Fussball
Es fehlt an allen Ecken und Enden
„Bisher war es ein enttäuschender Rundenverlauf. Dass es nicht wie geplant gelaufen ist, hat an allen gelegen“, sagt Sportchef Maik Unfricht. Er räumt ein, dass falsche Entscheidungen getroffen wurden, beispielsweise bei der Spielerauswahl. Dem Team fehlte es in der Breite an Qualität und vor allem an der Mentalität wie Unfricht bestätigt. „Nicht jeder hat alles dafür getan erfolgreich zu sein. In den Bereichen Fitness und Zuverlässigkeit gab es Defizite“, spricht der Sportchef Einstellungsmängel an. Als Beispiel nennt er zu spätes Erscheinen zum Training oder zum Treffpunkt vor den Begegnungen.
Schon der Start der zusammengewürfelten Truppe verlief unglücklich. Die Partie gegen den TSV Billigheim-Ingenheim wurde wegen eines Flutlichtausfalls abgebrochen. Es folgte eine 1:4-Niederlage im Nachbarschaftsduell beim FSV Schifferstadt, ehe die Südwestler zumindest gute Moral bewiesen. Im Derby gegen den SV Ruchheim holte die Mannschaft in den Schlussminuten eine 0:2-Rückstand auf und verbuchte mit dem 2:2 den ersten Zähler. Doch es war nur ein Strohfeuer. Binnen vier Tagen setzte es im Wiederholungsspiel gegen den TSV Fortuna Billigheim-Ingenheim (0:4), das gedreht wurde und auswärts stattfand, sowie bei Viktoria Herxheim (0:7) zwei deftige Pleiten.
Trainer Battal Külcü trat zurück. „Ich hatte kein gutes Gefühl und wurde bestätigt. Doch ich kann mich nicht rausnehmen, denn ich war in die Entscheidung involviert, ihn zu holen“, gibt sich Unfricht selbstkritisch. Die Ansichten von Trainer und Sportlicher Leitung seien zu weit auseinandergegangen, und er habe rasch gemerkt, dass es mit Külcü nicht harmoniere. „Wir haben Akteure geholt, die der Trainer wollte. Das kreide ich mir an. Diese Konstellation hatte keine Zukunft“, erklärt der Sportchef.
Sensationelles 2:2
Der frühere Profi übernahm interimsweise das Traineramt und startete mit einem sensationellen 2:2 bei Spitzenreiter SV Büchelberg und einem nicht minder bemerkenswerten 1:0-Erfolg gegen den FSV Offenbach. Die Mannschaft schien plötzlich konkurrenzfähig zu sein. Ein Trugschluss, denn bis Ende November folgten acht Niederlagen am Stück mit einem Torverhältnis von 0:32. Ihren letzten Treffer erzielten die Blau-Weißen am 17. September 2021. Inzwischen ist das Team seit 776 Minuten ohne Torerfolg. Ende Oktober hatten die Ludwigshafener in Stephan Homuth einen neuen Übungsleiter gefunden. Der Mecklenburger, der in der Jugend für Rostock, Kiel und Bremen spielte, hinterlässt einen guten Eindruck. Aber auch der 37-jährige Sozialpädagoge konnte in den vier Partien, in denen er den SV Südwest coachte, das Ruder (noch) nicht herumreißen.
Die Südwestler setzten bislang 24 Akteure ein. Alle 14 Partien machte nur Florian Seeger mit, auf 13 Einsätze kamen Enes Caglayan, der mit drei Treffern die Hälfte aller Tore schoss, Hussein Khallaf und Leon Lorenz. „Wegen der mangelnden Torgefahr gab es zu wenig Entlastung für die Defensive, und deshalb stand die Abwehr unter Dauerdruck“, analysiert Unfricht. Das Potenzial sei da, aber Spieler anderer Klubs hätten die Corona-Zwangspause vor dem Saisonstart viel besser genutzt.
Seeger, Lorenz, Caglayan und Torwart Jan Vellbinger hätten überzeugt. Auch Felix Funk, den aber Blessuren zurückgeworfen hätten. Der spielerisch beste Akteur, Ziya Köroglu, sei wegen Quarantäne, Hochzeitsreise und Handbruch lange ausgefallen, bestritt nur fünf Partien und stand lediglich zweimal die kompletten 90 Minuten auf dem Feld. „Abgestiegen sind wir noch lange nicht. In den beiden Nachholspielen können wir der Serie einen Dreh geben“, hofft Unfricht. Jedenfalls wurde personell deutlich nachgebessert.