Ludwigshafen „Fibs ist eine Erfolgsgeschichte“

Strafunmündige Jugendliche sind eine Herausforderung für Jugendamt und Polizei. Ludwigshafen beschreitet hier neue Wege. Heinz Müller vom Mainzer Institut für Sozialpädagogische Forschung hat gestern zum Abschluss des Projekts „Frühe Intervention und Beratung Strafunmündiger“ (Fibs) im Jugendhilfeausschuss Ergebnisse vorgestellt. Das Projekt sei „eine Erfolgsgeschichte“, betonte Müller.
„Wenn es Fibs nicht gäbe, müsste man es erfinden“, schloss Heinz Müller seine Ausführungen. Demnach wurden von Januar 2011 bis März 2012 alle straffälligen Jugendliche unter 14 Jahren erfasst. Insgesamt betraf dies in Ludwigshafen 380 strafunmündige Kinder, die 488 Straftaten begangen hatten. „In der gesamten jugendtypischen Bandbreite – von Diebstahl bis Beleidigung und Körperverletzung“, beschrieb Müller die Delikte. Allen wurde gemeinsam mit den Eltern ein Beratungsangebot gemacht, das auch von rund 80 Prozent der Familien angenommen wurde. Der Rücklauf sei überaus positiv: Eltern und Kinder freuten sich über das Beratungsangebot. Rund 60 Prozent der Kinder seien nur das eine Mal straffällig geworden. Das sei ein Ergebnis der gut vernetzten Zusammenarbeit aller Beteiligten, ist Müller überzeugt. Polizei, Jugendamt, Haus des Jugendrechts, Schulsozialarbeit und Erziehungsangebote – sie alle tragen laut dem Experten ihren Teil zum Gesamtkonzept bei. „Fibs ist ein längst überfälliger Ansatz und zentrale Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe“, so Müller. Ein Ansatz, wie er eigentlich nur aus Ludwigshafen stammen könne, wo auch das Haus des Jugendrechts als bundesweiter Vorreiter aus der Taufe gehoben wurde. Die Bedeutung von Fibs unterstrich auch Jugendamtsleiter Jürgen May. Für eine kurze Diskussion im Ausschuss sorgte der von Rudolf Leidig, Bereich Kindertagesstätten, vorgestellte Nachtrag zum dritten Kindertagesstättenausbaupaket. Demnach fehlen in Ludwigshafen bis Ende 2017 450 Kindergarten- sowie 60 Krippenplätze. Für Neu- und Ausbau bestehender Kindertagesstätten sind dafür rund 28 Millionen Euro vorgesehen. Außerdem müssen für die neuen Gruppen 77 neue Erzieherstellen geschaffen werden, rechnete Leidig vor. Die neuen Gruppen sollen quer über das gesamte Stadtgebiet geschaffen werden. „Wir stellen das Konzept und die Standorte auch noch in allen Ortsbeiräten vor. Dabei sind die von uns ausgewählten Standorte lediglich Vorschläge“, versprach er und antwortete damit auf die Kritik von Linken-Stadträtin Sabine Gerassimatos, die sich im Stadtteil Süd entschieden gegen einen Neubau am Koschatplatz verwahrte und mit Ablehnung der Vorlage drohte. Bei allen anderen Vertretern der Fraktionen kam der Vorschlag der Verwaltung hingegen gut an. „Wir begrüßen die konkretisierte Planung“, erklärte David Schneider (SPD), während Wilhelma Metzler (CDU) die zügige Umsetzung einforderte. Probleme könnten die vorgesehenen 77 Erzieherstellen verursachen. „Wir werben weiterhin Erzieher an. Die finanziellen Mittel dafür sind auf alle Fälle vorhanden“, sagte Leidig. (env)