Ludwigshafen Expressiv, konkret, politisch, poetisch

Skulpturen von Hans Scheib, Bilder von Michel Meyer.
Skulpturen von Hans Scheib, Bilder von Michel Meyer.

Die Galerientage im Mannheimer Kunstverein bieten alljährlich eine kleine Leistungsschau der regionalen Kunstszene. Der Galerienverband hat sich ja längst von Mannheim in die Region ausgeweitet, nur noch fünf der 13 diesmal vertretenen Galerien sind tatsächlich noch hier ansässig. 19 sehr unterschiedliche Künstler werden vorgestellt, stilistisch bietet sich da ein weites Feld der Gegenwartskunst.

Die offenen Räumlichkeiten des Mannheimer Kunstvereins bieten den Galerien einerseits ein sehr demokratisches Nebeneinander, schaffen aber andererseits eine ziemlich deutliche Zweiklassengesellschaft zwischen großer Ausstellungshalle unten und kleiner umlaufender Galerie oben. Damit sich da keiner benachteiligt fühlen muss, werden die Flächen oben und unten jedes Jahr penibel getauscht, die Plätze ansonsten ausgelost. Um die besten Verkaufsflächen muss man sich hier ohnehin nicht streiten. Wenn man dem Verbandsvorsitzenden Friedrich W. Kasten glauben darf, geht es bei der dreitägigen Veranstaltung weniger ums Geschäft als ums Anlocken neuer Kunstinteressenten. „Wir wollen Hemmschwellen senken“, sagt Kasten, „die Besucher mit den Galerien und ihren Künstlern bekannt machen.“ Neben dem Ausbleiben der jungen Generation an Kunstinteressenten hat man ansonsten vor allem mit der Konkurrenz von Internet und Auktionshäusern zu kämpfen. Alle ziehen hier also an einem Strang. Und was macht die Kunst? Da ist vieles geboten, die Gegenwart weiterhin bunt und vielfältig. Kasten selbst hat politisch konnotierte Street Art des Amerikaners Shepard Fairey im Programm und Bilder der Libanesin Saint Hoax, die Werbeplakate aus den 1950er Jahren mit aktuellen Trump-Zitaten kombiniert. Peter Zimmermann aus Mannheim hat puristisch-weiße Wandreliefs des konstruktiv-konkreten Künstlers Klaus Staudt gehängt, Josef Niesters aus Speyer zeigt filigran-poetische Bilder von Anne-Marie Sprenger, die an Architekturen oder Schiffsmasten denken lassen. Julia Philippi aus Heidelberg steuert die Fotoserie „Ecken“ von Peter Braunholz bei, banale Hausecken mit Abwasserrohren und Bäumchen von atemberaubender Tristesse. Eine Aura des Edlen verströmen dagegen die abstrakten Skulpturen der beiden Japaner Kanjiro Moriyama und Fumio Matsutani, deren Oberflächen an Metall oder Filz denken lassen und die doch nur mattglasierte Keramiken sind. Zu finden sind sie bei Marianne Heller aus Heidelberg. Die Neustadter Galerie Up Art hat mit Lack besprühte Papierschnitte von Gabriele Basch mitgebracht, die als Bilder an der Wand hängen, aber auch zusammengerollt zur raumgreifenden Skulptur werden. Von poetischer Strenge sind wiederum die konstruktiv-konkreten Bilder des Ungarn Laszlo Otto, die bei Linde Hollinger aus Ladenburg zu sehen sind. Ein Blickfang sind die grob aus dem Holz gehauenen, expressiven Figuren von Hans Scheib, die bei der Freinsheimer Galerie Zulauf mit kraftvollen Bildern von Michel Meyer kombiniert sind. Gleich nebenan hat die Mannheimer März-Galerie Bilder von G. Y. Wu platziert, deren farbstarker Gestus an kalligrafische Zeichen denken lässt. Bei Arthea aus Nussloch findet man Bronzeskulpturen von Hannes Helmke und Malerei von Karl Schwarzenberg, der die Ziffer 1 zu seiner Formikone erhoben hat. Neu im Verband ist die Galerie von Hedwig und Johann Döbele in Mannheim, die sich mit reizvollen, an die Op Art erinnernden Arbeiten von Xanti Schawinsky vorstellen. Bliebe noch Sebastian Fath, der diesmal mit einem Platz oben vorlieb nehmen musste, es mit Kai Richters aus Baumaterialien zusammengefügten Rauminstallationen aber doch ein Stück weit nach unten geschafft hat. Termine Galerientage im Mannheimer Kunstverein, Augustaanlage 58, geöffnet heute von 12 bis 22 Uhr, morgen von 12 bis 17 Uhr.

x