mal sehnsüchtig bei „Im schönsten Wiesengrunde“, mal traurig in „Morgen muss ich fort von hier“, mal beschwingt bei „Muss i denn, muss i denn zum Dörfele naus“. Schmunzeln konnte das Publikum bei „Meister und Gesell“ von Friedrich Silcher, das vom Schauspiel eines feilenden Gesellen und seines mürrischen Meisters begleitet wurde. Voller Rhythmik war dann „Die lustigen Hammerschmidtsgselln“ von Lorenz Maierhofer, bei dem besagter Geselle lustvoll mit zwei Hammern den Rhythmus auf dem Schraubstock vorgab. Die Sänger des Chors Swinging People übernahmen die szenischen Einlagen und bewiesen dabei, dass sie neben der Musik ein zweites Talent haben: die Schauspielerei. Außerdem untermalten thematisch passende, an die Wand projizierte Bilder die Stücke. Sehr interessant waren gerade die historischen Bilder von der Gründung des Vereins oder der Fahnenweihe und ein kurzer Dokumentarfilm in Schwarz-Weiß über den Wiederaufbau nach dem Krieg. Denn auch die schlimmen Ereignisse, in denen viele Sänger den Tod fanden, ließ der Männerchor nicht aus: Die Bilder aus den Weltkriegen und von dem Explosionsunglück im Jahr 1921 wurden mit ergreifendem Gesang untermalt. „O Herr, gib Frieden“ und ein Requiem in aeternam sang der Chor an dieser Stelle. Insgesamt ist ihm ein beeindruckender Streifzug durch seine ersten Jahrzehnte gelungen. Im zweiten Teil des Konzerts wechselten die bisherigen Schauspieler zum Gesang, die Erzählung übernahmen der Vereinsvorsitzende und seine Vorstandskollegen. In breitestem pfälzisch und mit komödiantischem Talent stimmten sie den Ideen der Mitglieder zur Gründung eines Frauenchors 1978 – „Die Fraue wern jetzt emanzibiert“ –, eines Gemischten Chors 1982 – „Ah joh, des is jetzt de Trend“ und des Jungen Chors Swinging People 1998 – „Ah die junge Leit wolle halt alles uff englisch singe, solle ma se die Sieber Hoppers nenne?“ – zu. Sieber deshalb, weil alle BASF Chöre unter der musikalischen Leitung von Wolfgang Sieber stehen. Die Frauen sangen dann – tatsächlich glockenhell – Mozarts „Das Glockenspiel“ oder warnten „Männer suchen stets zu naschen“. Der Gemischte Chor präsentierte Souvenirs von seinen Konzertreisen: einen „Ungarischen Tanz“ von Brahms, das slowenische „Rasti Rosmarin“ und „Dat du min Leevsten bist“ aus Norddeutschland. Flott ging es danach mit den Swinging People und einigen tänzerischen Einlagen weiter: das mitreißende „Moskau“ und das rhythmische „Wasma ajelile“ sowie das von Sieber arrangierte „In The Mood – Bei mir biste scheen – Rock Around The Clock“ sorgten für Stimmung. Das Publikum war ebenfalls „beswingt“ und spendete viel Applaus. Gänsehautfeeling gab es dann beim von allen Chören gemeinsam vorgetragenen Naidoo-Hit „Was wir alleine nicht schaffen“, das zugleich insgesamt als Motto des 125-jährigen Geburtstagskinds herüberkam. Dafür gab es Bravo-Rufe vom Publikum, das vom Anblick der fast 200 Sänger auf der Bühne ergriffen war. Nach dem „We Stand United“ regnete es dann noch Luftschlangen von der Decke und das Publikum dankte den Chören mit einem Riesenapplaus. Viel zu schnell war ein Konzertabend mit großartigem Chorgesang und einem tollen Programm zu Ende gegangen. Der organisatorische Aufwand lässt sich nur erahnen.