Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ethno-Treffen: Die ganze Vielfalt der Musik

Die ganze Welt auf einer Bühne: die jungen Musiker bei ihrem Konzert im Haus.
Die ganze Welt auf einer Bühne: die jungen Musiker bei ihrem Konzert im Haus.

Es es berührend, mit wie viel Freude junge Leute aus 20 Ländern gemeinsam beim Abschlusskonzert des Ethno-Treffs im Ludwigshafener Das Haus musizieren. Und es ist erstaunlich, wie gut das nach nur einer Woche Vorbereitung klingt.

Die Bühne in dem Kulturzentrum war ziemlich voll: Diesmal waren es 50 Teilnehmer aus 20 Nationen von fünf Kontinenten, die sich zum Workshop auf der Burg Lichtenberg bei Kusel trafen. Alle hatten ihre Instrumente dabei und brachten traditionelle Lieder aus ihrer Heimat mit. Alle haben ein gemeinsames Ziel: Die Lieder der anderen zu lernen und sie gemeinsam zu spielen, zu singen, zu tanzen. Sie treffen sich als Fremde und gehen auseinander als Freunde. Und manchmal wird auch mehr daraus: Bernhard Vanecek, Leiter des Treffs und Vorsitzender von Jeunesses Musicales Rheinland-Pfalz, begrüßte Franka aus Altrip und Edgar aus Sao Paulo als frisch Vermählte. Die beiden hatten sich bei einem der vorigen Workshops auf der Burg kennengelernt.

Die Veranstalter des Ludwigshafener Konzerts von Kultur-Rhein-Neckar hatten überdies noch den Kinderchor Malva aus der Ukraine eingeladen. Der Chor stammt aus Ludwigshafens Partnerstadt Swjahel. Die Jugendlichen eröffneten das Konzert mit eindrucksvollen Liedern aus ihrer Heimat.

Gut zwei Stunden ohne Pause dauerte das Programm der Weltmusiker, das enorm abwechslungsreich und kurzweilig war. Immer wieder anders spielten die Musiker in verschiedenen Kombinationen von Instrumenten zusammen. So wurde das Konzert ein Fest von Klangfarben und Rhythmen. Zu jedem Stück gab es Solisten oder Duo, Trio und Quartett-Formationen im Vordergrund. Sie stellten sich kurz vor, sagten etwas zum folgenden Stück, und begannen mit dem Lied, in dessen Verlauf dann alle anderen dazu kamen.

„Erster australischer Samba“

Ein Lied aus Anatolien hatte ein junger Sänger und Flötist mitgebracht. Er erklärte, das Stück erzähle vom Leben der Hirten dort. Besonders an der Musik waren wechselnde, teils ungerade Rhythmen und die etwas orientalisch klingenden Tonleitern. Eine junge Frau aus Taiwan spielte die Pipa. Das ist eine Laute mit kurzem Hals und hohen Bünden. Sie sagte, ihr Lied stamme aus dem Nordwesten Chinas und sei über die Generationen der Pipa-Meister überliefert worden, bis hin zu ihrem Lehrer und ihr. Das Lied sei dem Frühling gewidmet. Sie spielte die Melodie mit einem Tremolo-Anschlag, ähnlich dem der Klassischen Gitarre, dann stieg eine Musikerin aus Chile ein, die auf einer Panflöte spielte. Begleitet wurden die beiden dann von einem Musiker mit einer Autoharp, das ist ein Instrument aus der nordamerikanischen Bluegrass-Tradition.

Eine Frau aus Tasmanien, der südlich von Australien gelegenen Insel, hatte ein Kinderlied über den Kukaburra mitgebracht. Dieser Vogel habe ein auffälliges „Lachen“, erzählte sie. Und wenn man im Busch unterwegs sei und über eine Wurzel stolpert, passiere es oft, dass von irgendwo ein Lachen erklinge. Sie wurde von einer Gruppe brasilianischer Perkussionisten begleitet. „Wir haben den ersten australischen Samba entwickelt“, sagte die junge Frau aus Australien hinterher lachend.

Auch Tanzgruppe mit dabei

Vier Musiker aus Indien präsentierten klassische nordindische Musik. Sehr beeindruckend war dabei eine Konakol-Demonstration. Konakol ist eine Silbensprache, die die kompliziert zusammengesetzten Rhythmen der Musik verdeutlicht. Das beherrschte der Künstler in einem aberwitzigen Tempo und löste damit heftigen spontanen Applaus aus. Eine Frau aus Südfrankreich sang auf Okzitanisch, der dortigen Regionalsprache, und brachte eine Steptanz-Einlage, es gab ein Lied aus dem Elsass, das grenzüberschreitend auch hierzulande bekannt ist. Zu einer irischen Fiddel-Tune wurde lebhaft getanzt. Neben den Instrumentalisten gehört zu dem Ethno-Workshop auch eine Tanzgruppe. Wie für die verschiedenen Instrumentengruppen gibt es auch hier eine Mentorin, die das gegenseitige Lernen unterstützt.

Es gab noch viele weitere Beiträge, die allesamt eindrucksvoll klangen. Es ist eine beeindruckende Leistung der Musiker und der Mentoren, aus so unterschiedlichen Musikstilen und Instrumenten etwas gemeinsames zu formen. Das Klischee „Musik ist die gemeinsame Sprache aller Menschen“ greift nämlich viel zu kurz: Musik verschiedener Kulturen und Traditionen ist genau so vielfältig wie es die gesprochenen Sprachen sind. Und deshalb gehört zum gemeinsamen Musizieren auch gemeinsames Lernen, viel Zuhören und gegenseitiges Verstehenwollen. Um so beeindruckender ist das, was die die jungen Menschen geschafft haben: Sie haben eine gemeinsame, neue musikalische Sprache entwickelt. Die Begeisterung darüber war bei dem Konzert im Haus sicht- und hörbar und hat sich mühelos auf die Zuhörer übertragen. Am Ende stiegen die Musiker von der Bühne und sangen und tanzten gemeinsam mit dem Publikum.

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