Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Eingefroren im Moment: Galerientage im Mannheimer Kunstverein

Das gefärbte Silikon scheint dick herabzutropfen in diesem Detail des Werkes „Dosabil“ von Lev Khesin.
Das gefärbte Silikon scheint dick herabzutropfen in diesem Detail des Werkes »Dosabil« von Lev Khesin.

Am Wochenende zeigen acht Galerien der Region bei den Galerientagen im Mannheimer Kunstverein ausgewählte Künstler. Die Techniken reichen von Malerei und Skulptur bis zur Gestaltung mit Silikon. Manche Werke erzählen vom Aufbrechen und Erwachsenwerden, andere frieren den Moment des Ankommens fest.

Der Mannheimer Kunstverein möchte die Galerienlandschaft der Metropolregion unterstützen, da Galerien für die Künstler wichtig seien zur Präsentation und Vermarktung ihrer Werke, erzählt Vorsitzender Friedrich Kasten. Außerdem sollen Besucher ermutigt werden, die Galerien mal zu besuchen. Kasten erwartet in den drei Tagen 500 bis 700 Besucher. Die Galerien werden nicht von einer Jury ausgewählt, sondern seien dem Verein bekannt; die Atmosphäre sei deshalb „wie ein Familientreffen“. Da die Qualität der Teilnehmenden stimme, passten auch die Werke zueinander, meint der Vorsitzende.

Das Haus zeigt je vier Galerien auf jedem Stockwerk; jede hat zehn Meter für maximal drei Künstler zur Verfügung. Die Wände werden vorher verlost, und die Galeristen hängen selbst. Neu dabei ist die Galerie Kern aus Heidelberg. Außerdem stellen die Galerie Kim Behm, Galerie Julia Philippi, Galerie Kasten, Galerie Peter Zimmermann sowie Döbele Kunst und der Raum für Gegenwartskunst Port25 aus. Grob könnte man die Werke einteilen in Künstler, die sich mit dem Menschsein figürlich auseinandersetzen und Künstler, die mit Raum, Strukturen und Materialien experimentieren.

Kippende Kuben

Die Galerie Julia Philippi zeigt mit Stefanie Lampert eine Künstlerin, die auf den ersten Blick Bilder mit abstrakten kubischen Formen gestaltet, die bei längerer Betrachtung aber dreidimensional werden, dabei immer wieder neu kippen. Sie spielt mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters. Dazu ergänzend spielt Marcia Raquel Székely in ihren Werken mit Bewegung und Balance. Ihre Ausstellungsstücke sind „tennisplatzfarben“, also grün, grundiert mit weißen „Begrenzungslinien“, die man dann aber auch als Stangen und Streben sehen kann, um die herum hula-hoop-reifengleich Kreise schwingen und dabei drohen hinunterzugleiten.

Um Balance geht es auch bei der Galerie Kern; allerdings arbeiten hier die ausgestellten Künstler figürlich. Stefanie Welk schafft aus geglühtem Stahldraht eine menschliche Figur, die mit einem Arm an einem Trapez hängt und mit den Beinen strampelt. Die Figur nennt sich „hang on let go“. Soll man hängenbleiben, oder muss man sich bewegen, um in Balance zu bleiben und nicht zu fallen? Eine andere ihrer Figuren hängt leger an einer Stahlkonstruktion. Sie trägt den Titel „longing“. Nach was soll man streben? Genau den Moment des Zieleinlaufes eines Sprinters friert eine andere Figur ein: Diese Figur hatte ein Ziel, das sie in diesem Moment erreicht. Sie steht symbolisch genau für diese Sekunde: Geschafft!

Symbolisch für bestimmte Lebensabschnitte stehen auch die in grellen Farben hyperrealistisch gemalten Werke des Künstlers Karen Shahverdyan, der aus Armenien stammt. Ein „Altarbild“ zeigt zugeklappt einen Jungen vor der Pubertät, aufgeklappt ein Flugzeug. Das Bild nennt sich Aufbruchstimmung. Man kann die Lust am Aufbruch zu fernen Welten spüren. Ein anderes Bild zeigt eine Strandsituation mit zwei Jungs und einem Mädchen sowie einer aufgeschnittenen Melone. Das Bild ähnelt einer Fotografie, ist aber schärfer und poppiger in der Farbgebung. Das Mädchen schaut in die unendliche Weite des Meeres, sich ihrer Schönheit bewusst, im Moment des Aufbruchs zu „neuen Ufern“. Der „mittlere“ Junge ist noch unentschieden und unsicher, ob er auf das Mädchen zugehen soll, oder sich eher der Melone widmen soll, während der kleinere sitzende Junge sich weder für die Melone noch für das Mädchen interessiert. „Die Enthusiasten“ heißt das Bild – mit dem Untertitel „wer interessiert sich für was?“ Eine Allegorie auf das Erwachsenwerden.

Fantasie in Schneekugeln

In poppigen Farben gehalten sind auch die Pop-Art-Siebdrucke der Galerie Kasten. David Spillers Bild mit Schriftzug „Stay forever young“ ist selbsterklärend. Ganz anders, abstrakt, neonfarben sind die Silikonwerke von Lev Khesin, die die Galerie „Sebastian Fath Contemporary“ ausstellt: Der Künstler färbt gewöhnliches Bausilikon mit Pigmenten ein. Mit diesen unterschiedlich gefärbten Silikonpasten schließlich gestaltet er seine Bilder. Er schichtet die einzelnen „Silikonfarben“ auf Holz, lässt sie trocknen, stellt das Bild senkrecht, sodass die einzelnen Ebenen ineinanderlaufen oder tropfen. Die Oberfläche gestaltet er zusätzlich mit abstrakten Farbverläufen.

Nicht abgesprochen, stellt auch die Galerie Zimmermann unter anderem Silikonwerke aus: In Gläsern, wie man sie von Schneekugeln kennt, sind bunte Silikonpastenberge, Schlangen und Kringel aufeinandergeschichtet. Dem Betrachter sei freigestellt, was er in den Mustern erkennen möchte. Farbspiel? Figuren? War da nicht Mickymaus und Pluto? Ein Baum. Oder einfach blühende Fantasie?

Der Betrachter ist eingeladen, auch die anderen, nicht erwähnten Künstler und Werke zu entdecken und darüber fachzusimpeln. Umgestülpte vernähte Papiertüten wären da noch vom Raum für Gegenwartskunst Port 25 oder mit Farben übergossene Formen, ausgestellt von der Galerie Kim Behm.

Termin

Vernissage am Freitag, 20. September, 19 bis 22 Uhr, Art & Cocktail am Samstag, 12 bis 22 Uhr, 16 Uhr Flashmob, Art & Brunch am Sonntag, 12 bis 17 Uhr, Mannheimer Kunstverein , Augustaanlage 57.

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