Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Gabriela Montero im BASF-Feierabendhaus

Grandiose Pianistin: Gabriela Montero.
Grandiose Pianistin: Gabriela Montero.

Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero gastierte bei der BASF mit einem außergewöhnlichen Programm , das dem Thema Auswanderung gewidmet war.

Das Programm war ebenso spannend und außerordentlich wie auf beklemmende Weise aktuell in einer Zeit, in der ja nicht nur Geflüchtete aus dem ukrainischen Kriegsgebiet in den Westen kommen, sondern auch Menschen aus Russland der dort herrschenden Bedingungen wegen.

Die drei russischen Komponisten Sergej Rachmaninow, Igor Strawinsky und Sergej Prokofjew – alle in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts geboren – sind alle zumindest zeitweise in den Westen und in die USA gegangen, außer im Fall von Strawinsky auch in Folge der Oktoberrevolution. Nur Prokofjew kehrte später wieder zurück – und starb dann 1953 am selben Tag wie Stalin.

Jeweils eine Klaviersonate von den dreien spielte Gabriela Montero in der ersten Abteilung ihres „Westwards“ (Westwärts) genannten Programms. Von Prokofjew erklangen vor dessen zweiter Sonate d-moll op. 14 noch die fünf „Sarkasmen“ op. 17.

Drei Spielweisen

Die aus Venezuela stammende Pianistin gehört zu den großen Meisterinnen ihres Fachs – und das belegte sie bei dem Ludwigshafener Konzert darin, dass sie für jeden der drei Komponisten einen dessen Manier ideal treffenden und völlig eigenständigen Klavierton und Vortragsstil hatte.

Bei Prokofjew war ihre Wiedergabe vom ersten Ton an lakonisch und von kühler Klarheit und rhythmischer Schärfe. Das Hinter-, ja Abgründige der „Sarkasmen“ und der Sonate, aber auch ihre formaler Rationalismus waren in exzellenter Weise zu erfahren.

Ganz anders war der Ton bei der zweiten Klaviersonate b-moll op. 36 von Sergej Rachmaninow. Hier war der Klang pastos und gleichsam orchestral, das Spiel der Pianistin zudem sehr expressiv und weiträumig.

Doch immer behielt Gabriela Montero die Kontrolle und gestaltete mit faszinierender Überlegenheit.

Igor Strawinskys viel zu selten gespielte Klaviersonate fis-moll, die klingt, als hätte Bach in den 1920-Jahren noch einmal Musik für ein Tasteninstrument geschrieben, hatte dann wachen Geist, schwebende Leichtigkeit und schillernde Brillanz.

„Der Einwanderer“

Charlie Chaplins kurzer Stummfilm „Der Einwanderer“ aus dem Jahr 1917 hat ja nichts mit der Pfalz zu tun, passt aber irgendwie doch sehr gut in unsere Gegend, aus der im 19. Jahrhundert ja bekanntermaßen viele Menschen in die Neue Welt ausgewandert sind, um dort ihr Glück zu machen.

Das war natürlich – um die Filmsprache aufzugreifen – ein Schnitt, nach den ernsten und im Fall von Rachmaninow auch emotional sehr aufgeladenen Klaviersonaten nun gleichsam „ins Kino“ zu gehen und diese köstliche frühe Kostprobe der Kunst des genialen englischen Filmemachers und Schauspieler zu erleben.

Doch die Entstehungszeit passte ja – und die künstlerische Beschäftigung mit dem Thema Auswanderung auch. Das Beste an dieser Vorführung aber war die Improvisation von Gabriela Montero, die – wie sie in ihrer Einführung sagte – immer etwas anderes zu diesem Film spiele. Das Publikum hatte deshalb keinen Vergleich zu anderen Versionen, aber die Gewissheit, dass die Pianistin an dem Abend in Ludwigshafen „sehr gut drauf war“ und eine mit wenigen Zitaten gespickte, vor allem aber ungemein frische und witzige Musik zu dem Streifen improvisierte. Diese setzte die Aktionen in dem Film klanglich, aber nicht nur das. Sie steigerte auf mitreißende Weise die Spannung in der Handlung dieses Stummfilms und gab es gerade durch die spontane Erfindung eine ganz einzigartige Lebendigkeit.

Improvisation über ein Thema auf Zuruf

Als Zugabe gab es dann noch eine Improvisation über ein Thema auf Zuruf. Schuberts „Forelle“ wurde gewünscht – und Gabriela Montero machte dazu gerade keine Wassermusik. Sie begann fast schon ein wenig schubertisch, gab dem Thema dann aber eine würdevolle Emphase und Feierlichkeit, die man in ihm kaum vermutet. Aber gerade solche Spiele mit den musikalischen Charakteren machen ja den Reiz von Improvisationen aus.

Genialer Filmemacher und Schauspieler: Charlie Chaplin.
Genialer Filmemacher und Schauspieler: Charlie Chaplin.
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