HASSLOCH
Fußball: Warum Sebastian Schulz auch für die Zeit nach dem Spiel so wichtig ist
Der Mutterstadter übernimmt ab Sommer auch für die beiden ersten Spielhälften Verantwortung – er wird Nachfolger von Trainer Martin Schlegel. „Diese Runde will ich noch zu Ende spielen, dann ist Schluss mit dem aktiven Fußball“, sagt Sebastian Schulz, der über den Ligakonkurrenten SV Südwest Ludwigshafen im Oktober 2018 zum VfB Haßloch gestoßen ist. Für den Tabellensechsten der Bezirksliga absolvierte er seither 24 Punktspiele und erzielte acht Tore. Ab kommender Saison will Schulz als Übungsleiter Fußballwissen und seine reiche Erfahrung an die Bezirksliga-Mannschaft weitergeben. „Nur im äußersten Notfall werde ich mich vielleicht noch mal auf die Auswechselbank setzen“, sagt er.
Schulz ist Wunschtrainer
Der erfolgreiche Coach Martin Schlegel, seit November 2017 „Am Eichelgarten“ im Amt, wollte, wie bereits berichtet, seinen Kontrakt aus familiären Gründen und als junger Familienvater nicht mehr verlängern. Mit Sebastian Schulz, der vor acht Jahren die Trainer-B-Lizenz erworben hat, verpflichtete der VfB Haßloch quasi einen Wunschtrainer. „Manche im Verein hätten zwar lieber eine externe Lösung bevorzugt, aber ich habe gerne und spontan zugesagt, als ich gefragt wurde“, berichtet Schulz. „Er wird von den Spielern sehr geschätzt und genießt hohes Ansehen“, weiß Spielleiter Willi Grässer. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass Sebastian aufgrund seiner Routine und großen Erfahrung die erfolgreiche Arbeit von Martin Schlegel fortsetzen kann.“ Für den gelernten Defensivspieler ist es die erste Bewährungsprobe als Chefcoach. Bis zu seinem Ausstieg beim SV Südwest war er dort „nur“ Assistent von Trainer Kar.
Der Routinier mit dem Gardemaß von 1,90 Metern lebt seit seinem vierten Lebensjahr Fußball. In seinem Heimatort, bei der FG 08 Mutterstadt, begann er zu kicken, rückte mit 17 schon in die aktive Mannschaft und feierte bereits als Jungspund den Aufstieg in die Landesliga. Danach spielte Sebastian Schulz sechs Jahre beim A-Klasse-Verein SV Schauernheim und kehrte 2016 zu den Nullachtern nach Mutterstadt zurück, die damals von seinem Freund Erdem Kar betreut worden sind. Beim VfB hat der eloquente Geschäftsmann eine zweite sportliche Heimat gefunden: „Ich fühle mich sehr wohl hier.“ Es passt. Menschlich wie sportlich.
Suche nach einem Cotrainer
Das 1:2 gegen den Tabellenzweiten Queichhambach, die dritte Niederlage in Folge für den Bezirksliga-Rückkehrer, will der zukünftige Trainer nicht überbewerten: „Es blieb immer eine Begegnung auf Augenhöhe. Insgesamt dürfen wir mit dem Rundenverlauf doch zufrieden sein.“ Beim ESV Ludwigshafen, den sie im Hinspiel dank vier Treffern von Lucas Franzreb mit 7:1 abgekanzelt haben, wollte Haßloch eigentlich wieder in die Erfolgsspur zurück. Doch die Partie wurde wegen des Coronavirus verschoben. Nachholtermin soll nun der 14. April sein.
Schulz hofft zudem, dass der Verein auch bei der Suche nach einem neuen Cotrainer bald Erfolg meldet, da auch der in Schifferstadt lebende Sebastian Pelgen aus familiären Gründen seinen Rückzug angekündigt hat. Pelgen hat zwei kleine Kinder.
Bei Schulzes ist das Familienleben auf andere Art geregelt: „Ich sehe meine Ehefrau und meine Eltern tagtäglich im eigenen Betrieb. Da ist es nicht so schlimm, wenn sportliche Interessen an Wochenenden auseinandergehen“, meint der Familienvater schmunzelnd. Seine Ehefrau Franziska spielt mit der HSG Ruchheim/Mutterstadt Handball in der Pfalzliga. Die Kinder Mia (acht Jahre) und Moritz (6) scheinen das sportliche Talent jedoch nicht so sehr geerbt zu haben. „Auf Fußball hat Moritz schon mal gar keine Lust“, bedauert der Papa.
Nun Chef von Urgroßvaters Betrieb
Vor sieben Jahren übernahm Sebastian Schulz das „Getränke-Centrum“ an der Mutterstadter Fohlenweide von seinem Vater, der mit 70 Jahren nach wie vor im Geschäft steht. Der Familienbetrieb mit zwölf Mitarbeitern wurde von seinem Urgroßvater 1926 gegründet. „Damals fuhr meine Uroma Kohle und Briketts mit einem Pferdefuhrwerk aus“, erzählt der Juniorchef. Es folgten Heizölhandel und danach erst der Vertrieb von Getränken. 1998 erfolgte der Umzug von der Ortsmitte ins Gewerbegebiet. Statt Pferdekutschen stehen heute fünf Lastwagen auf dem Firmengelände. „Neben dem Abholmarkt und Partyservice liefern wir natürlich auch direkt an die Haustür.“