Mannheim
Freitragende Brücke aus Holz für Radfahrer und Fußgänger
Gleich zwei architektonisch reizvolle Entwürfe für eine Rad- und Fußgängerbrücke über die B38 zwischen dem alten Stadtteil Vogelstang und dem neuen „Franklin“ hatten es im Architekturwettbewerb im Jahr 2020 auf den ersten Platz geschafft. Schließlich machte eine freitragende Holzbrücke das Rennen. Diese Woche ist Baustart gewesen. In genau einem Jahr solle die neue Stadtteil-Verbindung fertig sein, kündigt MWSP-Geschäftsführer Achim Judt an. Die städtische Entwicklungsgesellschaft ist mit der Umwandlung des ehemaligen Militärareals Benjamin-Franklin-Village zu einem neuen Wohnquartier beauftragt.
Die Brücke schaffe eine neue Fuß- und Radwegeverbindung und die Möglichkeit einer klimaneutralen Querung der B38 im Sinne des autoarmen Verkehrskonzepts in Franklin. Die Brücke sei dazu „ein ganz hervorragender Entwurf mit hohem ästhetischem Anspruch“, meint Judt. Und wie ein Weihnachtsgeschenk an Mannheim werde die Brücke komplett vom Bundesverkehrsministerium gefördert, teilt er mit. Neun Millionen Euro sollen aus Berlin nach Mannheim fließen.
Millionen fließen trotz Haushaltsstreit
„Wir wollen den Menschen einen Umstieg auf klimafreundliche Mobilität erleichtern und unterstützen Länder und Kommunen, eine sichere Radinfrastruktur anzubieten“, betont Michael Theurer, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Ungeachtet des Haushaltsstreits seien die Fördermittel von neun Millionen Euro für die Brücke bereits bewilligt, versichert Theurer.
„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. Der Franklin-Steg überwindet die seit Jahrzehnten bestehende Barrierewirkung der Bundesstraße 38. Er verbindet die rund 12.500 Einwohner des Stadtteils Vogelstang mit dem neuen und wachsenden Stadtteil Franklin, in dem bald 10.000 Bürger wohnen. Die attraktiv gestaltete Rad- und Fußwegverbindung ermöglicht einen direkten Zugang zu Nahversorgung und Bildungseinrichtungen“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Im Stadtteil Vogelstang gibt es anders als in Franklin schon ein Einkaufszentrum und weiterführende Schulen. Der Franklin-Steg sei Teil eines neuen Radverkehrsnetzes. Der neue breite Radweg werde von der Vogelstang kommend über die B38 auch die nachfolgenden Gleise der Stadtbahn mit einer Brücke überwinden und in Franklin mitten durch ein geplantes Hochhaus hindurch führen, kündigt der Oberbürgermeister an.
Sperrungen der B38 nötig
Laut der Planung soll an der Auffahrt auf den Franklin-Steg auf der Vogelstang-Seite ein Platz entstehen. Auf der Franklin-Seite endet die Brücke mit einer Rampe im grünen Freiraum von Columbus. Wie Judt sagt, zeichnet sich der Entwurf des Franklin-Stegs durch besondere Nachhaltigkeit und die überwiegende Verwendung des Baumaterials Holz aus. Die Konstruktion hat eine Spannweite von 55 Metern bei 4,50 Metern Breite. Der Holzkörper selbst ist aus Lärchenholz und 45 Meter lang.
Neuartig ist auch der Brückenbelag aus Carbon-Beton. „Die Platten sind dünn, leicht, sehr widerstandsfähig und nachhaltig. Es handelt sich hier um die längste integrale Holzbrücke in Deutschland. Bisher hat es so etwas im Holzbau nicht gegeben“, beteuert Architekt Thorsten Helbig. Zunächst beginnen nun die Aushubarbeiten für die Brücke. Dann folgt der Bau der Rampen und der Einhub der fertigen Hauptbrücke über die B38. An mehreren Sonntagen des kommenden Jahres ist daher mit einer Vollsperrung der Bundesstraße zu rechnen.