Fussgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fußgönheim: Zwischen neuen Chancen und alten Herausforderungen

Die Fußgönheimer Grundschule soll erweitert werden, mehr Räume werden dringend benötigt.
Die Fußgönheimer Grundschule soll erweitert werden, mehr Räume werden dringend benötigt.

Ob Kita-Pläne, Grundschulerweiterung oder Sanierung der Mehrzweckhalle – Fußgönheim steht vor großen Aufgaben. Welche Projekte am meisten drängen und was ungewiss bleibt.

Wie viele andere Ortsgemeinden auch steht Fußgönheim vor einem Jahr voller Herausforderungen und Möglichkeiten. Doch bevor Ortsbürgermeisterin Heike Seifert-Leschhorn (CDU) einen Blick auf das kommende Jahr wirft, möchte die RHEINPFALZ wissen: „Was war das für Sie emotionalste Thema des vergangenen Jahres?“ Die Antwort kommt ohne langes Zögern: „Das war die Sicherung der ärztlichen Versorgung.“ Die Schließung der örtlichen Arztpraxis vor mehreren Jahren sei für viele Bürger ein harter Schlag gewesen. „Das hat die Menschen in der Gemeinde wirklich bewegt – und mich persönlich auch“, sagt Seifert-Leschhorn. Umso schöner sei es, dass nach intensiven Gesprächen nun eine Lösung gefunden werden konnte: Der Maxdorfer Allgemeinmediziner Martin Göring betreibt seit Kurzem einen zweiten Praxis-Standort in der Fußgönheimer Jahnstraße. „Wir haben dieses Bauprojekt durchgezogen von März bis November, was für dessen Größe wirklich schnell war“, freut sich die Ortsbürgermeisterin.

Ganz so schnell wird es bei der benötigten Erweiterung der Grundschule wohl nicht gehen. „Die Umsetzung des Ganztagsförderungsgesetzes ab kommendem Schuljahr und die Teilnahme der Schillerschule am Startchancen-Programm erfordern zusätzliche Räume“, erläutert Heike Seifert-Leschhorn. Besonders der Spagat zwischen den Anforderungen des Ganztagsbetriebs und der individuellen Förderung der Schüler stelle die Gemeinde dabei vor Herausforderungen. „Wir müssen den Kindern ja nicht nur Raum, sondern auch die nötige pädagogische Qualität bieten.“

Knackpunkt Mensa

Baulich gesehen, hofft die Schulgemeinschaft auf eine Mensa, die mithilfe von Trennwänden so geteilt werden kann, dass Förderräume oder auch Elternsprechzimmer entstehen. „Ich persönlich würde mir an dieser Stelle wünschen, dass für die Mensa eine gemeinsame Lösung für die Grundschule und die direkt daneben liegende Kita gefunden werden könnte“, sagt Heike Seifert-Leschhorn. Aktuell sehe es allerdings nicht danach aus. „Die evangelische Kirche als Betriebsträger der Kita präferiert eine individuelle Lösung“, berichtet die Ortsbürgermeisterin.

Auch im Falle der örtlichen Kita sind die geplante Erweiterung und Sanierung das zentrale Thema schlechthin. Weil der Kita-Ausbau eine kommunale Pflichtaufgabe ist, muss die Ortsgemeinde finanziell dafür aufkommen. „Unser Ziel ist es, mehr Ganztagsplätze zu schaffen, um dem ,Gute-Kita-Gesetz’ gerecht zu werden“, erläutert Heike Seifert-Leschhorn. Die Gesamtanzahl der Plätze sei ausreichend, aber bei den Ganztagsplätzen müsse aufgestockt werden.

Brückensanierung startet

Auch die Verkehrsinfrastruktur werde in Fußgönheim ein zentrales Thema bleiben. Der Ausbau Kalmitstraße könne dabei allerdings durch Förderanträge verzögert werden, sodass er sich im schlechtesten Fall bis 2027 verschieben würde. „Natürlich hoffen wir auf Fördermittel, aber das bedeutet auch, dass wir uns an Fristen und Vorgaben halten müssen, was den Ablauf erschwert“, erklärt die Ortsbürgermeisterin. Geplante Arbeiten an den Brücken der Gemeinde sollen im kommenden Jahr starten, da diese dringend instandgesetzt werden müssten. „Das ist unsere letzte Chance, bevor wir Brücken sperren müssen“, sagt Seifert-Leschhorn.

Heike Seifert-Leschhorn
Heike Seifert-Leschhorn

Die Fußgönheimer Mehrzweckhalle soll ebenfalls saniert werden: Neben einem neuen Boden steht die Modernisierung der Sanitäranlagen an, die behindertengerecht gestaltet werden sollen. Früher sei die Halle ein zentraler Ort für Veranstaltungen wie Flohmärkte, Kinderfasching oder größere Vereinsfeiern gewesen. „Wir möchten sie wieder für größere Veranstaltungen nutzbar machen“, betont Seifert-Leschhorn.

Großes ehrenamtliches Engagement

Stolz ist die Ortsbürgermeisterin auf das rege Engagement der vielen Ehrenamtlichen in Fußgönheim. Vereine wie der Tennisverein, der kürzlich sein 50-jähriges Bestehen feierte, oder auch der Kerweförderverein trügen maßgeblich zur kulturellen und sportlichen Vielfalt der Gemeinde bei. Veranstaltungen wie die Weihnachts- und Ostermärkte des Heimat- und Kulturkreises wirkten als Publikumsmagnete und zögen viele Besucher nach Fußgönheim. „Das Engagement der Vereine ist beeindruckend und für unsere Gemeinschaft unverzichtbar“, sagt Heike Seifert-Leschhorn.

Rückblickend auf ihre Amtszeit seit Sommer 2024 zeigt sich die 59-Jährige vor allem überrascht von der schlechten Bausubstanz gemeindeeigener Gebäude. „Wir sind da sicherlich in guter Gesellschaft, aber Fußgönheim ist dabei“, resümiert sie. Trotz der großen Herausforderungen schätzt die Ortsbürgermeisterin allerdings die Vielseitigkeit ihrer Arbeit. „Die Bandbreite der Aufgaben ist genau das, was mir Spaß macht“, sagt sie. Die ehrenamtliche Belastung ist dabei enorm: 40 bis 50 Stunden seien es teils durchaus, die sie pro Woche investiere, erzählt Seifert-Leschhorn. Dass sie früher in einer IT-Abteilung der Bundesbank gearbeitet habe, komme ihr dabei zugute: „Ich habe den großen Vorteil, dass ich auf diesem Weg bereits Einblick in einen großen Verwaltungsapparat bekommen habe.“

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