Ludwigshafen Eine weitere Kirche schließt

In der Neuapostolischen Kirche in Friesenheim finden seit Ende Juni keine regelmäßigen Gottesdienste mehr statt. Die Kirche wird jedoch nicht entweiht und weiterhin für besondere Gottesdienste genutzt. Die Gemeindemitglieder sind auf andere Gemeinden verteilt worden.
Seit 1951 diente die Neuapostolische Kirche an der Hohenzollernstraße, genau gegenüber dem Klinikum gelegen, der Gemeinde Ludwigshafen als Gotteshaus. 248 Mitglieder zählte die 1904 gegründete Gemeinde zuletzt, davon 100 Aktive. Eine durchaus normale Zahl für eine neuapostolische Gemeinde, wie Bischof Pascal Strobel (42) betont: „Gerade das Familiäre macht das Besondere unserer Gemeinden aus“. Man fühle sich sehr willkommen in den Gemeinden, ergänzt Bezirksevangelist Christian Benz (58), der zugleich der stellvertretende Bezirksvorsteher des Bezirks Rheinpfalz ist. Dass die Gemeinde Ludwigshafen nun nach dem letzten Gottesdienst am 24. Juni aufgelöst wurde, ist daher nicht sinkenden Mitgliederzahlen geschuldet, sondern fehlendem Personal. „Bei uns werden alle Ämter ehrenamtlich ausgeübt“, erklärt Christian Benz. Selbst Bischof Strobel, der für Wallonien, Luxemburg, das Saarland und die Westpfalz zuständig ist, ist als Ingenieur wie alle anderen Seelsorger auch berufstätig. An einem Tag in der Woche widmet er sich seinen kirchlichen Aufgaben, für die er kein Entgelt erhält. Gleichzeitig gilt die Altersgrenze von 65 Jahren. Der Vorsteher der Gemeinde Ludwigshafen hatte diese Grenze bei Weitem überschritten, und die Gemeinde fand keinen geeigneten Nachfolger. „Wir schreiben die Stellen nicht aus, sondern vertrauen auf Hinweise, die wir durch das Gebet erhalten. Wir vertrauen, dass wir auf jemanden gelenkt werden und erbitten uns Zeichen“, beschreibt Christian Benz das übliche Vorgehen bei der Stellenbesetzung in der neuapostolischen Kirche. Da dieser Hinweis ausgeblieben sei, habe man die Gemeinde nun aufgelöst und geteilt. Vielleicht, so räumt Benz ein, sei seine Kirche in diesem Punkt antiquiert, aber man lehne sich generell ganz eng an die Bibel an, nicht nur bei der Auswahl der Vorsteher. Die Gemeindemitglieder wurden auf die beiden anderen Ludwigshafener Gemeinden in der Gartenstadt und in Oggersheim aufgeteilt. Einige haben auch in Frankenthal eine neue geistliche Heimat gefunden. Es ist bereits die zweite Schließung einer neuapostolischen Gemeinde in Ludwigshafen – vor einiger Zeit ist die Gemeinde Oppau aufgelöst worden, die Gemeindemitglieder wurden in die Gemeinden Ludwigshafen und Frankenthal integriert. „Wir wollen natürlich als Kirche attraktiv bleiben“, nennt der Bischof einen weiteren Grund für die Schließung. Denn Kirche funktioniere nur als Gemeinschaft, als Gemeinschaft möglichst aller Generationen, und lebe von dem, was von unten nachkomme. Die Ludwigshafener Gemeinde sei zum Schluss überaltert gewesen und habe nur noch ein Kind bei 101 Gläubigen über 65 gehabt. Daher sei es wichtig, jetzt mit der Auflösung und Aufteilung der Gemeinde schon vorausschauend die Weichen für ein gut gestaltetes und attraktives Gemeindeleben zu stellen. Das Gotteshaus an der Hohenzollernstraße mit seinen 600 Sitzplätzen fungierte bisher als Bezirkskirche. Es wird trotz der Gemeindeauflösung nicht entweiht, sondern weiterhin für große und besondere Gottesdienste genutzt. Schließlich steht es unter Denkmalschutz. Erst 2011 wurde es für zwei Millionen Euro renoviert und ist seitdem barrierefrei. Die Baumaßnahme wurde ausschließlich über Spenden finanziert. „Wir sind stolz, dass unseren Mitgliedern die Kirche so viel wert ist“, sagt der Bischof und weist darauf hin, dass die Gemeinde nicht aus finanziellen Gründen aufgelöst worden sei.