Fußball
FG 08 Mutterstadt mit 28-Mann-Kader in 15. Bezirksligarunde in Folge
Auf den verbalen Griff nach den Sternen wird in Mutterstadt verzichtet. Vielleicht auch deswegen, weil man nirgendwo sonst die Liga so gut kennt wie bei der FG. Die Mutterstadter gehen in ihre 15. Saison in der Bezirksliga in Folge. Und so stark wie in der zurückliegenden Runde waren die Null-achter nur einmal, als sie die Serie 2011/12 ebenfalls auf dem dritten Tabellenplatz abschlossen. Da ist Zurückhaltung und Demut nicht die schlechteste Wahl. Die Schwarz-Weißen müssen die starke Spielzeit 2022/23 erst einmal bestätigen.
„Wir wollen oben mitspielen, und vielleicht können wir Rang drei wiederholen“, sagen die beiden Trainer Kevin Selzer und Marco Malizia unisono. Die Voraussetzungen sind jedenfalls gut, denn Mutterstadt hat nur zwei Spieler abgegeben. Innenverteidiger Jens Kohlgrüber beendete seine Laufbahn, Torwart Dennis Falkenstein wechselte zu Kickers Neuhofen. „Die Mannschaft ist eingespielt, weil auch nur vier neue Akteure hinzugekommen sind“, verdeutlicht Malizia.
Neuer Stürmer, neuer Torhüter
Vom Landesliga-Absteiger VfB Haßloch wurde Stürmer Lukas Franzreb verpflichtet. „Ein ruhiger, angenehmer Mensch“, charakterisiert Selzer den torgefährlichen Zugang. Er ist ein anderer Typ als Zentrumsstürmer David Schinnerer, der früh und permanent attackiert und den Gegner stresst. Franzreb hat einen ausgeprägten Torriecher. Die beiden könnten sich prima ergänzen.
Vom Bezirksliga-Aufsteiger SV Obersülzen kam Torhüter Tim Neumeister. „Ein athletischer, agiler und auf der Linie starke Schlussmann, der sich aber mit dem Ball am Fuß steigern muss“, urteilt Malizia. Neumeister sei sehr kommunikativ, gesellig, frage viel nach und sei in den Mannschaftsrat gewählt worden. Stallgeruch bringt Batuhan Topal mit, der technisch stark und immer positiv sei. Das Eigengewächs, das die Jugend bei der FG verbrachte, hat aber auf der Sechser- oder Achterposition mit großer Konkurrenz zu kämpfen. Schließlich kehrt Verteidiger Jan Weingarte, einst unumstrittener Stammspieler, nach einer Pause und einem Jahr bei der Reserve in den Kreis der Bezirksligakicker zurück.
Experimentierzeit
Am Trainingslager in Geiselwind bei Nürnberg nahmen 22 Spieler plus Trainer, Spielleiter und Betreuer teil. „Es gab fünf Einheiten mit fußballspezifischen Komponenten wie Umschaltverhalten, Pressing oder Spiel auf engem Raum“, erläutert Selzer. Taktische Elemente wie das unterschiedliche Positionsspiel bei Dreier- und Viererkette kamen hinzu. „Alle haben vorbildlich mitgezogen. Auch in den Bereichen Disziplin und Pünktlichkeit bei den Trainingseinheiten oder beim Essen gab es nichts auszusetzen“, ergänzt Malizia. Der Besuch von zwei Weinfesten an den Abenden rundeten als Teambuildingmaßnahmen das Trainingslager ab.
Die Vorbereitung ist immer auch eine Experimentierzeit. Und so haben die Mutterstadter einiges ausprobiert, was unter dem Überbegriff Flexibilität zusammengefasst werden kann. „Dabei geht es nicht nur um das Beherrschen verschiedener Spielsysteme mit unterschiedlicher Gewichtung, sondern auch darum, auf welchem Weg wir zum Erfolg kommen wollen“, betont Selzer. Mal gehe es darum, im Zentrum eine Überzahl zu erreichen, mal über die Flügel die gegnerische Abwehr aufzureißen oder den zentralen Aufbauspieler in Bedrängnis anzuspielen. Jeder solle zudem mehr Verantwortung übernehmen, sich taktisch weiterentwickeln und eine größere mentale Widerstandskraft entwickeln.
Jede Position doppelt besetzt
„Ein Plus ist unser großer Kader. Wir können jede Position doppelt besetzen und problemlos während des Spiels umstellen“, freut sich Malizia. Die Nullachter, die Luca Stoye nach dem Ausscheiden Kohlgrübers künftig auch offiziell als Kapitän auf das Feld führt, verfügen über einen 28-köpfigen Kader. Klingt nach Luxus, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass einige Akteure, teils noch wegen Blessuren aus der vergangenen Runde, verletzt ausfallen (Simon Schneider, Aaron Brodt, Vitorio-Antonio Parrotta). Und noch eins liegt Selzer, der wohl öfter über außen kommen wird, am Herzen: „Wir dürfen uns nicht ins Hemd machen, wenn es mal nicht läuft.“