Fußgönheim
Eintauchen in die Weltmeere: Ausstellung im Schloss
Wer dieser Tage die Schlossgalerie in Fußgönheim betritt, wähnt sich möglicherweise zunächst in einer naturkundlichen Sammlung. Nahezu alle Objekte, leuchtend und farbenprächtig wie nur die Pflanzen- und Tierwelt oder eben die Kunst sein kann, befinden sich geschützt in Plexiglaskästen, ähnlich Fischen in einem Aquarium oder, mehr noch, Präparaten in Schaukästen. Die Exponate könnten Gewächse sein, Wucherungen, Blüten oder Korallen. Tatsächlich lassen Form und Farbigkeit vor allem an die bunte, reiche Unterwasserwelt denken. Ein Besuch der Ausstellung gleicht einem lohnend faszinierenden Tauchgang ins Unbekannte.
„Blau-weiße Riesenanemone“, „Gelblila Blasenblüte“, „Weiße Sternschnecke“, „Seenelke“ oder „Nudy Branch“, also Nacktkiemer: Die Namen der 40 Werke verweisen ebenfalls ins Meer. Die Schweizerin Lea Lenhart aus dem Kanton St. Gallen hat die Objekte von 18 mal 18 bis 60 mal 60 Zentimeter Größe aus farbigen, gezogenen und mundgeblasenen Formen am Glasbrenner geschaffen und nach dem Tempern im Abkühlofen auf sorgfältig mit Garn bestickte Leinwandkörper aufgezogen. Die Resultate sind so vielgestaltig wie vielfarbig. Oft kreisförmig, bisweilen amorph, erscheinen sie so organisch wie Pilze, Quallen, Trauben oder Kokons. Künstlich, dabei dünnhäutig, zerbrechlich und filigran, muss man beinahe ebenso umsichtig und sorgsam mit ihnen umgehen wie mit tatsächlichen Tieren und Pflanzen, zumal wenn es sich um seltene und kostbare Exemplare handelt. Sie gemahne mit ihren Werken an das Artensterben in den Weltmeeren, erklärt die 48-jährige, in Düsseldorf lebende Künstlerin selbst dazu.
Von Glasperlen zur Unterwasserwelt
Begonnen hat sie um die Jahrtausendwende mit Glasperlen aus dem Handel, die sie zunächst zu Porträts verwebte, die dann aussahen wie aus Pixeln zusammengefügt. Es folgten abstrakte Arbeiten, Farbkreise und Farbenspiele, Käfer, Falter und Blüten aus Perlen, bis sie vor rund einem Jahrzehnt die Unterwasserwelt für sich entdeckte. Aus vorgefertigten Perlen wurden über die Jahre selbstgemachte in unterschiedlichsten Strukturen und Farben, für die sie eigens die Glasbläserei erlernte.
Die Künstlerin passt ganz ausgezeichnet in das Angebot von Ingrid Bürgy-de Ruijter, die 50 Künstler vertritt. „Meine Schwerpunktthemen sind der ungewöhnliche Umgang mit dem Material und die Nähe zur Natur“, erläutert die Kunsthistorikerin, deren Galerie Upart in Neustadt seit Kurzem den komplizierten Namen buergyderuijtergallery trägt. Die Galeristin selbst ist vor drei Jahren nach Fußgönheim gezogen und hat in der Schlossgalerie des örtlichen Heimat- und Kulturkreises einen zweiten Standort gefunden, den sie gerne auch weiter nutzen möchte.
Öffnungszeiten
Bis 16. Januar 2022 im Heimatmuseum Fußgönheim (Hauptstraße 67). Zur Finissage um 11 Uhr wird die Künstlerin erwartet. Öffnungszeiten bis 12. Dezember Di und Do 15-19 Uhr, ab 15. Dezember Mi 15-19 und So 14-17 Uhr oder nach Vereinbarung unter der Rufnummer 0171 6702651 oder mail@bdr.gallery.