Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gelungene Fusion: Sarah Chaksad Large Ensemble im BASF-Gesellschaftshaus

Zusammen mit Saxofonistin Sarah Chaksad waren 13 Musiker aus der Bühne des Gesellschaftshauses.
Zusammen mit Saxofonistin Sarah Chaksad waren 13 Musiker aus der Bühne des Gesellschaftshauses.

Sinfonisches Jazz Crossover mit Weltmusik – es ist ein sperriges Etikett für eine Musik, die alles andere als sperrig klingt: Das Sarah Chaksad Large Ensemble zauberte im BASF-Gesellschaftshaus in Ludwigshafen elegante Klangmalereien.

Die Musik ist eine exzellent ausbalancierte Mischung aus kompositorischer Raffinesse, dem Schwelgen in Klangfarben und improvisatorischen Freiräumen. Die Besetzung ist bewusst anders als bei „klassischen“ Jazz-Bigbands, und es geht hier auch weniger um deren Tradition. Vielmehr stehen Klänge und Strukturen eher der sinfonisch klassischen Welt nahe. Dazu kommen dann auch Einflüsse aus dem Orient. Insbesondere mit der persischen Musik hat sich Sarah Chaksad eingehend befasst. Deshalb hat sie als besonderen Gast auch Misagh Joolaee mitgebracht, der die persische Stachelgeige Kamancheh spielt.

Die persisch-schweizerische Musikerin war 2021 schon im Gesellschaftshaus zu Gast. Damals war ihr Ensemble halb so groß, und das Septett war für ihre Kompositionen auch ungewöhnlich klein. Jetzt wieder mit 13 Leuten auf der Bühne und einem genauso wichtigen Mann am Mischpult, präsentierte die Bandleaderin und Komponistin ihr jüngstes Projekt. Das Album „Together“ hat sie mit genau dieser Besetzung im November 2023 veröffentlicht, das Konzert in Ludwigshafen war der vorläufige Abschluss der Release-Tour. Das Thema liegt in der Luft, ist geradezu drängend aktuell: Neue Formen des Zusammenlebens, des Austauschs, trans- und interkultureller Dialog und/oder Fusion spiegeln sich in aktueller Musik. Es ist eine großartige Idee des BASF-Kulturmanagements, das aufzugreifen und Plattformen für musikalisch-künstlerische Projekte zu schaffen.

Feines Gespür

Während am Freitag das Berliner Trickster Orchestra mit Ensembles aus der Region der Frage nach dem „neuen Wir“ nachging, fügte sich am Samstag der Abend mit dem Sarah Chaksad Large Ensemble nahtlos an. Die Bandleaderin hat einen persischen Vater und eine Schweizer Mutter, ist 1983 in Luzern geboren und in einer Schweizer Kleinstadt aufgewachsen. Ihr Akzent ist nicht zu überhören. Beide Eltern machten Musik und unterrichten ihre Tochter schon im Grundschulalter. Mit elf Jahren begann Sarah Chaksad das Saxofonspiel. Noch während ihrer Schulzeit entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Komponieren. Sie studierte an der Jazzschule Bern und der dortigen Musikhochschule und arbeitete mit vielen Ensembles in verschiedenen Größen und Zusammensetzungen.

Deutlich zu hören ist ihr feines Gespür für Klangfarben und -kombinationen. Schon beim Besuch des Septetts hatte sie eine Sängerin dabei, jetzt mit dem Large Ensemble war es Yumi Ito, deren Stimme durchweg wie ein Instrument eingesetzt wurde. Gegen Ende des Konzerts hatte die Sängerin ein beeindruckendes Feature. Auch alle anderen Plätze sind mit hochkarätigen Musikern besetzt, beispielhaft genannt seien Eva Klesse am Schlagzeug und Julia Hülsmann am Klavier.

Beeindruckend opulent

Die neuen Kompositionen entstanden, als nach dem Tod ihres Vaters die Künstlerin sich erneut mit persischer Musik befasste. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich und schlüssig diese „orientalischen“ Einflüsse Teil der Musik werden. Es gibt viele ungewöhnliche Rhythmen, die ganz selbstverständlich fließen, manche Wendungen der Melodik oder harmonische Folgen liegen in einer Schnittmenge von jazzig-modalen Tonräumen und arabischen Skalen. Hier gibt es eine gelingende Fusion – und das ist ein Unterschied zu anderen Crossover-Versuchen, bei denen Melodien und Rhythmen oft ausgestellt „exotisch“ wirken. Die großen Spannungsbögen der Stücke und die differenzierten Klangfarben haben eine stark sinfonische Anmutung. Das kann durchaus mal beeindruckend opulent werden.

Wie sehr sich das Ensemble als Ganzes versteht, war auch an den Improvisationen der Solisten zu erleben: Es gab individuelle Statements, aber die blieben im Kontext der Musik und der Anmutung des jeweiligen Stücks. Ein Glanzlicht, das sich auch mal in den Mittelpunkt absetzen darf, waren die Features der Stachelgeige von Misagh Joolaee. Er bekam Raum, sein Instrument vorzustellen und seine beeindruckende Virtuosität auszuspielen. Das Konzert zeigte, wie lohnend es ist, Genres, Kulturen und Traditionen nach Verbindungen und Gemeinsamkeiten zu untersuchen und aus den Schnittstellen und Überschneidungen neue Klänge, Ausdrucksformen und musikalische Sprachen zu finden. Es sind solche Künstler und Konzerte, die Lust auf ein „neues Wir“ machen und den gesellschaftlichen Diskurs voran bringen.

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