Ludwigshafen Gelbe Flecken sorgen für Rätsel

Seltsame gelbe Flecken bereiten seit Wochen den Anwohnern in Oppau Kopfzerbrechen. Auf Autos, Gartenmöbeln und der Wäsche finden sich die kleinen Punkte, wie RHEINPFALZ-Leserin Monika Knoll mitteilt. Woher sie kommen und ob sie vielleicht sogar gesundheitsschädlich sind, weiß niemand so genau – Knoll hat aber eine Vermutung.
„Erst am vergangenen Freitag habe ich mein Auto in die Waschanlage gefahren, um diese schrecklichen gelben Flecken loszuwerden“, sagt Knoll. „Zwei Tage später war mein Auto aber schon wieder komplett eingesaut.“ Erst seit Mai wohnt die 63-Jährige im Ludwigshafener Stadtteil Oppau, vorher hat sie in der Pfingstweide gelebt. „Dort hatten wie nie solche Probleme“, erklärt sie. „Und auch hier war den ganzen Sommer über nichts. Erst vor drei Wochen ging das mit den gelben Flecken los.“ Senfgelb und gerade mal bis zu einem halben Zentimeter groß sind die regentropfenartigen Punkte, die Knolls Auto, ihre Gartenmöbel, die Wäsche auf der Leine und sogar den Pflaumenbaum im Garten in der Klosterstraße sprenkeln. „Als hätte da jemand mit einer Sprühflasche alles angesprüht“, sagt Knoll. Und dabei ist sie nicht die einzige, die sich über die mysteriösen gelben Flecken ärgert. Auch Knolls Nachbarin Edeltraud Neber kennt diese nur zu gut: „Ich wohne schon lange hier, und wir haben jedes Jahr dieses Problem“, sagt die 64-Jährige. In der Klosterstraße, der angrenzenden Rheinstraße und Richtung Edigheim, auf dem Ostring, seien die gelben Punkte vor rund drei Wochen wieder aufgetaucht. „Im Sommer ist eigentlich immer Ruhe, aber im Herbst geht es dann wieder los“, erklärt Neber. Woher die mysteriösen Flecken kommen, können sich die beiden Oppauerinnen nicht erklären. „Vor Jahren habe ich mich deswegen schon an die BASF-Umweltzentrale gewandt“, sagt Neber. „Weil ich wissen wollte, was das ist. Und, ob das von denen kommt.“ Daraufhin hätte der Chemiekonzern auch jemanden vorbeigeschickt, um die Flecken genauer zu untersuchen. Herausgekommen sei aber nichts, erklärt Neber. „Man hat uns gesagt, das könne nicht von der BASF kommen, die stoßen ja schwarzen Ruß, und keinen gelben aus.“ Auch Feuerwehr und Umweltamt hätten nach eingehenden Untersuchungen vor rund zwei Jahren keine eindeutige Antwort gehabt. Deshalb hat sich Knoll vor rund drei Wochen an Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) gewandt. „Jetzt reicht es einfach“, sagt sie. „Irgendwoher muss es ja kommen – und wer weiß, im schlimmsten Fall ist es vielleicht sogar gesundheitsgefährdend.“ Ihre Pflaumen aus dem Garten esse sie jedenfalls nur noch mit Bedenken. Die Erklärung des Ortsvorstehers aber, dass es sich bei den gelben Flecken um Bienenkot und Blütenpollen von Tannen und Zedern handeln soll, die vom Wind aus dem Schwarzwald nach Oppau getragen würden, fand Knoll wenig plausibel. „Ich weiß, wie Bienenkot aussieht“, erklärt die Tochter eines Imkers. Zudem habe ihr ein befreundeter Imker aus der Pfingstweide bestätigt, dass es sich bei den Flecken nicht um Bienenkot handeln könne. Trotzdem – so ganz einig über die Bienen-Theorie ist man sich in der Klosterstraße nicht: „Einer unserer Nachbarn hier ist ebenfalls Bienenzüchter“, sagt Knoll. „Er meinte, die Flecken könnten von den Bienen kommen.“ Bei der Menge an Flecken und den verhältnismäßig wenig Bienen halten Knoll und Neber das dennoch für unwahrscheinlich. „Da müssten ganze Schwärme von Bienen unterwegs sein“, so Knoll. Was bleibt also, wenn es weder die BASF noch die Bienen sein können? Knoll und Neber haben eine Vermutung: „Ich bin der Meinung, das kommt von den Flugzeugen“, sagt Neber. „Oppau liegt ja direkt in der Einflugschneise vom Frankfurter Flughafen, und man hat schon oft gehört, dass Flugzeuge ihre Fäkalien einfach ablassen.“ Vielleicht sei das auch in Oppau der Fall. Auch Knoll hält das für möglich. Wenn man im Internet nach dem Phänomen recherchiere, finde man viele vergleichbare Fälle, in denen Flugzeuge für die gelben Punkte verantwortlicht gemacht würden. Auf die Auflösung des Rätsels müssen die beiden Oppauerinnen vermutlich noch länger warten. Knoll hat die BASF nochmals kontaktiert, bisher aber noch nichts Neues erfahren. Zumindest für den Moment aber haben die beiden ihre Ruhe: Der Regen der letzten Tage hat die meisten gelben Flecken weggewaschen, nur noch vereinzelt findet man sie auf den Autos und Gartenmöbeln in der Straße.