Handball
Eulen: Keskic überzeugt nahe der alten Heimat
„Ich bin fix und fertig“, schnaufte Enes Keskic, der Linksaußen der Eulen Ludwigshafen, nach dem Abpfiff der nervenaufreibenden Schlussphase des Spiels der Zweiten Handball-Bundesliga beim Aufsteiger VfL Potsdam, das am Samstagabend 26:26 (12:12) endete. Abgekämpft, aber glücklich stand er am Spielfeldrand. Der 21-Jährige hatte in Potsdam eine klasse Partie gemacht, viermal getroffen und sich nur einen Fehlwurf geleistet. Die Belohnung: Seine Frau, Tante und Onkel und Freunde freuten sich auf der Tribüne mit ihm.
„Das war wie ein Neuanfang für mich“, sagte Keskic zu seiner eigenen Leistung. Zu Beginn der Saison lief es nicht gut für den Bosnier, er hatte in den ersten Spielen lange Zeit nur auf der Bank gesessen. Am Samstag, nahe seiner alten Heimat in Berlin-Charlottenburg, zündete er wieder den Turbo. Schön war sein Tor zum 9:6 (22.) von außen oder auch der Kempa-Trick auf Rechtsaußen Pascal Durak zum 12:10 für die Eulen (28.). Und das unter den Augen seines alten Jugendtrainers Bob Hanning, mit dem er vor der Begegnung einen kurzen Plausch hatte. Was sagt man sich da so? „Wir haben uns lange nicht gesehen, hatten aber immer Kontakt und telefonieren. Wir haben uns nur kurz ausgetauscht und gegenseitig Glück gewünscht.“
Bis zur 17. Minute nur vier Gegentore
„Die Mannschaft und auch ich haben mit dem Punkt Selbstvertrauen getankt. Der war sehr wichtig, und damit sind wir zufrieden“, bilanzierte er das Spiel beim starken Aufsteiger. „Die vielen technischen Fehler haben uns das Genick gebrochen“, stellte er allerdings dazu fest, warum die Eulen nur mit einem Remis und nicht mit einer durchaus möglichen komfortablen Führung in die Halbzeitpause gegangen waren. „Wir haben ja einen guten und konzentrierten Start hingelegt“, wusste er. Bis zur 17. Spielminute hatten die Abwehr und der starke Torwart Ziga Urbic gerade mal vier Gegentore hinnehmen müssen. Adler-Coach Bob Hanning meinte hernach zu dieser Phase sogar: „Da waren wir zu Statisten im Spiel der Eulen degradiert.“
Für Keeper Urbic, der auf stolze 15 Paraden kam, war klar: „Wir wussten was auf uns zukommt, auch mit den Schiedsrichtern. Wir können noch besser spielen.“ Aber auch er war froh über den ersten Eulen-Punkt der Saison und mittendrin im Jubeltanz und der darauf folgenden lauten Kabinenparty bis zur Abfahrt zurück in die Pfalz.
Debüt für neuen Kreisläufer Gorpishin
Zwei Debüts gab es am Samstag vor 600 Fans bei den Eulen ebenfalls noch zu feiern: Der 25-jährige Kreisläufer Sergey Gorpishin kam in der 36. Minute erstmals auf Feld. Er spielte 2020 schon mal für die Eulen. Dass der kurzfristig verpflichtete Gorpishin Christian Klimek nach dessen Augen-Operation vorerst mit einem Vertrag bis Saisonende ersetzen soll, sah man daran, dass der Russe noch Klimeks Nummer 69 mit abgeklebtem Namen trug.
Das zweite Debüt in der 34. Minute war ebenfalls ein Comeback: Eulen-Trainer Michel Abt schickte Jan Remmlinger nach überstandener Muskelverletzung erstmals in dieser Spielzeit rein. „Ich hab’ erstmal zweimal richtig trainiert und einmal halb. Mir fehlen noch vier Wochen Handball“, beantwortete der 28-jährige Mittelmann die Frage nach seinem Fitnesszustand. „Aber die anderen brauchten in der Schlussphase vor allem in der Abwehr mal ’ne Pause. Wir waren ja im Rückraum dünn besetzt“, sagte er dazu, dass Max Neuhaus und Julius Meyer-Siebert fehlten.
„Das war in Ordnung, ich hab’ das gemacht, was verlangt wurde“, sagte Remmlinger. Eigentlich aber mehr als das: Er traf zum wichtigen 20:20 (49.), klaute einen Ball und stabilisierte die Defensive, als Coach Abt schon mit dem siebten Feldspieler spielen ließ.