Interview
Eulen Co-Trainer Kogut: „Ich wachse noch in meine Rolle rein“
Herr Kogut, wie schwer ist Ihnen die Umstellung vom Spieler zum Trainer gefallen?
Der Seitenwechsel fällt immer noch schwer. Allein die Nervosität vor dem Spiel ist in den letzten sechs, sieben Jahren als Spieler nicht so extrem gewesen wie jetzt als Co-Trainer. Das ist schon eine Umstellung. Man muss halt wissen, wie man die Leute am besten anspricht und sich vorher Gedanken machen. Als Spieler hast du einfach mal was reingerufen. Jetzt macht man sich schon Gedanken, was man sagt, wie man es sagt.
Wo sehen Sie für sich noch Steigerungspotenzial?
Ich glaube, in allen Belangen (lacht). Das ist ganz schwer zu sagen. Klar, es lief jetzt eine Zeit lang alles sehr gut. Da freut man sich – und sieht vielleicht nicht die Sachen, die man falsch oder auch nicht so gut gemacht hat. Kurz vor der WM-Pause war es dann ja auch so, dass es darum ging, mal wieder aus einem schlechten Erlebnis rauszukommen. Daran sollte man sich messen. Schön, dass das gegen Würzburg auch gelungen ist.
Wie sehr kribbelt es noch, mal selbst zu spielen?
Ungemein. Es ist halt nach wie vor präsent. Das muss ich einfach sagen.
Ist das ein Fulltime-Job als Co-Trainer bei den Eulen oder arbeiten Sie noch nebenher?
Nein, aktuell bin ich tatsächlich nur Co-Trainer. Ich bin noch mit Vollgas jeden Tag in der Reha wegen meines Knies beschäftigt.
Was macht denn das Knie nach der Operation im Sommer?
Es wird besser. Leider ist es noch immer sehr wellenförmig. Steigert man, dann wird es mal wieder schlechter, aber im Grunde geht die Tendenz nach oben. Man wird jetzt wohl im Januar sehen, was genau damit ist und wie es weitergeht.
Was genau war am Knie?
Da war was mit den Menisken, was aber nicht so das große Problem war. Die Problematik ist bei mir der Knorpel. Das kommt halt von der jahrelangen Belastung, auch eine vorangegangene Verletzung im jungen Alter hat dazu geführt, dass da ziemlich viel kaputt war.
Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit Michel Abt?
Es läuft sehr gut. Wir waren ja auch sehr erfolgreich. Natürlich läuft’s da gut. Ich mache mir auch keine Sorgen, dass es irgendwann schlechter laufen sollte. Für mich ist es super, dass ich Aufgaben bekomme, viel machen darf. Ich kenne auch Co-Trainer, die haben dann nur das Warmmachen übernommen. Ich darf da schon mehr machen.
Gibt es eine Aufteilung, wer sich um was kümmert?
Mein Kernpunkt ist hauptsächlich die Abwehrarbeit und die Spielnachbereitung. Das geht es darum, herauszufiltern, was gut war, was besser hätte sein können. Die Spielvorbereitung liegt komplett bei Michel. Ich bin auch so eine Art Feedback-Geber. Michel fragt mich was, und ich gebe – salopp gesagt – meinen Senf dazu. Sehr oft nimmt er das auch an.
Wenn es um die Nachbereitung geht: Stellt sich da eine gewisse Routine ein, geht das jetzt schneller als anfangs?
Ja klar. Alleine die Arbeit mit dem Schnittprogramm – worauf man achten muss, wofür man sich ein Grundgerüst erstellen muss – da ging es für mich darum, sich erst mal ein bisschen reinzufuchsen. Jetzt geht das tatsächlich relativ schnell. Am Anfang habe ich in der Nachbereitung locker für ein Spiel zwei, drei Stunden gebraucht. Jetzt schaffe ich es immer unter einer Stunde, ein Spiel sozusagen in Fetzen zu filetieren.
Als Co-Trainer ist man auch immer so ein bisschen der „Schattenmann“ vom Chef. Stört das manchmal?
Nein, in der jetzigen Situation ist das voll in Ordnung. Ich wäre auch nicht bereit, ganz oben zu sein. Ich finde es zurzeit gut, wie es ist. Ich wachse ja auch noch in meine Rolle rein. Ob es dann irgendwann auch mal mein Ziel sein wird, Cheftrainer zu werden, darüber muss ich mir erst noch klar werden. Ich bin vom Kopf her auch immer noch irgendwie Spieler. Das muss ich ehrlich sagen.
Ist man in der Rolle des Co-Trainers auch näher an den Spielern dran als der Chef? Kommen die dann auch mal eher zu Ihnen als zu Michel Abt?
Das ist von Spieler zu Spieler verschieden. Ich habe zu einigen Spielern einen viel besseren Draht, zu anderen weniger. Da hat dann Michel mehr seine Aktien drin. Die Jungs haben mich auch erst mal kennenlernen müssen. Das ist eine Entwicklung, die passiert nicht von jetzt auf gleich. So langsam weiß ich aber, wie man den ein oder anderen nehmen kann. Das ist auch etwas Wichtiges, was man lernen muss: Wie gehst du mit den einzelnen Spielern um?
Sie und Michel Abt kannten sich vorher nicht. Wie lange hat die Phase des Kennenlernens gedauert?
Ich glaube, das ging relativ fix. Auch, weil wir beide so Bock auf diese Aufgabe hatten. Auch für ihn war das ja – wenn man mal den Mai rausnimmt – seine erste Aufgabe als Cheftrainer in einem Bundesligaverein. Für mich sowieso. Wir haben uns einfach ganz viel über Handball ausgetauscht. Ich habe mir viele Sachen von Michel abgeguckt, weil ich es cool finde, wie er manche Dinge angeht. Ich konnte auch ein paar Sachen einbringen, wo Michel gesagt hat, ja, das finde ich auch gut. Und so verständigen wir uns jetzt durchgehend.
Wie lange braucht es, um in einem Trainerduo ein Vertrauensverhältnis aufzubauen?
Ich glaube, es war auch gut, dass wir längere Zeit im Trainingslager waren, dass wir an Turnieren teilgenommen haben. Da konnten wir viel quatschen miteinander. Das Vertrauen war dann echt schnell da.
Ihre Eltern sind früh zurück nach Russland gegangen. Ist bei den Gesprächen auch der Krieg ein Thema?
Ja, klar. Ich muss aber sagen, so langsam wird es weniger, weil wir uns auch über schönere Sachen unterhalten wollen. Ich habe meine Eltern jetzt echt lange nicht mehr gesehen. Unser Sohn ist 2019 geboren, da kamen meine Eltern, meine Mutter war sogar zweimal da. Das war superschön. Und dann fing Corona an – keine Chance mehr… Und dann, als alles wieder etwas lockerer wurde, und man anfing, wieder was zu planen, kam der Krieg. Für uns als Familie ist das echt schon bedrückend. Meine Eltern haben den Kleinen gesehen, da war der ein paar Monate alt. Jetzt ist er sozusagen schon ein ganzer Mensch. Und das tut mir unglaublich leid für meine Eltern, dass sie das nicht erleben können. Natürlich auch für meinen Sohn. Ich habe ja auch noch Großeltern, die haben meinen Sohn noch nie gesehen. Aber im Moment ist es einfach nicht möglich, dass wir uns besuchen. Wir versuchen, das Beste draus zu machen. Zum Glück haben wir heute diese ganzen Medien. So können wir ein Stück weit in Kontakt bleiben.