Natürlich Kunst! RHEINPFALZ Plus Artikel Feine Steine: Gerhard Vogt und sein Wachenheimer Kreisel

Sechs Sandsteine – fünf in der Mitte des Kreisels, einer am Rand – bilden die Installation am nördlichen Eingang nach Wachenheim
Sechs Sandsteine – fünf in der Mitte des Kreisels, einer am Rand – bilden die Installation am nördlichen Eingang nach Wachenheim. Gerhard Vogt, der sie vor 20 Jahren geschaffen hat, wollte nicht auf dem Foto zu sehen sein.

Auf dem Wurstmarkt sieht man zurzeit wieder viele Menschen, die ihre Pfalzliebe auf T-Shirts ausdrücken. Gerhard Vogt zeigt die Verbundenheit zu seiner pfälzischen Heimat auf subtilere Weise: Für seine Heimatstadt Wachenheim hat der Bildhauer vor 20 Jahren einen Kreisel geschaffen, der sich sanft in die Landschaft einfügt. Aus natürlichem Material.

Immer wenn er sein Büro betritt, das gleichzeitig Zeichenatelier, Schauraum und Ladenlokal ist, wird Gerhard Vogt an sein Werk erinnert. Durch ein großes Modell des Kreisels und durch filigrane Holzschablonen, die er einst in Originalgröße anfertigte, um die richtige Position der Elemente und die Wirkung der Installation zu testen. Schließlich konnte er die jeweils drei Tonnen schweren Steine nicht einfach so lange hin und her rücken, bis ihm die Anordnung perfekt erschien.

Ein Geschenk zum Geburtstag

Die zu diesem Zweck damals geschnittenen Holzplatten nutzt der heute 67-Jährige inzwischen, um Fotos zu befestigen: Erinnerungen an die Entstehung seiner Kreiselkunst – er selbst spricht lieber von „Gestaltung“ und verortet sie unter dem Begriff „Land Art“ – vor genau 20 Jahren. Der Kreisel am nördlichen Eingang zur Stadt, durch den jeder aus Bad Dürkheim kommende Autofahrer fährt, ist 2003 angelegt worden – jenem Jahr, in dem die von seinem Vater Walter Vogt 1953 gegründete und seit dem Tod seines Bruders Peter 1987 von Gerhard Vogt geführte, auf individuelle Grabmale spezialisierte Bildhauerei ihr 50. Firmenjubiläum feierte. Zu diesem Geburtstag schenkte der Ingenieur für Landschaftsarchitektur der Stadt Wachenheim einen Gestaltungsentwurf für den neuen Kreisel und präsentierte ihn beim Frühjahrsempfang 2004.

„Der Entwurf zeigt eine Anordnung mehrerer Elemente aus Pfälzer Sandstein (gelb), die im Kreisel auf einer Linie rechtwinklig zur Längsachse der Weinstraße platziert sind“, heißt es in dem damaligen Dokument. „Der Gesamteindruck erlaubt Assoziationen zur Wachenheimer Stadtmauer, Mauerelementen der Wachtenburg und zu Mauerresten der Villa Rustica.“ Und: „Die Steinsetzung greift in ihrer oberen Silhouette die speziellen topografischen Verhältnisse des Standortes am Übergang des Haardtrandes zur Rheinebene auf mit ihrem von West nach Ost zunächst ansteigenden und danach abfallenden Verlauf.“ Durch die leicht nach Osten versetzte Öffnung entstehe eine Torsituation, die die wichtige Blickachse entlang der Weinstraße freilasse und gleichzeitig betone. Man könne in der so entstehenden Landschaftsplastik das „Tor nach Wachenheim“ sehen, mit thematischem und räumlichem Bezug zum „Fenster zur Weinstraße“, einer von Gerhard Vogts Bruder Peter geschaffene Sandsteinarbeit, die an der L 516 zwischen Bad Dürkheim und Wachenheim steht.

Einige Hindernisse

Es ist genau so gekommen, wie Vogt es damals geplant hat: reduziert und minimalistisch. Fünf Sandsteine (das Material stammt aus dem Steinbruch in Neustadt-Haardt) stehen mitten im Kreisel, einer jenseits der Fahrbahn. „Viele Kreisel sind überfrachtet“, sagt er, „und am Ende muss dann auch noch unbedingt das Wappen rein.“ Ganz ohne Hindernisse ist das Projekt allerdings nicht abgelaufen. Die Gestaltung des Kreisels war – wie das wohl für viele solche Projekte gilt – ein Politikum und Gegenstand vieler Diskussion und Leserbriefe in der RHEINPFALZ. Nach der (knappen) Entscheidung des Stadtrats für Vogts Entwurf wurden die Steine im April 2004 von einem Kran gesetzt. Und nur drei Wochen nach der Installation, noch vor der Einweihung, prallte ein 22-jähriger Mann gegen 2 Uhr nachts mit sehr hoher Geschwindigkeit und unter starkem Alkoholeinfluss gegen einen der sechs Sandsteine aus Vogts Skulptur; die schweren Brocken flogen mehrere Meter weit.

Das ist alles lange her. Gerhard Vogt ist zufrieden damit, wie sich der Kreisel heute präsentiert. Dass die zuletzt vor sieben Jahren abgestrahlten Sandsteine nicht mehr ganz so leuchtend gelb aussehen wir am Anfang – das war einkalkuliert und ist eben der Lauf der Zeit und der Natur. Der Kreisel verwachse eben allmählich mit seiner Umgebung, sagt Vogt – und genau so habe er sich das auch gewünscht. Ihm gefällt, dass man seine Skulptur schon aus weiter Entfernung sehen kann. Wie die Bewegung des Vorbeifahrens mit den auf festem Fundament stehenden unbeweglichen Steinen korrespondiert. Und wie unterschiedlich sie im verschiedenen Licht wirken: im Sonnenaufgang wie auf unserem Foto, bei Tageslicht, nachts angestrahlt. „Am meisten“, sagt Vogt, „mag ich sie während der Blauen Stunde.“ Er mache sich allerdings inzwischen kaum noch Gedanken über den Kreisel. Und angesprochen werde er darauf auch nur noch selten.

Die Serie

In der Verbindung zur Natur kann der Mensch eine schöpferische lebendige Kraft spüren, die künstlerisch inspiriert. In „Natürlich Kunst!“ sprechen wir mit einem Philosophen sowie Kulturschaffenden aus der Region, die wissen, warum der Rotkehlchengesang Kultur ist, wie man draußen gute Fotos macht und dass Kreativität in Wald und Wiesen heilend wirkt.

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