Ludwigshafen Gemeinsam am Leben erhalten

Placeholder-Image

Mutterstadt. Männer- und Frauenchor des Männergesangvereins (MGV) Frohsinn Mutterstadt haben Ende vergangenen Jahres die getrennten Proben eingestellt und machen als Gemischter Chor weiter. Ziel ist, den Konzertbesuchern weiterhin guten Chorgesang bieten zu können und vor allem selbst die Freude am Singen nicht zu verlieren.

„Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden “. Der „Mambo“ von Herbert Grönemeyer steht an diesem Abend beim Gemischten Chor des MGV Frohsinns auf dem Programm. Und vielleicht intonieren es die Sänger deshalb so engagiert, weil es so manchem von ihnen genau so schon ergangen ist, rund um das katholische Pfarrheim, in dem immer mittwochs geprobt wird. Weniger gespannt auf den Erfolg der Parkplatzsuche, als auf die gesungenen Töne ist Chorleiter Jürgen Schumacher. „Ich lasse mich überraschen. Wir beginnen beim Buchstaben C“, sagt er. Denn er weiß, dieser Mambo-Rhythmus ist gar nicht so einfach, hat ein ziemliches Tempo und die Wortsilben müssen genau auf den Tönen sitzen. „Ich such’ hier rum“ geht der Text weiter. „Ja, dann sucht mal“, flachst der gut gelaunte Dirigent mit dem Tenor. Die kurze Textpassage hat es in sich und muss mehrmals wiederholt werden, bis Jürgen Schumacher zufrieden ist. Dann ist es genug mit Herbert Grönemeyer, Hubert von Goiserns „Weit, weit weg“ ist dran. Im Tenor grummelt einer vor sich hin: „Jetzt müssen die Pfälzer wieder bayerisch singen.“ „Du woarst wia der Sommerwind, der einifoahrt in meine Hoarn“, heißt es da so schön. Sein Sitznachbar blättert weiterhin fleißig in seinem Notenheft, er findet die richtigen Noten aber nicht. „Ja, da musst du dich beim Notenwart beschweren“, sagt sein Sitznachbar und lässt ihn mit in seine Noten schauen. Die Damen sind Jürgen Schumacher indes nicht sehnsuchtsvoll genug. Bei „Jetzt bist so weit, weit weg, so weit, weit weg von mir“ ist ihm das „weg“ zu hart. „Das hört sich ja an, als wärt Ihr froh, dass der weit weg ist! Stellt euch etwas Schönes vor, Ihr müsst ja nicht nach mir schauen“, sagt er und lacht. Dass Männer und Frauen gemeinsam proben, ist neu im MGV Frohsinn. Die Umstellung machte aber keine Probleme, da die Chöre schon seit Jahren bei Konzerten gemeinsam auftreten und die Vorbereitung auf die große Änderung lange und behutsam geplant war. „Wir haben im vergangenen Jahr viele Gespräche geführt und viel informiert, ganz ohne Handlungsdruck“, erklärt der Vorsitzende Gerold Magin. Er ist stolz darauf, durch die Umstellung keine Abgänge verzeichnen zu müssen. Dass die Chöre zusammengelegt wurden, hängt auch mit fehlendem Nachwuchs zusammen. Es sei ein allgemeines Problem von Traditionschören, keinen Nachwuchs mehr zu bekommen, erklärt Jürgen Schumacher, der als Verbandschorleiter einen großen Einblick in die Chorarbeit hat. „Es wird immer noch viel gesungen und es gründen sich immer wieder neue Chöre, aber eben nicht mit dem traditionellen Liedgut.“ Ganz traditionell geht es ja beim MGV Frohsinn nicht zu. Neben Grönemeyer und Goisern wird noch „Amazing Grace“ geübt. Alt und Tenor sollen mehr aufeinander hören. Gut, die Frauen und Männer sind eben noch in der Übungsphase. Aber schon beim nächsten Durchgang ist Schumacher voll des Lobes. „Das war jetzt wirklich gut. So ist die Intonation richtig“, sagt er. „Auch die Lautstärke war gut, Ihr müsst gar nicht lauter werden. Ihr müsst noch ein klein wenig auf die Aussprache achten, die ganzen U-Laute lassen sich wunderbar gedeckt singen. Und bitte nicht ins Wort atmen.“ Jürgen Schumacher achtet auch auf Kleinigkeiten, verbessert viel, aber das in seiner schmunzelnd-netten Art. Die Sänger sind ihm nie böse, denn sie wissen, durch dieses harte Training werden ihre Konzerte jedes Mal zu einem großen Erfolg. „Hier beim MGV Frohsinn sehen alle ein, dass man gemeinsam bessere Chormusik machen kann“, sagt der Chorleiter. „Alle ziehen mit und tragen den Verein gemeinsam.“ Das sei nicht üblich, sondern schon etwas Besonderes. „Durch die gute Vorbereitung und die gemeinsamen Auftritte war der Bruch gar nicht so groß und vor allem nicht aus der Not heraus geboren. So wie das jetzt läuft, wird es noch eine ganze Zeit lang gut funktionieren.“ Die Serie In der Serie „Verein(t) in der Region“ stellen wir Gruppen und Vereine aus dem Kreis vor. Melden Sie sich per E-Mail an marktlud@rheinpfalz.de.

x