Ludwigshafen
Fußgönheim: Heiratsantrag vor dem Anpfiff
Für Fußball-Verbandligist ASV Fußgönheim bleibt die Situation nach der 0:3 (0:1)-Niederlage gegen Primus Alemannia Waldalgesheim angespannt. Das Team ist weiterhin Tabellenletzter.
Die Partie begann mit ein paar Minuten Verspätung. Beide Mannschaften nahmen am Mittelkreis Aufstellung, als der Stadionsprecher Ljuba Chramejew in die Mitte bat. „Ich wusste nicht was kommt, bin aber mal reingelaufen“, sagte die junge Dame. Just als sie den Kreis erreicht hatte, kam ASV-Spieler Ali Aydin auf sie zu, kniete nieder und fragte, ob sie seine Frau werden wolle. Wollte sie natürlich und strahlte ob des Ringes, den ihr Aydin an den Finger steckte. „Wir sind seit neuneinhalb Jahren zusammen und haben immer wieder mal über eine Hochzeit gesprochen. Ali ist jetzt nicht der total romantische Typ, aber damit hat er mich total überrascht“, erklärte die glückliche Braut. Ali Aydin hatte zuvor Bedenken, dass der Unparteiische seinem außergewöhnlichen Wunsch zustimmen würde. „Der Schiedsrichter hat grünes Licht gegeben. Ich war richtig erleichtert“, verdeutlichte der Defensivallrounder nach der Partie. Er war am Samstag 31 Jahre alt geworden und hat jetzt noch einen weiteren Grund zu feiern.
Geheimaktion beflügelt nicht
Auf dem Platz verkaufte sich der ASV ordentlich, ließ Wille und Engagement erkennen. „Von den ersten zehn Minuten abgesehen haben wir es gut gemacht“, sagte Trainer Andreas Schröck. Fußgönheim schaffte es, sich immer wieder zu lösen und für Entlastung zu sorgen. Das lag in erster Linie an den Diagonalbällen von Marc Barisic, die über 40, 50 Meter den Mitspieler erreichten und das Spiel in die Hälfte der Gäste verlagerte. „Es fehlt uns an der Durchschlagskraft“, sagte der Kapitän, der beim Anpfiff auf der Bank saß. Die Verletzung von Endrit Leposhtaku war ursächlich für das 0:1, denn da hatte Fußgönheim lediglich zehn Mann auf dem Platz und war ungeordnet (8.). „Wir haben gut gespielt, aber die Gegentore waren ärgerlich“, betonte Arif Buga, der auf der rechten Seite ein großes Laufpensum absolvierte. Das 0:2 fiel nach tollem Freistoß aus 18 Metern (66.). Das 0:3 war bedeutungslos (90.). „Uns fehlt die Qualität, um genügend klare Torchanen zu kreieren“, klagte Schröck. Gegen Waldalgesheim waren es in 90 Minuten null. Das dürfte dem ASV die Liga kosten.
Kommentar
Herkulesaufgabe
Von Thomas Leimert
Die Zeichen beim Fußball-Verbandsligisten ASV Fußgönheim stehen trotz guter Einstellung gegen Titelfavorit Alemannia Waldalgesheim nicht erst seit dieser 0:3-Niederlage auf Abstieg. Mit dem schwächsten Angriff und fast drei Gegentoren pro Partie wird es schwer, in der Liga zu bleiben. Der bunt zusammengewürfelten Mannschaft fehlt es an der passenden Altersstruktur und an Qualität. Das Team besteht aus wenigen Korsettstangen über 30 und vielen ganz jungen Spielern, die regelmäßig Lehrgeld bezahlen. Kicker im besten Fußballeralter zwischen 25 und 28 gibt es kaum. Einen Vorwurf kann man niemandem machen. Im Sommer hatte fast die komplette Mannschaft den Verein verlassen und es musste ein völlig neues Team gebildet werden. Eine Herkulesaufgabe. Der ASV ist sieben Jahre nach seinem ersten Verbandsliga-Aufstieg wieder abgestiegen. Jetzt ist die Verein erneut sieben Jahre in der Liga. Sieht so aus, als ob sich die Geschichte wiederholt.