Ludwigshafen Gelassenheit statt Griffbrettzauber

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Ein gewisser Herr Dülahn hat Werner Lämmerhirt zum Gitarrespielen gebracht. Dass er dann zum führenden Vertreter einer neuen Richtung der Folkmusik in Deutschland würde, hat ihn wohl selber überrascht. Mit Geschichten, Anekdoten und viel Musik trat der Fingerstyle-Gitarrist im Kulturzentrum Das Haus auf. Und er verriet eine ganz besondere Verbindung zu Ludwigshafen.

Es herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre, wenn Lämmerhirt alle zwei, drei Jahre im Café Dôme des Kulturzentrums auftritt. Wie unter Freunden erzählt der Künstler dann, was er die letzte Zeit so gemacht hat und was es Neues gibt. Dieses Mal hatte er einige neue Stücke mitgebracht. Und die nächste CD sei tatsächlich eingespielt. Das wäre schön, denn bei seinen letzten Besuchen hatte er schon davon gesprochen, dass er „eigentlich so gut wie fast fertig“ mit dem neuen Album sei. Doch dann habe er alles umgeschmissen: „Ich habe mir ein paar Kollegen dazu geholt. Und denen konnte ich nicht erzählen, dass wir von vorne anfangen, weil mir irgendwas später doch nicht gefallen hat“, erzählt er den Zuhörern. Eines der neuen Stücke heißt „Laura“, wie Lämmerhirts Tochter, es sei aber nicht speziell für sie. Textlich geht es um Gelassenheit, die Lämmerhirt jedem empfehlen kann. In Ludwigshafen spielte er das Stück alleine, auf der CD wird der Gypsyjazz-Gitarrist Joscho Stephan mitspielen. Nebenbei erfahren wir noch, dass Laura ihren Namen dem Kennzeichen eines Autos verdankt, das vor Lämmerhirts Tourbus gefahren ist. Stilistisch ist sich der Künstler treu geblieben: Er spielt groovend, der Daumen zupft meist mit Wechselbässen das rhythmische Fundament, darüber gibt es eingängige Melodien, und dazwischen füllen Akkordtöne mit Harmonien auf. Zum ersten Mal gehört hat Lämmerhirt das bei Bob Dylan, den er seit je „Herr Dühlan“ nennt. Von ihm bezieht Lämmerhirt immer noch Inspiration – auch was Themen seiner Songs betrifft. Im Haus gab es als eine von mehreren Zugaben eine komplett umgestrickte Version von „All along the Watchtower“ bei der ausgerechnet ein Zimmermann (Dylans bürgerlicher Familienname) und ein anderer Handwerker feststellen, dass es so nicht weitergehen kann. Etwas Ähnliches mag sich Lämmerhirt vor 43 Jahren in Ludwigshafen gedacht haben. Da nämlich spielte er beim Folkfestival „Harlekinade“ das letzte gemeinsame Konzert mit Hannes Wader, als dessen Begleiter er seine Karriere begonnen hatte. „Ich war dabei!“ riefen da ein paar Leute im Publikum. Seit jenem Konzert in Ludwigshafen trat Lämmerhirt unter eigenem Namen solo auf. Aus dem Fingerpicking Dylans hatte der Musiker einen eigenen Stil entwickelt, der Elemente der akustischen Bluesgitarre, Zupfmuster aus der Folkmusik und Grooves der Ragtimegitarre zu etwas Neuem verschmolz. Die Gitarre klingt dabei wie eine ganze Band. Lämmerhirt reiste zunächst als Straßenmusiker durch Europa. Als er 1971 in einem Berliner Club den Liedermacher Hannes Wader traf, war dies der Beginn einer Zusammenarbeit, die Lämmerhirts Stil bekannt machte. Ab 1973 ging der Gitarrist wieder eigene Wege, schrieb eigene Songs, erst auf englisch, dann auf deutsch. Das Plakat vom Folkfestival in Ludwigshafen begleite ihn immer noch im Tourbus, verriet er. Seine Kompositionen wirken als Ganzes, sein Gitarrenspiel, seine tiefe, heisere Stimme und die Texte, das alles passt bestens zusammen. Oft schildert Lämmerhirt Stimmungen und Gefühle. Dazu passt die Beschreibung von Landschaften, Jahreszeiten und Wetter, ganz in der Tradition der Romantiker. Aber es gibt auch gesellschaftskritische Töne. „Einer wie du sagt mir nicht, was richtig ist und falsch“, schrieb Lämmerhirt, als er sich über das politische Irrlicht Philipp Missfelder aufregte, der alten Menschen Hüftgelenke verweigern wollte. Lämmerhirt hat was zu sagen. Und die alte Griffbrettzauberei blitzt hier und da noch auf, aber inzwischen sind ihm andere Sachen wichtiger.

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