Firmenporträt
Gebäudereinigung G.F. Hehl ist fest in Familienhand
Im Jahr 1904: In Ludwigshafen wird das erste Parkfest gefeiert, der Sportverein Phönix aus der Taufe gehoben und der Ludwigshafener Etzel – der Vorname ist in den Chroniken nicht überliefert – startet mit der Reinigung von Laden-Schaufenstern seinen Betrieb. Drei Jahre später übernahm Gottlieb Friedrich Hehl die junge Firma, die bis heute seinen Namen trägt: Erstes Ludwigshafener Reinigungsinstitut „Viktoria“ Gottlieb FriedrichHehl GmbH & Co. KG. Der Name „Viktoria“ (deutsch: Sieg), den auch viele gekrönte Häupter in Europa trugen, wurde nicht selten bei Sportvereinen oder auch Unternehmen als Zusatz genutzt – um das Besondere zu betonen.
Schaufenster zu reinigen, machte in den Anfangsjahren einen großen Teil der Arbeit aus. Hohe Glasfronten der Ladenlokale wurden damals noch täglich gereinigt: „Es herrschte ein anderes Hygienebewusstsein“, sagt Hubert Fischer, Inhaber und Geschäftsführer des alteingesessenen Unternehmens.
Über lange Zeit war Hehl die einzige Gebäudereinigungsfirma der Stadt und profitierte vom Wachstum der Kommune, der dortigen Geschäftswelt und der zunehmenden Industrialisierung. Für viele Firmen, etwa Knoll (heute Abbott), Alcoa, Giulini und die BASF aber auch für städtische Einrichtungen, wie der Pfalzbau oder die Eberthalle, war das Reinigungsinstitut Hehl aktiv, erzählt Fischer. Mehr als 2000 Kunden hat es heute, darunter auch namhafte Unternehmen sowie Kommunen. Der Anteil privater Kunden liege etwa bei 70 bis 75 Prozent.
1949, das Unternehmen ist 45 Jahre jung, steigen Hehls Söhne Ludwig und Karl-Heinz ins Unternehmen ein. Im Jahr 1989 wurde Hubert Fischer zunächst Teilhaber am Unternehmen und ist seit 1995 alleiniger Inhaber und Geschäftsführer. Die nächste Generation arbeitet heute bereits kräftig in der Unternehmensführung mit: Fischers Tochter Hélène Staiber und ihr Mann Daniel.
In Spitze 650 Mitarbeiter
Laufende Reinigungsarbeiten, wie Treppenhäuser, Schreibtische oder Toiletten in Unternehmen oder bei Verwaltungen verschafften dem Reinigungsinstitut in den Folgejahren viele Kunden und damit Aufträge. Zu Hochzeiten beschäftigte G.F. Hehl etwa 650 Mitarbeiter. In den 1950er-Jahren erweitere Hehl seine Angebotspalette um Schädlingsbekämpfung. Sie macht heute etwa 25 Prozent der Arbeit aus, sagt Daniel Staiber. Zur breiten Angebotspalette gehören auch spezielle Reinigungsleistungen wie Reinraumreinigung, Malerarbeiten, Dienstleistungen rund ums Haus oder Gastronomie-Service.
Steigende Kosten, auch für das Personal, der zunehmende Wettbewerb in der Branche, aber auch die geringer werdenden Reinigungsaufträge von Firmen führten zu einem sukzessiven Abbau an Arbeitsplätzen. Zum anderen hat sich das Unternehmen aber auch selbst von Kunden getrennt, sagt Hélène Staiber. „Es gab einige Firmen mit einer Zahlungsfrist von 60 Tagen. Für Unternehmen mit einem sehr hohen Personalkostenanteil wie Gebäudereiniger war dies nicht wirtschaftlich. Wir können nicht zwei Monate die Bank für die Unternehmen sein“, ergänzt sie.
Was die Branche noch belastet: der hohe Verwaltungsaufwand, etwa durch Datenschutzgrundverordnung oder Lieferkettengesetz, sagen Fischer und Staiber.
In den 1990er-Jahren war das Unternehmen zwei Mal in Gerichtsverfahren involviert, die letztlich auf europäischer Ebene geführt wurden. Im ersten Verfahren wurde die G.F. Hehl GmbH zunächst vorm Amtsgericht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bei geringfügiger Beschäftigung verklagt. Zu jener Zeit gab es weder tarifvertragliche Regelungen zu diesem Thema, noch ein Gesetz in Deutschland, erinnert sich Geschäftsführer Hubert Fischer. Das Verfahren wurde ans Sozialgericht Speyer gegeben, das den Fall dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vorlegte. Die Richter sprachen der Klägerin Recht zu. Das Unternehmen wurde im Verfahren vom Bundesinnungsverband finanziell unterstützt – wegen der grundsätzlichen Bedeutung für die gesamte Branche.
In einem zweiten Verfahren, es ging um die Sozialversicherungspflicht für geringfügig Beschäftigte, war G.F. Hehl Verfahrensbeteiligte bei der Verhandlung vorm EuGH. Im Gegensatz zum ersten Verfahren, wiesen die Luxemburger Richter diesmal die Klage ab.
Engagiert in der Innung
Seit der Gründung des Unternehmens engagiert sich G.F. Hehl stark für das Gebäudereinigerhandwerk, das seit 1934 als Vollhandwerk anerkannt ist, sagt Hubert Fischer, der selbst lange Jahre in der Innung als Obermeister aktiv und Mitglied des Meisterprüfungsausschusses war. Seit 70 Jahren, erzählt Fischer stolz, stelle G.F. Hehl den Innungs-Obermeister oder dessen Vertreter. Tochter Hélène ist seit September 2022 Obermeisterin der Innung als Nachfolgerin ihres Vaters Hubert Fischer.
Wegen der schwierigen Verkehrssituation in der Innenstadt, der vielen Baustellen, die immer längere Anfahrtszeiten mit sich brachten, zog das Unternehmen im Jahr 2020 von der Berliner Straße in die Bliesstraße. Dort sei auch ausreichend Platz für den firmeneigenen Fuhrpark, und die bis dato auf mehrere Standorte verteilten Lager konnten nun zusammengefasst werden.
Nachfrage sehr groß
Wie in einigen anderen Branchen auch, fällt es Gebäudereinigern zunehmend schwer, beruflichen Nachwuchs zu finden, sagen Hélène und Daniel Staiber. „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird man nicht mehr fündig.“ Allerdings sei das Interesse von Menschen aus dem Ausland, gerade bei Flüchtlingen aus Afrika groß. „Diese Menschen sind auch sehr zuverlässig“, sagt Daniel Staiber. Menschen aus 16 Nationen sind bei Hehl beschäftigt, denen das Unternehmen auch Wohnungen anbietet. Viele nutzen die – oft befristeten – Arbeitserlaubnisse , um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Den Besuch von Deutschkursen unterstütze Hehl aktiv, erläutert Hélène Staiber. Von den derzeit 60 Mitarbeitenden im Betrieb sind fünf Auszubildende.
Die Auftragslage des Unternehmens sei gut, die Nachfrage sehr groß. „Wir sind derzeit nicht in der Lage, alle Anfragen annehmen zu können“, sagte Hélène Staiber.
Die Serie
In dieser Serie stellen wir in loser
Folge samstags interessante
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