Handball
Eulen-Nationalspieler Azat Valiullin über seine Zukunft
Azat Valiullin ist kein Mensch, der viel redet. Der 31 Jahre alte russische Nationalspieler ist eher wortkarg. Nach der Niederlage am Sonntag gegen den THW Kiel aber hatte der Rückraumspieler der Eulen etwas zu sagen. Valiullin sprach über das Spiel, die anstehende Woche der Wahrheit – sowie über seine Zukunft.
Die ist offenbar noch nicht geklärt. „Es gibt noch nichts zu verkünden“, sagte Valiullin. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen noch. Denn der 2,07 Meter lange Valiullin ließ zwischen den Zeilen durchklingen, dass er im Falle eines Abstieges nicht bleiben wird. „Ich mache mir natürlich schon Gedanken. Ich habe eine Familie. Doch sich zu viele Gedanken zu machen, hilft auch nicht. Jedenfalls werde ich mit Sicht auf meine Familie schauen, was ich künftig mache. Ich will immer höchstes Niveau spielen, und das ist die Bundesliga. Doch wir fühlen uns hier wohl“, sagt Valiullin.
Das sind vielsagende Worte. Schaffen die Eulen den Ligaverbleib mit Siegen in Minden am kommenden Donnerstag (19 Uhr) und zu Hause gegen Göppingen (Sonntag, 15.30 Uhr), dann wird sich Valiullin, dessen Sohn Artur im Januar zur Welt kam und kommende Woche sieben Monate alt wird, sicherlich Gedanken machen, eine weitere Saison bei den Eulen zu spielen. Steigt die Mannschaft ab, wird es für seine sportliche Zukunft in der Nationalmannschaft, aber auch finanziell besser sein, den Verein zu verlassen.
„Azat hat jetzt eine Familie und spielt in der russischen Nationalmannschaft. Er muss wissen, wo die Reise mit seiner Familie hingehen soll. Wir sind im Austausch. Ich würde das nicht als Zögern verstehen. Natürlich ist für Azat die Bundesliga etwas ganz anderes als die Zweite Liga. Und für die Eulen Ludwigshafen wäre es bei dieser Personalie wirtschaftlich betrachtet ebenfalls ein Unterschied. Gerade bei Azat sind in den vergangenen Jahren die Entscheidungen immer spät gefallen. Aber wir müssen zweigleisig planen. Wir können eben nur Gelder ausgeben, das wir haben“, sagte Lisa Heßler, Geschäftsführerin der Eulen, in einem RHEINPFALZ-Interview Ende April. Daran hat sich bis heute wohl nichts geändert.
„Es geht ums Überleben“
Azat Valiullin kam im Winter 2018 vom Ligakonkurrenten TBV Lemgo zu den Eulen Ludwigshafen. Er durchlebte eine turbulente Zeit. Drei unterschiedliche Verletzungen (Bänderriss im Mittelfuß, Kahnbeinbruch, Mittelfußbruch) vor drei beziehungsweise zweieinhalb Jahren warfen den Profi zurück. Valiullin ist einer von drei Vollprofis bei den Eulen. „So viele Verletzungen innerhalb kurzer Zeit hatte ich noch nie in meiner Karriere“, sagte Valiullin. Vor den Blessuren erzielte der wurfgewaltige Rechtshänder häufig die einfachen Tore aus dem Rückraum im Spiel. Nicht selten machte Valiullin den Unterschied aus.
Das ist aber nicht mehr so häufig der Fall. Gegen Kiel blieb der russische Nationalspieler am Sonntag ohne Tor. In der Abwehr überzeugte Valiullin. Reicht das aber, um sich für andere Bundesligisten zu empfehlen? „Man darf nie zufrieden sein mit seiner Leistung. Die Woche haben wir zwei wichtige Spiele, in denen wir punkten müssen. Da geht es ums Überleben“, sagt Valiullin.
In der Tat. Es geht – wieder einmal – um alles für den Verein. In diesem Fall aber auch für Azat Valiullin.