Ludwigshafen Für Suppe und Fluppe

Im Keller hat Ute Fink die Nudelschneidemaschine ihres Vaters wiedergefunden.
Im Keller hat Ute Fink die Nudelschneidemaschine ihres Vaters wiedergefunden.
Faszinierende Mechanik

„Das ist keine Nudelmaschine, sondern eine Nudelschneidemaschine“, klärt Walter Pabst aus Böhl-Iggelheim auf. So haben wir das gute Stück im Aufruf für die Marktplatz-Serie aus Unwissenheit genannt. Nun ist klar, mit diesem alten Küchengerät wurde nicht – wie bei den heutigen Nudelmaschinen üblich – der Teig plattgewalzt, sondern der bereits geplättete Teig in kleine Nudel-Fäden mit einer Breite von etwa drei Millimetern ruckzuck und in Massen geschnitten. „Die kamen in die Suppe, darum wurde das Gerät in alten Haushaltswaren-Katalogen auch als Suppennudel-Schneidemaschine bezeichnet“, erklärt der Hobby-Sammler und -Handwerker. Und Walter Pabst muss es wissen, eine ganze Sammlung mit gut einem Dutzend solcher Schneidemaschinen hat er. Die älteste dürfte um 1870 gebaut worden sein, schätzt er, die meisten seien aber wohl erst um die 100 Jahre alt. Als Sammler hat Walter Papst natürlich auch das eine oder andere ungewöhnliche Exemplar. Zum Beispiel eine richtig große, die wahrscheinlich in einem Hotel oder einer Gaststätte zum Einsatz kam. Die hat er in einem ziemlich erbärmlichen Zustand erstanden. „Sie war total verrostet, gut zwölf Stunden Arbeit stecken darin“, erzählt der Senior. Eines seiner weiteren Hobbys ist das Restaurieren seiner antiken und alten Flohmarkt-Stücke. Und von diesen hat er in seinem Keller eine beeindruckende „Ausstellung“ von unterschiedlichen Haushaltsgeräten. Eine andere Nudelschneidemaschine in seiner Sammlung wiederum hat eine besondere Mechanik, den Nudelteig weiter zu transportieren. Bei den meisten erledigt das eine geriffelte Rolle. Bei Walter Pabsts besonderer Schneidemaschine hebt eine ausgeklügelte Technik über eine Kurbel, Stifte und Zahnräder eine kleine Plattform, die dann den Teig ein Stück nach vorn bewegt. „Das hat mich einfach fasziniert“, gibt er zu. Im Schnitt einmal in der Woche ist er auf Flohmärkten und Haushaltsauflösungen unterwegs. Eine seiner Lieblingssammlungen sind aber Tellerwagen. Auf einer solchen hat er dann auch mal so eine Nudelschneidemaschine gewogen: 7,5 Kilo bringt so eine aus Gusseisen und Holz gefertigte Schneidemaschine auf die Waage. „Das war halt noch massive Herstellung, wie bei den alten Lokomotiven“, sagt Walter Pabst. Erbstück vom Vater „Das kenne ich doch“, hat sich Ute Fink aus Dannstadt-Schauernheim gedacht, als sie den Aufruf im „Marktplatz regional“ für unsere Serie „Gibt es das noch?“ gesehen hat. Und tatsächlich, im Keller fand sie die Nudelschneidemaschine ihres Vaters. Eine Internet-Recherche ergab, dass das Maschinchen auch zum Tabakschneiden verwendet wurde. Und diese Verwendung erschien ihr logisch: „Mein Vater war in jungen Jahren Raucher“, sagt Ute Fink. Auch ihr Onkel habe ihr das erzählt. Leider kann sie ihren Vater nicht mehr dazu befragen, er ist bereits verstorben. Sie vermutet, dass ihr Papa das Gerät nach dem Krieg angeschafft hat, denn es hat ihn als 16-Jährigen in den Kriegswirren zu Fuß nach Bayern verschlagen, wo er auch Ute Finks Mutter kennenlernte. Einen Hausstand hatte er also zuvor nicht. Ob als Nudel- oder Tabakschneidemaschine verwendet – das gusseiserne Teil ist trotz ein wenig Rost immer noch ein Schmuckstück. „Nun hat das Erinnerungsstück einen Ehrenplatz im Wohnzimmer“, erzählt Ute Fink. Nur für die Festtagssuppe Vielleicht haben die Italiener die Nudelmaschine erfunden- wobei das auch nicht sicher ist. „Aber die Nudelschneidemaschinen haben sie bestimmt nicht erfunden“, weiß Rainer Becker aus Dannstadt-Schauernheim. Die stammt mit hoher Sicherheit aus einer deutschen Fabrik und „war dafür da, Nudeln für Suppen zu schneiden“, weiß auch Rainer Becker aus Dannstadt-Schauernheim. Und das hat er als kleiner Junge noch miterlebt: Wenn seine Oma oder auch seine Patentante den Nudelteig durch das kleine Schneidemaschinchen jagten und ruckzuck ganze vielen dünne Suppennudeln mit dem rotierenden Messer „produzierten“. Seine Nudelschneidemaschine ist ein Erbstück seiner Oma. Sie sei aber meist nur zu größeren Festen oder Feiern eingesetzt worden, „denn es war wohl ganz schön aufwendig, das Gerät wieder zu reinigen“, erinnert sich Rainer Becker. Als Kind fand er es immer ganz spannend, wenn der Nudelteig gemacht und ausgewalzt wurde. „Da wollte ich immer mitmachen und ihn auch probieren. Dann hieß es aber: Erst die Hände waschen“, erinnert sich der Dannstadter und muss lachen. Auch Rainer Becker ist oft auf Flohmärkten unterwegs, er sammelt hauptsächlich alte Landmaschinen. Die Nudelschneidemaschinen seien auf den Märkten selten und können bis zu 100 Euro kosten, weiß er aus Erfahrung. Auch Rainer Becker hat schon davon gehört, dass die Maschinen auch als Tabakschneide-Maschinen bezeichnet werden. „Aber ich bin mir sicher, dass das nur eine Notlösung gewesen sein kann“, sagt er und zweifelt, ob das so gut geklappt hat. Er selbst hat eine Tabakschneidemaschine – und die Mechanik und der Aufbau seien anders.

Rainer Beckers Schneidemaschine ist ein Erbstück seiner Oma und vermutlich 100 Jahre alt.
Rainer Beckers Schneidemaschine ist ein Erbstück seiner Oma und vermutlich 100 Jahre alt.
x