Ludwigshafen
Fußball: Warum die FG 08 Mutterstadt in 18 Spielen sechs Torhüter einsetzte
In der Fußball-Bezirksliga hat die FG 08 Mutterstadt die Hinserie auf dem elften Platz abgeschlossen, liegt aber nur drei Zähler hinter Rang fünf. Akute Abstiegsgefahr besteht nicht, ein Ruhekissen sind die neun Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone aber nicht.
Es ist so etwas wie der Fluch der guten Tat. In der vergangenen Serie spielten die Mutterstadter eine großartige erste Saisonhälfte, die sie auf dem dritten Rang beendeten. Eine solche Phase, in der die FG etwas über Wert gespielt hat, kann Flügel verleihen, aber auch dazu verleiten, die Beine hochzulegen. Blickt man auf die Rückserie, dann traf wohl eher die zweite Alternative zu. Jedenfalls lief es nach der Winterpause nicht mehr so richtig und die Mannschaft schloss die Runde auf Rang acht ab. Deshalb regierte vor der neuen Spielzeit die Vorsicht. „Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Wenn uns das gelingt, haben wir viel erreicht“, sagte Trainer Michael Drese.
Insgeheim hat er gehofft, dass die Entwicklung schneller vorangeht und das Team besser abschneidet. „So ganz zufrieden bin ich mit der Punktausbeute nicht. Ich habe geglaubt, dass wir weiter sind“, bilanziert Drese. Es gab zu viele Spiele, in denen Mutterstadt unter die Räder kam: 0:5 in Lustadt, 1:5 gegen 08 Haßloch, 1:5 beim VfB Haßloch, 0:4 in Queichhambach. Auch bei den 0:3-Heimpleiten gegen die Topteams Südwest Ludwigshafen und den FSV Schifferstadt war die FG nahezu chancenlos. 42 Gegentreffer musste die Mannschaft bisher einstecken, das sind fast so viele wie in der kompletten Vorsaison.
Kuriosum wegen 42 Gegentreffern
Das führte zu einem Kuriosum. Die Mutterstadter haben in den bisherigen 18 Partien rekordverdächtige sechs Torhüter eingesetzt. „Keiner hat sich so richtig als Nummer eins herauskristallisiert“, erklärt Drese. Auf Sicht könnte Jan Müller das Tor der FG hüten. Der ist aber erst 18 und spielt noch bei den A-Junioren. Die ständigen Wechsel auf der Torhüterposition – achtmal stand ein anderer Torwart im Kasten als im Spiel zuvor – führte dazu, dass Mutterstadt 27 Spieler einsetzte. Nur der zuverlässige Rechtsverteidiger Luca Stoye war in allen 18 Begegnungen dabei, auf 17 Einsätze kamen David Höll und Nils Kohlgrüber, 16 Mal spielte Fabio Reithermann, gefolgt von Billy Agwaze, Jan Drese und Simon Pankner (je 15).
Integration glückt nur bedingt
24 Treffer haben die Mutterstadter erzielt, am häufigsten waren Marco Reithermann (5), Höll und Kohlgrüber (je 4) erfolgreich. Ein Grund für den wechselhaften Verlauf ist die über weite Strecken fehlende Form bei Leistungsträgern. „Viele Stammspieler konnten unseren Nachwuchskräften nicht bei der Integration helfen, weil sie mit sich selbst beschäftigt waren“, sagt der Coach. Eine Ausnahme war Kapitän und Innenverteidiger Jens Kohlgrüber (29), der sich seit seinem Wechsel zur FG als große Verstärkung entpuppt hat. „Jens hat beständig gute und stabile Leistungen gebracht. Ausreißer nach unten gab es kaum“, betont Drese.
Von den Eigengewächsen ist Luca Bühler (19) am weitesten, was 13 Einsätze belegen. Er darf schon Freistöße schießen. Die gleichaltrigen Tim Nothaft, Sohn des früheren Südwest-Spielmachers Matthias Nothaft, sowie Silas Hold sind auf dem Sprung.
Kommentar
Gute Perspektive
Die FG 08 Mutterstadt setzt auf den eigenen Nachwuchs. Zeigt dieser Ehrgeiz steht der Verein künftig gut da. Nur ein Abgang schmerzt.
Die FG 08 Mutterstadt spielt seit elf Jahren ununterbrochen in der Bezirksliga – so lange wie kein anderer Klub. Bis auf eine Saison, in der das Team Dritter wurde, landete die FG meist im Mittelfeld. Danach sieht es auch in dieser Runde aus. Das passt zu einem bodenständigen und gut geführten Verein, der für Kontinuität steht, und bei dem die eigene Jugend eine große Rolle spielt. Allerdings droht den A-Junioren der Abstieg aus der Landesliga, was ein Rückschlag bedeuten würde. Die erste Garnitur hat eine vielversprechende Zukunft, denn im letzten Spiel der Hinserie gegen den BSC Oppau waren zehn der 14 eingesetzten Akteure 23 Jahre alt oder jünger. Wenn der Nachwuchs bei der Stange bleibt und den nötigen Ehrgeiz aufbringt, hat das Team eine gute Perspektive. Mutterstadt muss jedoch das Ausscheiden von Trainer Michael Drese kompensieren, der gut zum Klub passt, aber im Sommer nach zweijähriger Tätigkeit die FG verlässt. Wird das Team Fünfter, hätte es die beste Runde seit 2010/11 gespielt, und für Drese wäre es ein schöner Abschluss.