Mannheim
Film mit Orchester im Rosengarten: Musik, die funktioniert
Es gibt drei Filme, die alle Jahre wieder zu Weihnachten durch alle Kanäle laufen: „Der kleine Lord“, „Tatsächlich Liebe“ und „Stirb langsam“. Im Rosengarten war es jetzt „Tatsächlich Liebe“, bei dem die Württembergische Philharmonie unter der Leitung von Gottfried Rabl live unter der Leinwand musizierte.
Das geschah mit Liebe zum Detail. Es gab eine Ouvertüre, in der einige Themen angespielt wurden, die später im Film auftauchen. Und zum Vorspann gab es sogar die Fanfare der Universal Studios.
Für jeden etwas
Nun ist „Tatsächlich Liebe“ nicht in erster Linie wegen seiner Filmmusik zum wiederkehrenden Weihnachtsfilm geworden. Zumindest nicht wegen der Filmmusik, die Craig Armstrong komponiert hat. Die ist nämlich ziemlich unauffällig. Viel mehr sind es die einzelnen Episoden, die mit verschiedenen Figuren die verschiedenen Facetten der Liebe beleuchten. Und das erfüllt bestens das Erfolgsprinzip, das vor 150 Jahren schon Zirkusdirektor P. T. Barnum „a little something for everybody“ (für jeden etwas) nannte. Und die Filmfiguren sind halt auch mit der Crème de la Crème der britischen Schauspielerei besetzt: Alan Rickman (der Bösewicht Hans Gruber aus „Stirb Langsam“), Emma Thompson, Martin Freeman, Liam Neeson (bevor er mit „96 Hors“ zum Actionheld wurde), Colin Firth, Kira Knightley und natürlich der ewige Beziehungs-Schussel Hugh Grant und viele mehr. Selbst die Nebenrollen sind großartig besetzt, unter anderem mit Rowan Atkinson und Claudia Schiffer hat einen Cameo-Auftritt.
Die Musik, die den Film in der Popkultur verankert, sind Pop-Klassiker in neuen Interpretationen: Darunter sind Oldies wie von den Beatles „All you need is Love“ „White Christmas“, das von Nat King Cole über Bing Crosby bis Frank Sinatra jeder Schmacht-Sänger gesungen hat, das schon damals unvermeidliche „All I want for Christmas“ von Mariah Carey, „God only knows“ von den Beach Boys und eine Menge mehr. Gespielt werden die Songs mit Stimmen aus der Konserve und live-Ergänzungen des Orchesters, das dann natürlich einen schön breiten vollen Sound von der Bühne in den Saal bläst und streicht. Die untermalende Stimmungsmusik für das Orchester hat Craig Armstromg geschrieben. Der schottische Komponist und Arrangeur ist ziemlich nahe an der Popkultur. Er hat unter anderem für Madonna, Tina Turner, Björk und andere Pop-Künstler gearbeitet. Ein bekanntes Titelthema von ihm ist „Der unglaubliche Hulk“, das er fünf Jahre nach „Tatsächlich Liebe“ geschrieben hat und das hohen Wiedererkennungswert hat.
Orchester spielt die zweite Geige
Das kann man von „Tatsächlich Liebe“ nicht behaupten. Da spielt das Orchester buchstäblich die zweite Geige, bis gegen Schluss, als der Soundtrack mal aufdreht, weil die Episoden miteinander verwoben werden und es spannend wird. Das Orchester klingt stets gut, wird aber nicht wirklich gefordert. Die Musik ist Funktionsmusik – funktioniert aber bestens. Der Film erfüllt jede Erwartung und jedes Klischee. Aber das ist ja auch mal schön. Man kann ja immer noch zuhause „Stirb langsam“ in den DVD-Player schieben.