Fußgönheim
Feuerwerk der Flötentöne: Ensemble Flautando im Hallbergschen Schloss
„Flautando“, benannt nach dem italienischen Wort für Blockflöte (flauto dulce) sind vier Meisterinnen der Holzblockflöte und ihre zahlreichen Instrumente. Für das Konzert kamen zwanzig zum Einsatz, von der gerade handlangen hellklingenden Piccoloflöte bis zur gewaltigen, tiefen Kontrabassflöte, die die meisten der zierlichen Frauen überragt. Sie wird im Sitzen gespielt, auf die Erde gestemmt. Um überhaupt mit den Lippen heranzukommen, ist sie mit einem sehr langen, nach unten geschwungenen Metallmundstück ausgestattet. Ein optisches Vergnügen waren die Nachbauten alter Instrumente mit ihrer sorgfältigen Verarbeitung edler Hölzer, gelegentlich mit edlem Metall verziert.
Verstärkt wurde das Ensemble mit der Neustadter Lautenistin Andrea Baur, Rainer Johannsen mit Barockfagott und Dulzian, dem Vorläufer des Fagott, Stefan Horz am Cembalo und dem Perkussionisten Torsten Müller mit allerlei Schlagwerk aus alten Zeiten. Wegen des unsicheren Wetters hatte man das Konzert von der Freitreppe in die Schlosskirche verlegt, wo dank der barocken Ausstattung die Atmosphäre sehr stimmungsvoll war und die Akustik vermutlich besser.
Undenkbar, dass an einem Fürsten- oder Königshof eine Lustbarkeit stattfand ohne Musik hoher Qualität. Die Komponisten und Kapellmeister waren Angestellte der Adligen, die ihrerseits Kenner waren und stets neue Stücke für jede Gelegenheit erwarten. Aus dieser Unterhaltungsmusik der „höheren Stände“ war das Konzert zusammengestellt.
Zum lebhaften Tanz gesteigert
Einer der Musiker war Johann Christian Schickhardt, 1682 in Braunschweig geboren, als Flötist, Oboist und Komponist im Dienst etwa der Häuser von Nassau-Dietz, Hessen-Kassel, aber auch Hamburg und Schweden. Mit zweien seiner Konzerte in jeweils vier Sätzen, ganz klassisch, eröffneten die Musikerinnen die Halbzeiten des Programms, das erste heiter in C-Dur, das zweite in d-moll. Laute und Cembalo übernahmen die Begleitung, und auf dieser Grundlinie entfaltete sich das virtuose Feuerwerk der Flötentöne und überraschte immer wieder durch die Reichhaltigkeit des Klangspektrums.
Der eine Generation ältere Marco Uccellini war Violinist und arbeitete für die Adelsfamilien d’Este und Farnese. Seine Aria sopra „La Bergamasca“ entwickelte sich aus einem einfachen Basso-Continuo-Anfang zu einem lebhaften Tanz. Von Michael Prätorius , noch eine Generation älter, gab es Tänze aus seiner Sammlung „Terpsichore“, und vom Karlsruher Johann Melchior Molter, 1696 geboren, ein hochbarockes Concerto. Aus dem Rahmen fielen die Stücke von John Playford, denn der war kein Musiker, sondern Sammler. Er verlegte Tänze und Musik für „Masks“, Pantomimen im Kostüm, die im elisabethanischen Zeitalter zur Unterhaltung beliebt waren.