Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten: Preiserhöhungen bei der Sparkasse Vorderpfalz

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Die Sparkasse Vorderpfalz erhöht ab Februar die Kontogebühren für ihre Kunden. Hauptgrund: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank belastet das Geschäftsergebnis der Bank. Nun hofft die Sparkasse, dass sie trotz höherer Preise keine Kunden verliert.

Wo liegt das Problem?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Euro-Raum den Zins praktsich abgeschafft, um Wirtschaftskraft und Konsum in Europa anzukurbeln. Für die Sparer in Deutschland bedeutet dies, dass sie von den Banken für Sparkonten so gut wie keine Zinsen mehr bekommen. Aber auch den Sparkassen ist damit eine wichtige Geschäftsgrundlage entzogen worden. Denn auch sie verdienen mit Sparanlangen und Krediten immer weniger Geld.

Warum erhöht die Sparkasse die Preise?

Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht. „Wir müssen die Preise an unsere Leistungen anpassen, sonst machen wir ein Minusgeschäft. Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Sparkassenchef Thomas Traue. Seine Bank hält ein großes Filialnetz in der Region vor und bietet Beratungen an. Infrastruktur, Digitalisierung der Angebote und Personal kosten Geld. Traue: „Viele Jahre ist es uns gelungen, die Preise für unsere Dienstleistungen konstant zu halten. Wir haben zunächst andere Möglichkeiten ausgeschöpft und Kosten eingespart.“ Gleichzeitig seien auch die Dienstleistungen der Sparkasse erweitert und kostenlos für die Kunden eingeführt worden, wie etwa die Foto-Überweisung oder digitale Dienste und Bezahlmöglichkeiten.

Welche Gebühren werden erhöht?

Die Girokontenpreise für Privat- und Geschäftskunden werden ab Februar 2020 erhöht. Außerdem sollen die verschiedenen Kontomodelle vereinfacht werden. Die Vielzahl der Angebote resultiert aus der Fusion, bei der sich 2013 die Stadtsparkassen von Ludwigshafen, Schifferstadt und Speyer mit der Kreissparkasse im Rhein-Pfalz-Kreis zur Sparkasse Vorderpfalz zusammengeschlossen haben.

Welche Modelle gibt es künftig und was kosten diese?

Für Privatkunden wird das Kontomodell „Giro direkt“ 4,90 Euro pro Monat kosten (vorher 3,90 Euro) und „Giro inklusiv“ 7,90 Euro (vorher 6,90 Euro). Der Monatspreis bei „Giro premium“ bleibt unverändert bei 12,90 Euro. Für Schüler, Azubis und Studenten gibt es weiterhin das kostenlose Konto „Giro start“. Bei Geschäftsgirokonten werden bei drei von sechs Kontomodellen die Monatspreise erhöht. Auch die Kosten für Buchungen werden bei allen Geschäftsgirokonten teurer.

Bekommen Kunden bei höheren Kosten auch mehr Leistungen?

Um die Preiserhöhungen abzufedern, bietet die Sparkasse bei allen Kontomodellen weitere Serviceleistungen an: Zum Beispiel den E-Safe für Dokumente, Verträge, Flugtickets, Hotelbestätigungen oder Versicherungen. In den elektronischen Safe können Kunden wichtige Unterlagen hochladen, verwahren und unabhängig von Ort und Zeit rund um die Uhr darauf zugreifen.

Rechnet die Bank mit Kündigungen?

Ja, wie alle Unternehmen kalkuliert die Sparkasse auch mit Kündigungen von Kunden wegen Preiserhöhungen. Aber Vorstandschef Traue sagt auch: „Wir möchten wegen der Preisanpassung keinen einzigen Kunden verlieren.“ Mit einer transparenten Preisgestaltung und erweiterten Serviceleistungen, will die Sparkasse im Wettbewerbsvergleich attraktiv für Kunden bleiben. „Je nach Wahl des Kontomodells zahlen unsere Kunden nur das, was sie auch tatsächlich benötigen. Das alles ohne versteckte Kosten zu einem fairen und marktkonformen Preis-Leistungs-Verhältnis“, wirbt Traue. Die betroffenen Kunden werden in den nächsten Tagen über die Preise für ihre Konten informiert. Die Sparkassen-Berater sollen mit den Kunden reden und ihnen das individuell passende Kontomodell anbieten.

Werden die Kunden in der Zukunft Geld (Negativzinsen) zahlen müssen, damit die Sparkasse ihre Spareinlagen aufbewahrt?

„Bei Privatkunden im Bestand wird es keine Negativzinsen geben“, sagt Sparkassenchef Traue. Bei Geschäftskunden gibt es bereits seit einiger Zeit ein „Verwahrentgelt“ für Einlagen ab einer Million Euro. Auch bei Neukunden im Privatbereich sind ab einer bestimmten Summe Negativzinsen geplant. Eine feste Regelung gibt es noch nicht.

Wie will die Sparkasse selbst sparen?

Derzeit hat die Sparkasse Vorderpfalz 920 Mitarbeiter, was 770 Vollzeitstellen entspricht. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Klar ist aber wohl auch, dass die Belegschaft in den kommenden Jahren reduziert wird, wenn Mitarbeiter in Ruhestand gehen oder den Job wechseln. Durch Online-Banking wird auch ein Teil des Personals in den Filialen überflüssig, denn die Kundenfrequenz in den Geschäftsstellen nimmt ab. Diese Mitarbeiter sollen andere Aufgaben übernehmen, sagt Sparkassenchef Traue. Derzeit hat die Bank 51 Standorte: 32 Filialen und 19 SB-Bereiche. Die Geschäftsstellenstruktur kommt in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Prüfstand. „Schließungen werden geprüft“, sagt Traue.

Wie sieht die Zukunft der Bank aus?

„Wir sind gut gerüstet. Mir ist um die Sparkasse nicht bange“, sagt Vorstandschef Traue. Die Bank habe ein gutes Vertriebssystem, habe finanziell für schlechte Zeiten vorgesorgt und wolle mit Beratung bei den Kunden punkten.

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