Ludwigshafen Fröhliches Verkleiden
Elf Kinder vom Kinderclub des Jungen Pfalzbau und ein Ensemble der städtischen Musikschule in Ludwigshafen haben gemeinsam den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens die Hinterbühne des Theaters im Pfalzbau gebracht. Ernste Auseinandersetzung, zeitgenössischer Witz und kindliche Spielfreude finden in dieser Produktion bezaubernd natürlich zueinander. Die Aufführung dieser musikalischen Suite wird zum Erlebnis.
Das Orchester spielt, die Darsteller marschieren ein, der Vorhang öffnet sich und wir sehen auf einen riesigen bunten Haufen von Kleidungsstücken. Los geht es mit dem Einzug der Löwen. Jedes Kind schnappt sich sein Kostüm. Kein niedliches Löwenkostüm, wie es mancher ans konventionelle Kindertheater gewöhnte Zuschauer vielleicht erwartet. Auf dem Haufen liegen unspektakuläre Erwachsenenklamotten, darunter viele Herrensakkos in pastelligen Farben, außerdem Flattertücher und prächtige Schleppen. Nicht das perfekt geschneiderte Kostüm macht hier die Figur, sondern der Darsteller. Das alte Kinderspiel, in den Kleidern von Erwachsenen zu posieren, wird zur lustigen Persiflage. Das passt natürlich, denn auch Saint-Saens’ Stück ließ die Instrumente Tierrufe imitieren und veralberte Komponistenkollegen wie Offenbach, Berlioz und Rossini. Die Löwen tragen ihre Jacken korrekt und marschieren manierlich in die Zirkusarena ein. Dann sehen wir sie in freier Wildbahn eine Antilope jagen. Sie kriegen sie aber nicht. Die Szenen haben sich die Kinder selbst ausgedacht und kommentieren sie am Mikrofon. Jedes Kind kommt einmal dran mit Sätzen, die vorzüglich zu ihm passen. Sie nehmen das Mikrofon vom Ständer und sprechen hinein wie routinierte Moderatoren, aber so unterschiedlich und individuell, wie es nur im spontanen Spiel entsteht. Das Stück ist mehrheitlich ein Tanztheater, aber die trefflich ausgearbeiteten Sprechpassagen haben ihren eigenen Reiz. In schief übergezogenen grauen Jacken mit baumelnden Ärmeln sind die Kinder dann eine Elefantenherde. Wenn sich vier von ihnen vornübergebeugt langsam wiegen sehen wir Schildkröten. Flatternde Tücher, eine bunte Schleppe signalisieren den Hühnerhof. Vom Schnürboden schwebt ein fantasievolles Gehänge aus Kleidungsstücken herab. Ein Kind greift sich eins, wickelt sich hinein wie in einen langen Rock und beginnt zu hüpfen. „Ein Känguru!“, sagt die Kommentatorin ins Mikrofon. „Es fühlt sich etwas fremd hier.“ Die ausgewählten Passagen des populären Musikstücks sind in Bewegungsästhetik und kindlich ausgelassene Moderation umgesetzt. Die instrumentalen Tierstimmen, die hier ablenken würden, sind weggelassen. Dafür wurde optisch und musikalisch mit Stimmungen gearbeitet. Vor illuminiertem Prospekt sieht der Kleiderhaufen wie ein Berg aus. Die Kinder besteigen ihn, tollen darauf herum, positionieren sich zu einem Solo, wühlen sich in die Flanken. Wenn „der Schwan“ als weißes Kleid herabschwebt, fassen alle nach einem der herabhängenden Bänder und strecken sich aus zum Träumen. Wie ein Paukenschlag folgt das Finale. Für ein so großes Theaterprojekt mit Kindern und Jugendlichen braucht es eine große Crew von erwachsenen Profis. Angeführt wird die Truppe von Angela Bauer, die die musikalische Leitung hatte, sowie Anne Tysiak und Friederike Hartung, die Regie führten.