Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fröhlicher Jammerlappen

Mann mit prägnanter Stimme: Olmo auf der Sommerbühne in Mannheim.
Mann mit prägnanter Stimme: Olmo auf der Sommerbühne in Mannheim.

Olmo, alias Francesco Lo Giudice, war schon mehrfach mit Begleitern in der Alten Feuerwache in Mannheim, und das war immer ein bisschen skurril. Jetzt kam er allein auf die dortige Sommerbühne und das war schön – und ganz schön skurril.

Die Bühne betritt ein verträumt wirkender junger Mann mit einer gelben Les Paul Junior-Gitarre. Er stimmt noch mal schnell durch, scheint zuerst noch ganz bei sich. Dann zupft er einen Walzertakt, einfach und klassisch und singt auf Italienisch „Tornerai“, was laut Google-Übersetzer irgendwas mit Rückkehr bedeuten könnte. Die Melodie ist erstaunlich altmodisch und hat etwas von einer Barcarole. Das sind Lieder, die die Gondoliere in Venedig auf ihren Booten singen. Francesco Lo Giudice stammt aus Italien, lebt inzwischen aber in Berlin. Er singt alle seine anderen Lieder auf Englisch.

Gleich auffällig ist Olmos Stimme und seine Art zu singen, und das bleibt den ganzen Abend so. Er kann recht hoch singen, und dann wird seine Stimme sehr prägnant, aber nicht auf unangenehme Art. Manchmal reichen seine Melodien auch hinab bis in die tiefe Tenor-, Anfang Bariton-Lage. Da klingt die Stimme angenehm warm und samtig. Das kommt auf seinem gerade veröffentlichten Album „The Trunk“ noch deutlicher zur Geltung. Auf der Sommerbühne singt er das Album durch und hat auch noch ein paar weitere Stücke dabei. Seine Melodien klingen freundlich, die Akkorde sind fast immer in hellem Dur gehalten. Manchmal springt er ganz locker eine Oktave hoch, um eine Phrase zu wiederholen und zu betonen.

Wabernd, blubbernd, verwaschen

Er sagt selber zum Publikum, dass seine Musik „happy“ klinge, aber darunter einiges an Dunkelheit und Düsternis liege. Sehr schön deutlich wird das bei seinem Song „Pigs“. Der Refrain lautet: „Die ganze Landschaft ist vermüllt mit egomanischen, neofaschistischen Schweinen“ und gleich darauf entschuldigt er sich bei den Borstentieren, deren Namen er als Schimpfwort benutzt: „Ihr seid eigentlich so intelligente Geschöpfe.“

Auf der Sommerbühne begleitet er sich selbst auf der Gitarre, später auch auf einem Keyboard. Da merkt man, dass er ein Singer/Songwriter ist. Auf dem Album sind die Stücke etwas größer arrangiert, aber immer mit starkem Anteil von Keyboard-Sounds. Der Klang ist recht eigen, es sind keine Standardsounds, sondern skurril wabernde, blubbernde oder verwaschen wirkende Klänge, die manchmal an 70er-Jahre-Heimorgeln erinnern. Auch als Olmo sich ans Keyboard setzt klingt es irgendwie „schräg“. Das passt aber sehr gut zu seinen Liedern. Von enttäuschter Liebe singt er in „Prince Harming“ – das ist kein Schreibfehler. Aus dem Englischen „Charming“ (bezaubernd) wird „harming“ (verletzend). Sein Angebeteter scheint gar nicht zu merken, dass er so verehrt wird. „Immer wenn ich bei dir bin, bist du bloß noch mit deinem Telefon beschäftigt. Und wenn ich dir von ferne simse, antwortest du nicht“, singt er mit klagender Stimme.

Rätselhaft verschlüsselte Poesie

Dieses Klagen hört man in Olmos Liedern öfter. Er phrasiert ähnlich wie ein Bluesgitarrist, er verzieht Töne, lässt sie manchmal abschmieren, seufzt und ächzt, dass es ein Jammer ist. Auf dem Studioalbum verteilt sich das etwas besser, live ist es auf Dauer ein bisschen viel. Man(n) ist versucht ihm zuzurufen „Junge, lass Dich nicht so hängen.“ Andererseits ist das vielleicht auch ironisch und absichtlich dick aufgetragen. Das bleibt in der Schwebe und mag sich jeder selber denken.

Manche Stücke sind auch von rätselhaft verschlüsselter Poesie. „Nur um der Folter willen setze ich ein Chamäleon vor einen Spiegel, und während ich zusehe, wie es wahnsinnig wird, erinnert es mich an mich. Und wie ich in die Dunkelheit segle, weiß ich, dass die Küste hinter mir langsam zu Sand wird und weggespült wird“, singt er, um dann festzustellen, dass das schon Okay ist.

Olmo ist zweisprachig aufgewachsen und studierte in Rom und London Violine und in Bristol Komposition und elektronische Musik. Dann ging er nach Berlin, wo er zunächst Straßenmusiker war. Mit anderen Musikern hat er verschiedene Projekte am Start, „The Trunk“ ist sein erstes Soloalbum. Entstanden ist es in Berlin, selbst komponiert, arrangiert und aufgenommen. Zur Single „Dream Boat“ hat er Monate lang ein Daumenkino gezeichnet, das auf seinem Youtube-Kanal zu sehen ist.

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