Adventskalender
Ex-Kämmerer Zeiser über seine Verbindung zum Rathaus-Center
21 Jahre lang ist der Rathausturm Wilhelm Zeisers Arbeitsplatz gewesen. Sein Büro im neunten Stock, in jener Etage, auf der sich die Außenterrasse befindet, wollte der Altbürgermeister und ehemalige Kämmerer dabei in all den Jahren trotz mehrerer Gelegenheiten nicht wechseln, wie er sagt. Als „Kind des Rheins“ sei ihm die Wasserverbindung und somit der Blick auf den Rhein wichtig gewesen. Dort oben im Rathausturm hat der gebürtige Rheinhesse in den 21 Jahren viele Gespräche und Verhandlungen geführt, Haushalte entworfen, an langen Stadtratssitzungen teilgenommen und Besuchergruppen aus aller Welt empfangen.
Rote Karte gezeigt
Das ein oder andere Erlebnis aus seiner Amtszeit bringt den 71-Jährigen noch heute zum Schmunzeln. So berichtet er, dass ihm einmal der Vorsitzende der CDU-Fraktion bei einer politischen Haushaltsdebatte eine Gelbe Karte gezeigt habe. „Er hatte allerdings Pech“, sagt Zeiser, der einst Schiedsrichter gewesen ist, und lacht. „Denn ich hatte eine Rote Karte dabei.“
Abgesehen von jener Roten Karte im Geldbeutel hatte Zeiser bei Haushaltsdebatten immer einen Clown im Gepäck, den er auf seinem Tisch platzierte. Wie der Ex-Kämmerer erzählt, zog der Clown seine leeren Hosentaschen heraus und sorgte so für den ein oder anderen Lacher.
Atlas auf dem Schreibtisch
Auf dem Tisch in seinem Büro im neunten Stock stand außerdem eine größere Atlas-Figur, die angesichts der schweren Last auf ihren Schultern – einer Weltkugel – einen ganz gebückten Gang aufwies. „So bin ich mir als Kämmerer immer vorgekommen“, erzählt Zeiser. „Immer wenn man einige Ersparnisse mühsam zusammengekratzt hatte, gab es an einer anderen Ecke eine neue Regelung und das Geld war gleich weg. Es war ein ständiger Kampf ums Sparen.“
„Ungeheure Dynamik“
Viele Erlebnisse hat der 71-Jährige während seiner Amtszeit im Rathaus-Center gesammelt. Darüber hinaus hat Zeiser jedoch eine ganz besondere Verbindung zu dem Gebäude. So hat er sich als Kämmerer nicht nur vehement dafür eingesetzt, dass die Stadt den Rathausturm kauft, er besitzt auch eine persönliche Verbindung zu dessen Architekt Ernst van Dorp.
Der Finanzfachmann berichtet, dass er nach seinem Studium der Rechtswissenschaften als persönlicher Referent von Klaus von Dohnanyi, Staatsminister im Auswärtigen Amt, in Bonn arbeitete. Weil er anfangs noch keine Wohnung hatte, half Dohnanyis Nachbar, der Architekt Ernst van Dorp, dem jungen Juristen aus. „In dem Haus, in dem das Architektenbüro war, gab es eine Souterrain-Wohnung“, erzählt Zeiser. „Dort konnte ich unterkommen.“ Van Dorps Frau habe ab und an in freundschaftlichem Dienst in Dohnanyis Büro gearbeitet. „Später habe ich van Dorp bei einem Empfang in Ludwigshafen gesehen und gefragt, was er hier macht. Dann sagte er mir, dass er das Rathaus geplant hat.“
Dass das Center bald abgerissen wird, stimmt den Altbürgermeister angesichts seiner vielen Erinnerungen zwar einerseits wehmütig, andererseits habe er jedoch Zuversicht, wenn er an die „ungeheure Dynamik“ der Stadt denke. Diese habe ihre Chancen immer genutzt.
„Altes vergeht, Neues entsteht“
„Ludwigshafen ist eine junge, sich ständig verändernde Stadt. Ich kenne kaum eine andere Stadt in Deutschland, in der ein solcher Wechsel herrscht. Wenn ich sehe, was sich allein während meiner Amtszeit alles verändert hat, ist das ungemein“, sagt er und ergänzt: „Wenn etwas nicht zu ändern ist, weil es gute Gründe hat, dann muss man etwas Neues machen. Altes vergeht, Neues entsteht.“