Ludwigshafen Erinnerungen ans Dorfleben

Nein, man sieht dem Zedtwitzhof seine Vergangenheit nicht mehr an, auch wenn zumindest der Herrenhof des kurfürstlichen Beraters Peter Emanuel von Zedtwitz erhalten ist. Im Treppenhaus ist noch ein wenig vom Hauch der kurfürstlichen Zeit erkennbar. Der auch im Mannheimer Schloss verwendete Sandstein macht aus dem Treppensteigen einen Ausflug in die Vergangenheit – auch wenn im Obergeschoss keine Fürsten oder gar Kurfürsten warten, sondern dort der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes Vorderpfalz zu Hause ist. Auch das eine Verneigung vor der Vergangenheit, und dies nicht alleine, weil von 1949 bis 1974 das Caritaswerk hier untergebracht war. So gehörte das Gebäude auch dem Ehepaar Maximilian und Doris Heyl vom Herrnsheim, die sich beide sehr stark für den Ort engagierten und nach denen zum Dank auch jeweils eine Straße im Ort benannt wurde. Gut, dass es dem Verein „Hofgut Mundenheim“ 1978 gelang, das vom Abriss bedrohte Herrenhaus zu bewahren. Doch dort, wo sich heute unter der Woche Stoßstange an Stoßstange auf dem kostenfreien Parkplatz reiht, hatte der Staatsminister des Mannheimer Hofs ab 1770 einen agrarwirtschaftlichen Musterbetrieb mit Molkerei, Brauerei und Brennerei aufgebaut und verwaltet. Der Freiherr lächelt auch noch wohlwollend vom Brunnen im Park hinüber auf das ehemalige Hofgelände, wo zwei Markttage in der Woche zumindest noch einen Hauch des landwirtschaftlichen Lebens erahnen lassen. Mittwochs mit einem kleineren Angebot, an den Samstagen fast wie in besten dörflichen Tagen, berichtet Ortsvorsteherin Anke Simon (SPD). Sie ist „heilfroh, dass wir den Zedtwitzhof als unbebautes Grundstück im Ortskern haben“, denn nicht nur die Markttage, auch die beiden Volksfeste im Frühjahr und Herbst machen aus der betonierten Fläche ein Erlebnisfeld mitten im Ort. „Und der Platz ist auch als Parkplatz wichtig. Zumal es uns bislang gelungen ist, das Parken hier kostenfrei zu ermöglichen.“ Das wissen nicht nur die Anwohner, sondern auch die Besucher des angrenzenden Seniorentreffs zu schätzen. Und auch Gäste der Gaststätte im Hofgut würden sich sicher über den Parkplatz vor der Haustür freuen – wenn das Hofgut denn mal wieder geöffnet hätte. „Leider ist die Gaststätte seit über einem Jahr geschlossen“, bedauert die Ortsvorsteherin, die darauf hofft, dass sich wieder jemand auf das Schild in der Eingangstür meldet, wo nach einem „Nachmieter“ gesucht wird. Der zugehörige Biergarten kann schließlich kaum schöner sein – ein weiteres Bindeglied zwischen Platz und Park. Überhaupt ist der Park, der aktuell in seinem schönsten Frühlingskleid erstrahlt und die Winterdepression abgestreift hat, alles andere als ein Angstraum, betont Simon. „Die Situation hat sich im letzten Jahr ein wenig hochgeschaukelt“, erklärt sie. „Wir sind nun einmal ein dichtbesiedelter Ort, an dem sich Jugendliche schon immer ihre Freiräume gesucht haben.“ Dabei seien sie offensichtlich zunächst mit den Boulespielern aneinandergeraten, die ebenfalls hier zu Hause sind. So habe wohl ein Wort das andere ergeben, versucht sie sich an einer Rekonstruktion. „Die Grenze ist dann überschritten, wenn es in die Strafbarkeit abgleitet“, erklärt sie, warum Verwaltung und Polizei im vergangenen Jahr gemeinsam wieder für Ruhe gesorgt haben. Relative Ruhe, selbstverständlich. Manche gepeinigten Anwohner würden Simons Einschätzung wohl nicht teilen. Die Zeiten als Dorf sind jedenfalls seit knapp 200 Jahren vorbei. „Das Problem haben wir etwa alle zehn Jahre“, etwas wirklich Neues sei der Interessenskonflikt der verschiedenen Parknutzer also nicht. Zumal der Raum zwischen Kletterwand, Kinderspielplatz, Boule-Anlage und Tischtennisplatten nicht unbegrenzt vorhanden ist. Und zumal es fast schon eine Besonderheit in einem öffentlichen Park ist, dass zwischen allen üblichen Verbotsschildern auch eine Ballspielfläche auf dem Rasen ausgewiesen ist. Ein krasser Gegensatz zum Parkplatz, der von reinen Funktionalbauten, etwa dem früheren Postgebäude, umsäumt ist. Keine städtebaulichen Glanzlichter, aber Simon kann gut damit leben. „Wir sind heilfroh, dass wir beides haben“, bekräftigt sie gleichermaßen für Park und Hof.