„Rhine-CleanUp“
Eulen Ludwigshafen gegen Adler Mannheim: Um die Wette Müll gesammelt
Es ist ein traumhafter Samstag mit fast schon sommerlichen Temperaturen. Die Sonne glitzert im sacht dahinfließenden Rhein. Eigentlich ideal, um entspannt am Wasser entlangzuspazieren und ein Eis zu genießen. Doch an der Rheinschanzenpromenade haben viele Ludwigshafener Besseres vor.
Jugendspieler der Eulen aus Friesenheim tummeln sich plötzlich vor dem Ufer unweit des Gelben Hauses. Mit Kneifzangen, Handschuhen und rosa Säcken bewaffnet, klauben sie mit ihren Eltern und Betreuern sowie den Profis Pascal Durak und Marc-Robin Eisel mühsam das vom Boden auf, was andere achtlos weggeworfen haben.
Verrosteten Tretroller geborgen
Denn die Idylle trügt. Wenn man den Blick auch nur kurz vom Fluss abwendet und über den Boden schweifen lässt, wird man schnell fündig: Kronkorken, Glasscherben, Plastikfetzen – und vor allem Kippenstummel sieht man zuhauf. Den größten Fund machen die Eulen-Küken gleich am Anfang. Ein schon halb verrosteter Tretroller wird von den Erwachsenen aus dem Wasser gezogen. Die zehnjährige Milla packt mit ihrem verlängerten Greifarm vorsichtig eine zerbrochene Bierflasche an und ist überrascht, was man am Rheinufer alles findet, wie schnell sich der Sack füllt. „Am besten wäre es natürlich, wenn man nichts wegwirft“, stellt sie klar.
Mutter Tatjana Schneidt findet, dass die Kinder da mit einem guten Beispiel vorangehen und auch in der Schule wie in den Sportvereinen lernen, ihren Verpackungsmüll nicht irgendwo zu entsorgen, sondern notfalls auch wieder mit nach Hause zu nehmen. „Auch das gehört zur Nachwuchsförderung dazu“, betont Jugendtrainerin Anna Isselhard. Durch den ungewöhnlichen Ausflug würden die Kids nicht nur ökologische, sondern auch soziale Kompetenzen lernen. „Sie verbinden die Aktion mit Spaß und haben somit später eine positive Erinnerung daran, etwas für die Umwelt getan zu haben“, erklärt sie.
An den Rheinterrassen in Mannheim ist es dasselbe Spiel, nur mit orange- statt rosafarbenen Säcken. Auf Picknickdecken genießen viele Besucher das schöne Wetter am Stephanienufer. Dazwischen pickt die Jugend der Adler Glasscherben, Papierfetzen oder auch alte Silvester-Kracher auf. „Ich kann drüben die Eulen singen hören“, spornt eine Betreuerin die jungen Eishockeyspieler an. Neben dem Ex-Profi Yuri Ziffzer ist auch der aktuelle Torhüter Felix Brückmann mit Kneifzange statt Hockeyschläger ausgestattet.
Insgesamt 300 Teilnehmer
„Ich habe die Rheinterrassen für sauber gehalten, bin aber doch überrascht, wie viel Müll man links und rechts des Weges findet“, sagt der 33-Jährige. Mit seiner Familie unternehme er gerne Ausflüge in die Natur. „Wenn man diese Orte nutzt, sollte man auch ein Bewusstsein dafür haben und zumindest auf seinen eigenen Müll achten“, macht er deutlich. Er sieht in der Aktion eine doppelte Signalwirkung: „Durch das Aufsammeln machen wir nicht nur aktiv sauber, sondern erzeugen auch eine Sichtbarkeit, die hoffentlich zu einem bewussteren Umgang animiert“, betont er.
Dass er beim Wettstreit mit Ludwigshafen letztlich als „Verlierer“ vom Platz geht, ist dabei absolut zweitrangig. Die Eulen haben aufgrund des größeren Engagements und fast 50 gefüllten Säcken den Schnabel vorn. Rund 170 Teilnehmer finden sich beim Frühjahrsputz am linken Rheinufer zusammen, in Mannheim sollen es knapp 130 Helfer sein. Der eigentliche Gewinner aber stand schon vorher fest: die Umwelt. „300 Teilnehmer insgesamt, das ist supergeil“, freut sich Organisator Uwe Franken von „Rhine-CleanUp“.
Wettstreit als zusätzliche Motivation
Seit 2018 setzt sich die in Düsseldorf gestartete Initiative zum Ziel, die Flüsse von der Quelle bis zur Mündung zu säubern. Um zu verhindern, dass der Plastikmüll in den Weltmeeren weiter anwächst. „Es sind bereits 150 Millionen Tonnen, jährlich kommen über die Flüsse sieben bis neun Millionen Tonnen dazu. Der Rhein ist in Europa leider der Hauptlieferant. Was einmal im Wasser landet, fließt ungehindert bis nach Rotterdam“, erklärt Gründer Joachim Umbach. Um bei den Säuberungsaktionen einmal ein anderes Publikum anzusprechen, sei man auf die Wettkampf-Idee gekommen, und somit bei den Adlern und Eulen gelandet, die sofort zusagten. Ob es eine Revanche gibt, wird man sehen.
Auf der Konrad-Adenauer-Brücke kommt es nach getaner Arbeit zur symbolischen Begegnung, zum Friedensschluss zwischen Mannheim und Ludwigshafen. Schließlich hat man für eine gemeinsame Sache, für saubere Ufer gekämpft. Eine Playmobil-Verpackung, ein Set Rasierklingen, ein LU-Süd-Schild oder auch eine Schaufel gehörten dabei neben dem Tretroller zu den kuriosesten Entdeckungen.
Noch Fragen?
Am 14. September gibt es eine bundesweite „Rhine-CleanUp“-Aktion. Weitere Infos unter www.rhinecleanup.org.