Ludwigshafen Eine Soulstimme voller Leidenschaft

Auch in höchsten Höhen noch eine glockenhelle Stimme: Beth Hart in Mannheim.
Auch in höchsten Höhen noch eine glockenhelle Stimme: Beth Hart in Mannheim.

Beth Hart wird gern mit Janis Joplin, Tina Turner und Amy Winehouse in einem Atemzug genannt. Im Mannheimer Capitol hat die amerikanische Sängerin nun auf einer Europa-Tournee vor ausverkauftem Haus ein Konzert gegeben und ihr Publikum entzückt.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Beth Hart in Mannheim auftritt. Zuletzt war die Amerikanerin vor über zehn Jahren in Deutschland, während einer Europa-Tournee mit John Fogerty, Ex-Creedence Clearwater Revival. Angesichts solch rarer Auftritte war es kein Wunder, dass Beth Harts Konzert schon seit einer Weile restlos ausverkauft war. Vor allem durch Auftritte mit den Gitarristen Joe Bonamassa und Jeff Beck ist sie einem größeren Publikum bekannt geworden. Das erste Mal in Europa ist der Gitarrist Gary Hoey aus Austin, Texas, der das Vorprogramm bestritt. Sein klassisch mit Gitarre, Bass und Schlagzeug besetztes Trio verwandelte etwa den alten Elmore-James-Bluesklassiker „Dust My Broom“ in eine Hardrock-Nummer, und mit flinken Fingern zollte Hoey dem verstorbenen Johnny Winter Tribut. Als Beth Hart dann auf die Bühne kam, stand ein Stimmungswechsel an. Denn der Sängerin steht der Sinn doch eher nach Balladen, auch nach zu Herzen gehenden Songs, in die sie alle Leidenschaften legen kann, die ihre mehrere Oktaven umfassende Soul-Stimme hergibt. Zum Beispiel „Tell Her You Belong to Me“, ein Wunschlied an ihren Vater, der die Familie verlassen hat, als sie ein Kind war, oder „Mechanical Heart“, ein Liebeslied an ihren Mann, der ihr über schwere, von Krankheit und Drogen geprägte Zeiten hinweggeholfen hat. Nach acht eigenen Studioalben und fast 25 Jahren im Show-Business verfügt die 45-jährige Amerikanerin über eine reiche Erfahrung. 1993 nahm die Musikstudentin aus Los Angeles ihre erste Platte auf. Dann machte sie sich in den USA einen Namen, als sie die Hauptrolle in dem Musical „Love, Janis“ übernahm. Bei ihrem Auftritt in Mannheim lässt sie das Vorbild Janis Joplin schon äußerlich deutlich erkennen. Wie die jung gestorbene Blues-Sängerin trägt sie ein kurzes Glitzerkleidchen mit dünnen Trägern zu Stiefeletten und nachlässig hochgesteckten Haaren. Zu dem Schlampen-Look passen Tattoos auf beiden Oberarmen. Nur, eine so kratzige, whiskeygetränkte Stimme wie die Joplin hat sie nicht. Auch in höchsten Höhen klingt ihre Stimme noch glockenhell. Beth Hart singt Songs von ihrem frühen Album „Screaming for My Supper“, selbstverständlich aber etliche von dem vorerst letzten, erst im vergangenen Jahr erschienenen „Fire on the Floor“. Ihr Auftritt ist durchkomponiert wie die recht anspruchsvollen Songs. Nach ein paar Nummern am Mikro setzt sie sich ans Klavier. Dann verlassen der lässig mit Sonnenbrille den Bass zupfende Bob Marinelli und Schlagzeuger Bill Ransom die Bühne und Beth Hart bleibt mit dem Gitarristen Jon Nichols allein zurück. Ihre pathosgeladene, nur von einer akustischen Gitarre begleitete Version des Aretha-Franklin-Songs „Ain’t No Way“ bildet das Zentrum und den Höhepunkt des Konzerts. Danach wächst die Zahl der Instrumente und die Lautstärke wieder. Und nach zwei Zugaben lässt Beth Hart ein restlos begeistertes Publikum zurück.

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