Ludwigshafen „Eine Stadt ihrer Zeit“

Prägend für die Stadt: Ludwigshafens Hochstraßen-System.
Prägend für die Stadt: Ludwigshafens Hochstraßen-System.
Frau Fath, in Ludwigshafen ist baulich derzeit vieles im Umbruch. Trotzdem eilt dem Erscheinungsbild der Stadt nicht gerade ein guter Ruf voraus.

Ludwigshafen ist eine Stadt ihrer Zeit. Man muss bedenken, wann sie entstanden ist und wann Bauten, die die Stadt prägen, errichtet wurden, zum Beispiel das Rathaus-Center und die Hochstraße. Das waren damals für Architekten und Ingenieure wegweisende Bauten. Einige stadtprägende Gebäude wie das BASF-Hochhaus wurden allerdings abgerissen. Auch bei der Friedrich-Ebert-Halle wurde offen über einen Abriss diskutiert. Hat die Architektur in Ludwigshafen den Stellenwert, den sie haben sollte? Denkmalschutz ist das architektonische Bewahren und Erhalten. Es gäbe aber keine Weiterentwicklung, wenn man immer nur bewahrt hätte und erhalten würde. Natürlich wird ein Abriss von Gebäuden umstritten diskutiert. Bei Bauwerken wie der Friedrich-Ebert-Halle muss man sich immer auch mit dem Bürger auseinandersetzen. Es ist ein tolles Bauwerk, auch mit allen Problemen, die damit aus heutiger Sicht verbunden sind. Man würde sie heute so nicht mehr bauen. Aber es ist ein erhaltenswertes Bauwerk. Was meinen Sie mit „mit dem Bürger auseinandersetzen“? Es sind prägende Bauten für eine Stadt. Das Hochhaus der BASF hat eine architektonische Sprache gesprochen und der Stadt Ludwigshafen Identifikation gestiftet. Auch den Bürgern, die schon lange in dieser Stadt leben oder arbeiten. Daher muss der Diskurs mit dem Bürger im Vorfeld über die Beweggründe geführt werden. Und es ist wichtig, dass die Stadt transparent und offen vorgeht. Rathaus-Center, Hochstraße. Gibt es weitere architektonisch spannende Bauten für die Stadt? Die Friedrich-Ebert-Siedlung oder die Westend-Siedlung sind mit Sicherheit prägende Elemente. Die GAG baut gerade die Christian-Weiß-Siedlung wieder auf. Das sind schon Erinnerungen, die diese Stadt pflegt. Das ist auch gut so. Wenn man in die Stadtteile geht, gibt es teilweise sehr dörfliche Strukturen. Dort merkt man, wie diese Stadt entstanden ist. Diese Kombination macht den Reiz Ludwigshafens aus, finde ich. Was sind aus Ihrer Sicht die aktuell wichtigsten Bauprojekte in der Stadt? Mit Sicherheit wird der Abriss der Hochstraße ein bedeutendes Projekt für die Stadtentwicklung Ludwigshafens sein. Ein anderes war das Rheinufer Süd. Eine weitere Herausforderung für Ludwigshafen wird die Innenstadt mit ihren Leerständen und zu aktivierenden Flächen im Erdgeschoss sein. Ein gutes Stichwort. Auf dem Berliner Platz ist unklar, wie es mit dem „Metropol“-Projekt weitergeht. Wie beurteilt die Architektenkammer diese Situation? Es ist ein wichtiges Projekt. Ich maße mir da aber kein Urteil an. Das ist von außen betrachtet schwer einzuschätzen. Es ist für eine Stadtverwaltung nicht einfach, solch wichtige Projekte so verlässlich und planerisch mit Verträgen zu gestalten, dass dann ein tragfähiges Projekt dabei entsteht. Gibt es grundsätzlich ein Spannungsfeld zwischen privaten Investoren und Stadtverwaltungen? Ich würde es nicht als Spannungsfeld bezeichnen. Die Planungshoheit für alle Flächen hat die Stadt. Die Stadt Ludwigshafen nutzt bei diesem Prozess bestimmt alle Möglichkeiten gekonnt aus. Ein Gestaltungsbeirat könnte bei diesem Prozess beratend tätig sein. Ein Gestaltungsbeirat für Ludwigshafen ist eine zentrale Forderung der Architektenkammer. Was wären die Aufgaben dieses Gremiums? Ein Gestaltungsbeirat ist für maßgebliche Bauprojekte in beratender Funktion tätig. Er berät die Verwaltung neutral. Die Experten, also Architekten und Stadtplaner, im Beirat kämen deshalb gar nicht aus Ludwigshafen. Denn man kann nicht auf der einen Seite im Gestaltungsbeirat die Stadt neutral fachlich beraten und auf der anderen Seite für die Stadt tätig sein. Sie arbeiten bei der GAG, die zu 66 Prozent Tochter der Stadt ist. Ein kritischer Blick vom Gestaltungsbeirat aus wäre auch für Sie schwierig. Ich habe nicht vor, Teil eines solchen Gremiums zu werden. Das wäre absolut falsch, genau aus diesem Grund. Wie ist die Situation der Architekten im Moment? In der Metropolregion haben wir eine gute Beschäftigungslage, weil die Baubranche durch die Niedrigzinsphase im Moment einen unheimlichen Aufwind hat. Das merken auch die Architekten. Der Beruf befindet sich jedoch auf andere Weise im Wandel. Es wird sich die Frage stellen: Ist der Architekt nur noch ein Planer, der Entwürfe macht, während die Ausführungsplanung an einen Generalunternehmer geht? Bisher war das so in unserem Berufsfeld nicht vorgegeben. Der Architekt war von Anfang bis Ende mit dabei. Das ist auch weiterhin unser Ziel, dass der Architekt von Anfang bis Ende das Projekt betreut und die Trennung von Planung durch den Architekten und die Ausführung durch das Handwerk beziehungsweise Bauunternehmen bleibt. Ludwigshafen hat ein negatives Außenbild. Wie kann man ein solches als Architekt ändern? Ich komme nicht aus Ludwigshafen, ich wohne an der Bergstraße. Früher war ich auch jemand, der nur durch Ludwigshafen durchgefahren ist und auf die Stadt heruntergeschaut hat. Aber Architekten planen für Bauherren und die Gemeinschaft. Guter Städtebau, attraktive Freiflächen und qualitativ ansprechende Architektur bilden die Grundlagen und sind ein wichtiger Beitrag für die Lebensqualität Ludwigshafens. Auf die Stadt heruntergeschaut? Sie meinen von der Hochstraße aus. Genau. Ludwigshafen ist keine liebliche Stadt. Sie ist eine durch Industrie und große Wohnbebauung geprägte Stadt, die ihre Sprache spricht, aber sie hat schöne Seiten. Ich war zum Beispiel überrascht, wie grün Ludwigshafen ist. Per se ist eine Stadt nicht hässlich oder schön. Deswegen sollten die Ludwigshafener selbstbewusster mit ihrer Stadt umgehen. In der Innenstadt ist der Leerstand ein großes Problem. Alleine mit Architektur füllt man sowas nicht. Man kann einen tollen Entwurf und ein tolles Gebäude haben, aber mit Architektur alleine füllen Sie keine Läden. Trotzdem bildet Architektur eine Grundlage, und die Attraktivität öffentlicher Räume ist ein wichtiger Baustein für privaten Investitionswillen. Gerade das Investitionsverhalten der Immobilieneigentümer ist mit der Schlüssel zum Erfolg. Vor allem bedarf es des Bewusstseins, dass „die gute Stube“ der Stadt nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligen attraktiv bleibt und wird.

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