Ludwigshafen „Gebe alles für meine Heimatstadt“

Führt bei der Lukom über 50 Mitarbeiter bei einem Jahresetat von gut vier Millionen Euro: Michael Cordier, hier in seinem Büro.
Führt bei der Lukom über 50 Mitarbeiter bei einem Jahresetat von gut vier Millionen Euro: Michael Cordier, hier in seinem Büro.
Herr Cordier, wie lautet Ihr persönlicher Wunsch fürs neue Jahr?

Da gibt es einiges zu wünschen. Zunächst ein weiter engagiertes, faires und offenes Miteinander im Lukom-Team, ein intensives Bekenntnis zu Europa und zur Demokratie in der Welt sowie ein respektvoller und wertschätzender Umgang unter den Menschen – auch bei unterschiedlichen Meinungen und Positionen. Und was wünschen Sie sich konkret für die Stadt? Dass engagierte Ludwigshafener weiter daran arbeiten, sie lebenswert zu machen. Dass Gruppen wie die Tischrunde der Wirtschaft, der Marketingverein, Initiativen wie „Top in Lu“ oder „Wir vom Berliner Platz“ sich noch besser vernetzen und ihre Ideen gemeinsam mit der Stadtverwaltung noch besser umsetzen. Dass wir uns nicht zurücklehnen, aber auch einmal stolz sind auf das, was sich hier positiv in den vergangenen Jahren bewegt hat. Und natürlich, dass unser Lukom-Team mit dem Pfalzbau, der Eberthalle, den Bürgerhäusern und dem Kinderparadies weiterhin einen Beitrag für ein lebenswertes Ludwigshafen leistet. Ihr Vertrag läuft im Sommer 2020 aus. Halten Sie schon Ausschau nach einem Nachfolger? Der Aufsichtsrat und sein neuer Vorsitzender werden sich in den nächsten Monaten damit beschäftigen. Anders gefragt: Was muss jemand mitbringen, der Sie beerben will? Dazu gibt es eine gute Stellenbeschreibung, die natürlich als Inhalt die Kernaufgaben Pfalzbau, Eberthalle, Bürgerhäuser, Parkhäuser und Stadtmarketing mit all seinen Facetten hat. Hier wird gerade intensiv an der Zukunft gearbeitet. Inwiefern? Das ist vor allem auf die Eberthalle und die von uns organisierten Events bezogen. Mit dem Gebäudemanagement arbeiten wir an der Erstellung eines Konzepts. Im Bereich Stadtmarketing stellen wir – wie jedes Jahr – bestehende Formate wie den Weihnachtsmarkt, den Musikalischen Mittag, die Aktion Saubere Stadt, den Lichterzauber oder die Wochenmärkte auf den Prüfstand, um uns weiter zu verbessern. Gibt es Personen, die Sie als Nachfolger im Auge haben? Ich bin sicher, dass der Aufsichtsrat gute Bewerber finden wird. Es ist – wie ich bis zum heutigen Tag finde – eine großartige und attraktive Position für unsere Stadt. Warum so zugeknöpft? Zu diesem Thema halte ich mich in guter Tradition zurück. Entscheiden Sie mit, wer Ihre Position übernehmen wird? Meine Zusammenarbeit mit Aufsichtsrat und Betriebsrat der Lukom war in der Vergangenheit immer sehr offen und konstruktiv. Gefragt werde ich hier aber immer nur unterstützend. Sie sind jetzt 66, aber noch immer voll bei der Sache – schwer vorstellbar, dass Sie sich irgendwann mal zur Ruhe setzen. Was machen Sie nach Ihrer beruflichen Laufbahn? Richtig ist: Ich freue mich auf neue Aufgaben. Hier gibt’s schon einige Ideen und Anfragen aus der Wirtschaft. Ich bin aber jetzt weiter mit aller Leidenschaft und Engagement mit meinem Team und dem Marketingverein dabei, unsere herausfordernde Planung für 2019 umzusetzen. Mein letzter Arbeitstag bei der Lukom ist der 31. Mai 2020. Bis dahin werde ich für meine Heimatstadt alles geben. Die angeblich hässlichste Stadt Deutschlands und noch manche Baustellen mehr als früher. Was hat Sie im gerade abgelaufenen Jahr am meisten geärgert? Am meisten ärgert es mich, dass man Ludwigshafen nicht in seiner Gesamtheit beurteilt. Keine Frage: Wir haben Probleme in der Innenstadt. Das sind aber auch Chancen. Unsere Stadt hat sich zur Stadt am Rhein entwickelt. Unsere Stadt gibt bei über 170.000 Einwohnern mehr als 100.000 Menschen gute und zukunftsfähige Arbeitsplätze. Mehr als 6000 Unternehmen leisten hier jeden Tag gute Arbeit. 14 Stadtteile mit ihren Ortsvorstehern bieten attraktiven und meist auch bezahlbaren Wohnraum. Sportvereine sowie viele Engagierte im Ehrenamt verdienen es, positiv herausgestellt zu werden. Wenn ich in Friesenheim losradle und über das Maudacher Bruch bis zum Willersinn fahre, würde ich mir oftmals wünschen, die Miesmacher unserer Stadt mitnehmen zu können. Meckern und motzen – das ist okay, wenn man selbst mögliche Lösungen aufzeigen kann. Noch besser ist es, wenn man sich als Bürger ins Gemeinwohl einbindet und sich dafür engagiert. Und was hat Ihnen im Vorjahr ein Lächeln ins Gesicht gezaubert? Ich habe vor ein paar Tagen einen großartigen „Zeit“-Bericht mit dem Titel „Wir sind Helden“ über acht junge Menschen gelesen, die sich mit Umständen nicht abgegeben und dagegen etwas getan haben. Hier wurde mein Optimismus bestätigt. Mein schönstes Lächeln hatte ich vielleicht am 26. Dezember mit meinen drei Enkeln beim Spaziergang im Ebertpark. Was wollen Sie in den letzten 17 Monaten unbedingt noch anpacken? Ich möchte, dass wir unsere Pläne in den einzelnen Abteilungen gut abarbeiten. Ich würde mich freuen, wenn am Ende ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden wird und ich eine gute Übergabe der Aufgaben der Lukom hinbekomme. Eine zusätzlich wichtige Aufgabe wird – wie schon erwähnt – in den nächsten Monaten das Erstellen eines Konzepts für die Eberthalle sein. Daran arbeiten wir gemeinsam mit dem Gebäudemanagement der Stadt ganz intensiv. Und ich hoffe, dass ich weiter engagierte Mitstreiter für ein attraktives Ludwigshafen motivieren kann. Apropos attraktiv: Wo hat Ludwigshafen Ihrer Ansicht nach gegenüber Mannheim die Nase vorn? Mir geht’s nicht so sehr darum, wo wir die Nase vorn haben – eher darum, wo wir gut aufgestellt sind. Und wo wäre das? Wir haben sehr gute Netzwerke, ob Marketingverein, Tischrunde oder Stadtgespräche. Wir haben Entwicklungschancen für die Innenstadt, und unsere Events sind qualitativ sehr gut: ob Stadtfest, Filmfestival oder Straßentheaterfestival.

An der Pegeluhr: Cordiers Stadttouren sind beliebt.
An der Pegeluhr: Cordiers Stadttouren sind beliebt.
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