Handball
Eulen Ludwigshafen besiegen TUSEM Essen
Mex Raguse hatte diesmal wieder seinen festen Platz gefunden. Seit Wochen hat er diesen hinter der Bank seiner Mannschaft. Dort fieberte er auch diesmal wieder mit, applaudierte und rief seinen Kameraden zu. Der Top-Torschütze der letzten Saison befindet sich bereits auf Abschiedstour. Allerdings nicht auf dem Spielfeld, wie Kapitän Max Haider und Sebastian Trost, der nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Raguse immer besser in dessen Rolle findet. Alle drei erfahrenen Akteure werden spätestens nach dem 7. Juni die Eulen verlassen. Bis dorthin wollen zumindest Haider und Trost noch mit dem Klassenerhalt ein Ausrufezeichen setzen.
Diesen Begriff verwendete auch Humba-Vorsänger Kian Schwarzer vor den Fans, als er bei der Humba den Buchstaben A aufrief. Aber die Stimmung war nach dem Sieg im ersten Schicksalsspiel nicht so euphorisch, sondern eher gedämpft. Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Es geht weiterhin ums Überleben in Liga zwei.
Spannend gemacht
Und wieder einmal machten es die Eulen in der Crunchtime spannend, als sie nach klarer Führung, die Gäste vor den Augen von Nationaltorhüter David Späth (Rhein-Neckar Löwen), der seinen früheren Trainer Daniel Haase, jetzt im Diensten von TuSEM Essen, besuchte, auf 22:20 (47.), 23:21 (49.) und 24:22 (54.) herankommen ließen.
Davor vergaben die Eulen wieder einmal hochkarätige Möglichkeiten, um sich früher abzusetzen. Das gelang dann mit einem Drei-Null Lauf auf 27:22 (57.). Dann folgte ein Aufschrei von einigen Fans. Denn so mancher Handballfan rieb sich da die Stirn. Was war geschehen? Cheftrainer Johannes Wohlrab setzte nach der letzten Auszeit von Essen in der 56. Minute auf den siebten Feldspieler.
Dafür zeigten die wenigsten auf der Tribüne, die diese taktische Maßnahme bemerkt hatten, wenig Verständnis. Denn die Mannschaft lag mit 27:22 deutlich in Front. Das sorgte vielmehr für Kopfschütteln. Es bestand keine Notwendigkeit. In den letzten Partien ging diese Taktik in der Crunchtime meist „in die Hosen“.
Haider stellt klar
Da fiel auch der Eulen-Legende Thorsten Laubscher, der 13 Spielzeiten ununterbrochen in der zweiten Liga bestritt und heute als Kommentator für DYN im Einsatz, nicht mehr viel ein. „Darüber müssen wir nicht reden.“
„Der Trainer hat das Vertrauen der Mannschaft, das hatten wir so die ganze Woche besprochen, deshalb halten wir uns auch daran“, sagte dagegen Kapitän Max Haider.
Dann schob Wohlrab seine Erklärung im Rheinpfalz-Gespräch nach: „Wir wollen den Gegner immer wieder vor neue Aufgaben stellen und da Essen mit seiner Fünf Eins-Deckung offensiv agierte, ist Sieben gegen Sechs eine Maßnahme, um Lücken für weitere Tore zu kreieren. Es geht um jedes Tor, denn dies kann am Ende entscheidend sein“, meinte Wohlrab.
„Die Jungs haben Herz und Kampf gezeigt“, lobte Wohlrab, der seine Mannschaft am Sonntag (17 Uhr) in Dormagen vor einem „Endspiel“ sieht. Mit einem Sieg wäre der Klassenerhalt definitiv gesichert. „Wir müssen am Sonntag den Sack zumachen“, kündigte Wohlrab an, der seine Jungs nach einem freien Tag noch mal zu den letzten zwei Trainingseinheiten zusammentrommelte.
„Ich bin sicher, keiner von den Jungs ist in Vatertagstimmung unterwegs“, meinte Wohlrab. Bis auf ein Bier nach dem Sieg gegen Essen bestand Alkoholverbot. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Sollte ein Sieg in Dormagen nicht gelingen, dann geht die Zitterpartie eine Woche später samstags in der Friedrich-Eberthalle weiter. Dann empfangen die Eulen den Ex-Verein von Johannes Wohlrab, den TV Hüttenberg, der in Ludwigshafen den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen möchte. Da dürfte die Aufgabe umso schwieriger als in Dormagen sein, wenn der Gastgeber auch eine Muss-Spiel vor der Brust hat. Auch die Rheinländer können mit einem Sieg am kommenden Sonntag den Klassenerhalt sichern. Puuhhh, nichts für schwache Nerven.