Ludwigshafen „Es bewegt sich was“
«Dannstadt-Schauernheim.»Skeptische, erwartungsvolle Blicke sieht man an diesem Abend rund um den Tisch im Besprechungszimmer des Pfarrbüros der Pfarrei Heiliger Sebastian in Dannstadt. „So genau weiß ich nicht, was mich erwartet“, ist der allgemeine Tenor der sieben Männer und Frauen. Sie sind Teil der Arbeitsgruppe „Junge Familien“, die sich an diesem Abend zum ersten Mal trifft. Daher ist es gut, dass Gruppenpate Johannes Beck, Vorsitzender des Pfarreirates, zunächst einmal die Ausgangssituation und das Vorgehen erläutert. In der Gruppe „Junge Familien“ engagieren sich vor allem Mütter und Väter, aber auch werdende Eltern. Ziel ist es, „Ideen für die Zukunft zu sammeln und sich zu fragen, wie das Gemeindeleben in zehn Jahren aussehen soll“, sagt Johannes Beck. Der gewählte und aufwendige, aber auch aufschlussreiche Prozess stehe unter einem guten Stern: „Wir haben ein gutes Pastoralteam, im Pfarreirat sitzen etwa ein Drittel junge Leute, und wir haben viele engagierte Ehrenamtliche“, erklärt Beck. 2017 hat die wohl bislang einmalige Erarbeitung eines Pastoralen Konzepts mit der Analysephase begonnen. In der Pfarrei Heiliger Sebastian wurden dazu Fragebögen verteilt (wir berichteten). Das Ergebnis der Aktion, ein 71-seitiges Heft, wurde im Oktober 2017 in einer Pfarrversammlung vorgestellt. Dabei beteiligten sich in einer Straßenbefragung 272 Personen und in der Kindertagesstätten-Befragung 222 Eltern, 45 Erzieher und 20 Pfarreirats-Mitglieder. An der Gemeinde-Fragenbogenaktion machten 1016 Personen (Rücklaufquote 13,7 Prozent) mit. An der Straßenbefragung hatten sich neben Katholiken auch 90 Protestanten und 18 Moslems beteiligt. Ein Fazit dabei war, dass Gemeinde vor Ort im Wesentlichen als Gottesdienst wahrgenommen wird. Daraus ergab sich die Aufgabe, dass die Kirche als Glaubensgemeinschaft die Menschen in all ihren Lebenssituationen erreichen sollte, eben auch außerhalb des Kirchenraums. In der Kindertagesstätten-Befragung zeigte sich, dass es eine sehr große Übereinstimmung unter den Gruppen gab. Humanistische Werte und Höflichkeit haben einen hoher Stellenwert. Und ein religiöses Angebot wird in einer katholischen Kindertagesstätte, die als Teil der Kirche wahrgenommen wird, allgemein erwartet. An der Gemeindebefragung beteiligte sich vor allem die Gruppe der über 50-Jährigen. Das Signal daraus ist, die jüngere Generation wieder stärker erreichen zu müssen. So fordern die aktiven Katholiken in den vier Gemeinden eine intensivere Jugend- und Junge-Familien-Arbeit. Neben Gottesdiensten, die zwar als wichtig empfunden werden, aber nur schwach besucht sind, werden pastorale Ansprechpartner vor Ort gewünscht. „Wir haben durch die Fragebogenaktion gemerkt, dass unterschiedliche Altersklassen und Gruppen unterschiedliche Erwartungen an Kirche stellen, wobei allen gemeinsam christliches Leben im Zentrum steht“, sagt Johannes Beck. Nach der Befragung wurden für die Konzeptphase Zielgruppen gebildet. Aus den ursprünglich zehn sind nun 17 Arbeitsgruppen geworden (siehe „Zur Sache I: Die Arbeitsgruppen“). In diesen beteiligen sich 110 Personen aus allen vier Pfarrgemeinden – eine Beteiligung, auf die Beck stolz ist. „Es ist schon jetzt erkennbar, dass sich etwas bewegt, da sich auch viele junge Leute engagieren.“ Die einzelnen Arbeitsgruppen – wie eben jene „Junge Familien“ – sollen sich nun in drei bis vier Sitzungen bis Oktober dieses Jahres treffen und für ihre Zielgruppe zwölf Handlungsfelder ausarbeiten, zum Beispiel „Glaube mit allen Sinnen“, „Liturgie“, „Caritas“, „Ökumene“, aber auch Management, Kommunikation oder Marketing. „Jede Arbeitsgruppe gestaltet dies nach ihren Vorstellungen. So macht die Jugend dies mit ganzen Planungstagen und macht ein Event draus“, berichtet Beck begeistert. Die Treffen der einzelnen Gruppen sollen dabei in acht bis zehn Stunden innerhalb eines halben Jahres überschaubar sein, „damit die Beteiligten nicht das Gefühl haben, zu sehr vereinnahmt zu werden“, sagt Beck. Darum werden schon beim ersten Treffen der Arbeitsgruppen erste Ziele formuliert. Nach kurzer Nachdenkpause fallen in der Gruppe „Junge Familien“ erste Stichworte wie: Kinderfreundlichkeit, Kirche als Erlebnis für die ganze Familie, Verständnis für Familien, neue Formen, Kinderbetreuung, Willkommenskultur, Familiengemeinschaft. Die beziehen sich im Wesentlichen zunächst auf den Gottesdienst. Dabei wird von eigenen Erfahrungen berichtet. „Es ist schon schwierig im Gottesdienst, wenn man kleine Kinder hat“, sind sich alle einig. Sie verlieren schnell das Interesse und werden unruhig, das stoße auch schon mal auf Unverständnis der anderen Gottesdienstbesucher, berichten die Teilnehmer. Katrin Stadler aus Mutterstadt und Alexander Kapp aus Hochdorf berichten über positive Erfahrungen beim Besuch von freikirchlichen Gemeinden. Da habe es zum Beispiel einen separaten, mit einer Glaswand abgetrennten Raum gegeben, in dem die Kinder auf Sichtweite der Eltern während des Gottesdienstes betreut werden. „Das muss und kann man nicht eins zu eins umsetzen, aber man kann das ja mal als Idee mitnehmen“, sagt Alexander Kapp und erntet dafür einhellige Zustimmung. In den folgenden Treffen sollen die Ideen vertieft und bewertet werden. Dann soll sich zum Beispiel überlegt werden, wie diese in bestehende Angebote wie den Kinderwortgottesdienst integriert werden können oder ob und wie etwas geändert werden müsste. „Es geht ja nicht darum, alles über Bord zu werfen. Bewährtes soll ja auch erhalten werden“, betont Johannes Beck. Das alles soll dann in ein Einzelkonzept jeder Arbeitsgruppe fließen. Aus allen Einzelkonzepten werde dann ab Oktober das Pastorale Konzept der Pfarrei Heiliger Sebastian zusammengestellt werden. Das wiederum soll in einer Pfarrversammlung im Dezember den Gemeindemitgliedern präsentiert und verabschiedet werden. Und über allem steht das Leitmotto der Pfarrei Heiliger Sebastian „Unserer Pfarrei - eine lebendige Gemeinschaft mit Christus“. Nach Fragen? Informationen und den aktuellen Entwicklungsstand des Pastoralen Konzepts können auf der Homepage der Pfarrei unter https://www.hl-sebastian.de/pastorales-konzept nachgelesen werden.