Mein Weihnachtslied RHEINPFALZ Plus Artikel Erwin Ditzner und „Großer Gott, wir loben dich“

Erwin Ditzner war schon im Vorschulalter Messdiener.
Erwin Ditzner war schon im Vorschulalter Messdiener.

In einer Adventsserie erzählen Musikerinnen und Musiker aus der Rhein-Neckar-Region von ihrem liebsten Weihnachtsstück. Heute: Erwin Ditzner.

Schlagzeuger Erwin Ditzner wurde schon mit fünf Jahren Messdiener in seinem Heimatort Rheindürkheim bei Worms. Bei der Christmette hat es ihm ein Lied besonders angetan – aus mehreren Gründen.

Weihnachten hatte in der Familie einen besonderen Stellenwert. Der Opa spielte die Orgel in der Kirche, der Vater sang im Chor, und der Junior stand als Messdiener am Altar. Und so eine Christmette kann schon ziemlich lang werden, wenn man ein Kind ist. Höhepunkt der Mitternachtsmesse sei es für ihn gewesen, wenn Chor, Gemeinde und Orgel das „Großer Gott, wir loben Dich“ angestimmt hätten. Das wurde von allen mit Inbrunst gesungen. „Da ging's richtig ab, und der Drei-Viertel-Takt hat mir auch gefallen“, sagt Erwin Ditzner.

„Da wusste ich, dass es bald vorbei ist“

Doch es gibt einen weiteren Grund: Das Lied wird immer gegen Ende der Messe angestimmt. „Da wusste ich, dass es bald vorbei ist“, erinnert sich der Musiker. Allerdings erinnert er sich auch noch, dass nach der Messe die Erwachsenen draußen vor der Kirche standen und rauchten, während er frierend daneben wartete, um endlich heimzukommen.

Sehr gerne habe er als Junge auch die legendären Advents-Vierteiler im ZDF geschaut. Besonders in Erinnerung ist ihm noch „Der Seewolf“ und dessen besondere Titelmusik. Die Serie lief zum ersten Mal 1971, wurde aber auch öfter wiederholt. Die Musik stammt von Hans Possega. Der Filmkomponist hat auch für die Vierteiler „Zwei Jahre Ferien“ und „Lockruf des Goldes“ die Musik geschrieben. Sein berühmtestes Werk ist die Titelmelodie zur „Sendung mit der Maus“. Die Titelmusik zum „Seewolf“ klingt sehr ungewöhnlich: Gespielt wird sie von einem Cembalo, Pauken und einer abgedämpften E-Gitarre. Das Cembalo legt dissonante Akkorde, die Gitarre spielt ein Motiv, das nach Moll mit einer Bluenote klingt, die Pauken spielen eine durchgängige Figur. Die Musik klingt recht unheimlich und dramatisch, was sehr gut zur Stimmung der Serie passt.

Ins Musikantenland der tiefen Westpfalz

Als Erwachsener begann Erwin Ditzner dann zur Weihnachtszeit ruhige klassische Musik zu hören, etwa Stücke von Eric Satie oder Nocturnes von Chopin. „Das mag ich, zum Entspannen und Runterkommen“, erklärt er. Um die Weihnachtszeit habe er früher mit Cobody, zusammen mit Kosho, der auch aus Worms stammt, und Jo Bartmes, in einer Wormser Kneipe Musik gemacht. Da seien dann viele Freunde aus nah und fern gekommen, um mit der Band den Abend zu verbringen.

Und zwischen den Jahren sei auch das Ditzner Twintett, zu dem auch die Zwillinge Bernhard und Roland Vanecek gehören, in deren Heimat, ins Musikantenland der tiefen Westpfalz gereist, um dort Musik zu machen. In ihrem Heimatdorf Schneckenhausen habe die Band gespielt, und da habe sich das ganze Dorf getroffen. Bei Familie Vanecek gab es gutes Essen und abends ging es dann rund. „Die Halle wurde rappelvoll, die Stimmung war unglaublich“, erzählt Erwin Ditzner. In der Pandemie ist das selbstverständlich nicht mehr möglich.

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