Ludwigshafen Einmal im Mittelpunkt
«LUDWIGSHAFEN.» Für Yannic Lemmen ist der Ludwigshafener Luitpoldhafen ein gutes Pflaster. Zum dritten Mal in Folge gewann der 22-jährige Wildwasserkanute vom Kajakclub Düsseldorf die Sparkassen-Regatta. In dem hochklassigen Feld wussten auch die beiden Lokalmatadore Björn Barthel und Marcel Blum zu überzeugen.
Barthel belegte hinter Lemmen den zweiten Platz. Blum wurde bei den Junioren ebenfalls Zweiter hinter seinem Nationalmannschaftskollegen Simon Puttkammer (Kajakclub Düsseldorf). So im Mittelpunkt zu stehen, das genossen die Wildwasserkanuten am Samstagabend in vollen Zügen, denn das kommt selten vor. Organisator Berthold Barthel vom Ludwigshafener Kanu-Club (LKC) hatte die gesamte deutsche Spitze nach Ludwigshafen gelockt. Welch einen Stellenwert die Regatta hat, zeigte sich auch darin, dass Junioren-Nationaltrainer Ralf Beerschwenger mit Argusaugen beobachtete, was seine Schützlinge im Luitpoldhafen ablieferten. Lemmen, Barthel und der Dritte Björn Beerschwenger (RKC Köln) haben sich bereits für die Wildwasser-Weltmeisterschaften Ende September im französischen Pau qualifiziert. Rund 30 Stunden Training stehen derzeit wöchentlich für sie, die sich auch privat hervorragend verstehen und den Samstagabend mit einem gemeinsamen Grillen auf dem Vereinsgelände des LKC ausklingen ließen, auf dem Programm. „Ohne die Unterstützung unserer Eltern wäre das alles nicht möglich“, verriet Beerschwenger. Mit Wildwasserrennsport ist nicht viel Geld zu verdienen, dabei müssen die Jungs knallhart trainieren. Für die Weltmeisterschaften hatten Lemmen, Barthel und Beerschwenger ein Sponsoringprojekt ins Leben gerufen. Rund 500 Euro pro Teilnehmer müssen sie dennoch aus eigener Tasche bezahlen, um sich den WM-Traum zu erfüllen. Die Chance, dort die eine oder andere Medaille abzugreifen, stehen nicht schlecht und sind auch das erklärte Ziel der Kanuten. Bei nationalen Meisterschaften ist das Trio, das international bereits zahlreiche Medaillen abräumte, das Maß aller Dinge. „Je nach Tagesform gewinnt mal der eine, mal der andere“, sagte Beerschwenger. Sie dominierten auch am Samstag das Renngeschehen, konnten es sich sogar leisten, bis ins Finale zu taktieren. Dann ging es aber zur Sache. Bis zuletzt lieferten sich die Jungs ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Lemmen behauptete auf der 200-Meter-Sprintdistanz einen knappen Vorsprung vor Barthel. „Allzulange geht das Taktieren nicht mehr. Die Junioren sitzen uns ganz schön im Nacken“, sagte der 25-Jährige Barthel. Allen voran der Junioren-Sieger Simon Puttkammer und Marcel Blum (2.). „Nach 150 Meter habe ich noch geführt, auf den letzten 50 Meter ging mir die Luft aus“, erklärte Blum, der es aber gelassen nahm. Nach den beiden Silbermedaillen bei der Junioren-WM hatte das Nachwuchstalent des LKC erst einmal ein paar Tage Urlaub gemacht, wird jetzt noch zwei Rennen fahren: „Hier in Ludwigshafen zu starten, ist etwas ganz Besonderes, weil richtig viele Zuschauer da sind.“ Viele Hafenfest-Besucher hatten sich rund um den Luitpoldhafen platziert und das Geschehen verfolgt.