Ludwigshafen Erziehung zu Weltoffenheit

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Seit Januar leitet Stefan Schletter den Jungen Pfalzbau, das Kinder- und Jugendtheater des Theaters im Pfalzbau. Der 49-jährige erfahrene Regisseur vertritt in dieser und in der kommenden Spielzeit die Leiterin Friederike Hartung, die in Mutterschaftsurlaub ist. Sein Leitziel ist die Erziehung zu Weltoffenheit und Internationalität.

Stefan Schletters Ideal eines Kinder- und Jugendtheaters sähe folgendermaßen aus: ein eigenes Ensemble mit Mitgliedern, deren Alter von drei Jahren bis ins frühe Erwachsenenalter reicht. Viele Nationalitäten sollten in ihm vertreten sein, und es sollte eng mit einem aus Erwachsenen bestehenden Laientheater und den Schulen kooperieren. Die Produktionen dieses gemischten Ensembles müssten Tanz-, Sprech- und Musiktheater zusammenführen. Dass er dieses Ideal am Ludwigshafener Theater im Pfalzbau kaum verwirklichen kann, ist Stefan Schletter bewusst. Eine Erfüllung seines Traums scheitert aber nicht nur an der begrenzten Vertretungszeit, sondern auch und vor allem am Geld. „Wir hängen am Tropf der Sponsoren“, gibt der Leiter unumwunden zu. Jede Etatkürzung mache sich auch beim Jungen Pfalzbau bemerkbar. Wenn es nach der Nachfrage ginge, könnte das Kinder- und Jugendtheater mehr als nur die rund 300 Teilnehmer an den elf oder zwölf Kursen in den Clubs erreichen. So aber muss der Junge Pfalzbau immer wieder Interessenten abweisen. Und eigentlich bräuchte ein Theater von der Größe Ludwigshafens mindestens eine fest angestellte Theaterpädagogin, betont Schletter. So jedoch arbeiteten mit den Kindern Freiberufler, die mit viel Engagement ihre Aufgabe erledigen würden. Theater habe auf die Charakterbildung einen äußerst positiven Einfluss, wirbt der Interimsleiter für den Jungen Pfalzbau. Durch Auftritte vor Publikum würden die jungen Darsteller Selbstbewusstsein entwickeln. Vor allem aber habe Theater die Wirkung, zu Empathie, zu Mitgefühl zu erziehen. Kurz: „Kinder, die Theater spielen, gehen anders durchs Leben.“ Stefan Schletter selbst ist von Hause Regisseur. Als Theaterpädagogin an seiner Seite hat er aus Wiesbaden, einer früheren Wirkungsstätte, Anne Tysiak mitgebracht. Am Staatstheater Wiesbaden war er 15 Jahre lang bis 2014 engagiert und hat dort zuletzt das Kinder- und Jugendtheater geleitet. Während seiner Wiesbadener Zeit wurde er mit Pfalzbau-Intendant Tilman Gersch bekannt, der früher zur Schauspielleitung des Staatstheaters Wiesbaden gehört hat. Stefan Schletter ging von Wiesbaden nach Heilbronn, wo er am dortigen Stadttheater ein Kinder- und Jugendtheater aufgebaut hat. Seine Entscheidung, Theater mit und für Kinder zu machen, fiel früh und war sehr bewusst. Schon als Student der Ethnologie, Afrikanistik und Politikwissenschaften in Mainz wirkte er als Statist an Aufführungen mit, und nach einer Zeit als Regieassistent studierte er in Wiesbaden selbst Stücke für Kinder ein. „Ich möchte nichts anderes machen“, sagt er. „Kein anderes Publikum ist so direkt und spontan in seinem Urteil wie Kinder.“ Zu Weltoffenheit und Internationalität, die Stefan Schletter anstrebt, ist er selbst erzogen worden. Sein Vater war in der Entwicklungshilfe tätig, weshalb die Familie von Garmisch-Partenkirchen nach Mogadischu umzog. Weil es in Somalia keine deutsche Schule gab, besuchte der 17-Jährige ein Internat in Nairobi im Nachbarland Kenia. „Es war eine prägende Erfahrung, selbst einmal der Fremde, der Andere zu sein“, meint er. „Es hat mein Weltbild geprägt.“ Inzwischen richtet sich sein Blick allerdings stärker auf den Balkan als nach Afrika. Seit einigen Jahren nämlich ist er mit dem kosovarischen Stückeschreiber Jeton Neziraj befreundet. Zurzeit studiert er mit ihm in dem ehemaligen Bürgerkiegsland dessen Stück „Peer Gynt aus dem Kosovo“ ein. Dort beim Aufbau eines Kinder- und Jugendtheaters zu helfen, würde Stefan Schletter sehr reizen. Vorerst wird er aber in Ludwigshafen die nächste Spielzeit des Jungen Pfalzbaus vorbereiten. Auch das Festival „Junges Theater im Delta“ Ende Mai und die Schultheaterwoche fallen in seine Zuständigkeit. Am „Delta“-Festival, das dieses Jahr in Heidelberg stattfindet, nimmt Ludwigshafen mit vier Jugendclubs teil. Einer gibt Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ mit Kindern ab acht Jahren, einstudiert zusammen mit der städtischen Musikschule. Weitere Beiträge der Ludwigshafener sind „Es war einmal“, ein interkulturelles Projekt für Kinder ab sechs Jahren von Gülhan Akin, „Stell dir vor, es ist Krieg“ nach Janne Teller mit Jugendlichen ab 13 Jahren und „Lux“ mit Luise Rists Gruppe Mahala International. Für die Schultheaterwoche, so viel kann Stefan Schletter jetzt schon sagen, gibt es weniger Bewerbungen als im vergangenen Jahr. „Schade“, bedauert der engagierte Interimsleiter.

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