Ludwigshafen Eine Frage der Qualität

. Die wichtigste Erkenntnis vorneweg: Aus den oberen Amateurklassen im Fußball ist die Vierer-Abwehrkette nicht mehr wegzudenken. Im Untersuchungszeitraum von Saisonbeginn bis zur Winterpause haben die zehn unter die Lupe genommenen Vereine zwischen Ober- und Bezirksliga bis auf ganz wenige Ausnahmen immer mit vier Mann auf einer Linie verteidigt. Je weiter man aber in den Ligen nach unten geht, desto häufiger trifft man auf einen Spielertyp, der im Leistungsfußball längst ausgestorben ist – den Libero. Wobei es sich in den B- und C-Klassen eher um dessen Vorläufer handelt, den Ausputzer. Der Unterschied liegt darin, dass der Ausputzer sich auf seine Defensivaufgaben beschränkt, während der Libero auch Akzente im Spielaufbau setzt. In den unteren Klassen ist es vielen Trainern zu riskant, auf einer Höhe zu verteidigen, weil Schiedsrichter-Assistenten fehlen und der Unparteiische Abseitspositionen allein oft nicht wahrnehmen kann. Spätestens ab der Bezirksliga wird durchgängig mit zwei Innenverteidigern agiert. Das Profil ist aber unterschiedlich. Während beispielsweise Fußgönheims Daniel Brenner seine Stärken im Zweikampf hat, steht Christopher Kaczmarek vom TDSV Mutterstadt für eine gute Spieleröffnung. Verändert hat sich Anforderung an die Außenverteidiger. Von ihnen wird neben konsequenter Abwehrarbeit erwartet, dass sie permanent das Spiel ankurbeln und die Stürmer mit Flanken füttern. Vor der Viererkette sind viele Variationen denkbar. Am häufigsten spielten die zehn untersuchten Vereine im 4-2-3-1-System, nämlich in 63 Prozent aller Partien. Vor der Abwehr räumen zwei defensive Mittelfeldspieler ab. Davor agiert eine offensive Dreierreihe mit Flügelstürmern und ganz vorne ein Stoßstürmer. „Ich finde, bei dieser Anordnung sind die Räume auf besten aufgeteilt“, sagt Christian Schäfer, der ehemalige Fußgönheimer Coach. Er ließ – auch weil das in der Vorbereitung ausprobierte 4-3-3 nicht funktionierte – nur in diesem System spielen. Darin komme ein klassischer Spielmacher wie ihn der ASV in Vitalij Roth habe, am besten zur Geltung. Auch der ASV Maxdorf, der FSV Schifferstadt und der BSC Oppau spielten fast nur in dieser Grundordnung. Alle drei besetzten die Rolle des zentralen Manns in der Dreierreihe je nach Anforderung und eigenem Personal mit sehr unterschiedlichen Typen. „Wichtig für dieses System ist, dass man gute und vor allem schnelle Außenstürmer hat“, erklärt Oppaus Trainer Manfred Blockus. Er habe dafür fünf verschiedene Variationsmöglichkeiten. Nach dem 4-2-3-1 kommt das 4-4-2, das in 26 Prozent der Begegnungen angewandt wurde. „Gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellenbereich spiele ich ab und zu so, um mehr Druck auf die gegnerische Abwehr auszuüben und mehr Aktionen nach vorne zu haben“, verdeutlicht Arminias Trainer Thomas Fichtner. „Das System ist vom Personal abhängig“, sagt Toni De Simone vom Ludwigshafener SC. Mehrfach ließ er einen typischen Mittelstürmer (Mitov, Smajlovic) mit dem beweglichen Patrick Hauptmann einen Zweier-Sturm bilden. Ganz andere Beweggründe im 4-4-2 aufzulaufen, hat Frank Ritzhaupt, Coach der FG 08 Mutterstadt. Die FG trat wie der ESV Ludwigshafen bevorzugt in diesem System an: „Ich würde gerne mehr variieren, aber mir sind reihenweise Abwehrspieler ausgefallen, sodass ich meist zwei Stürmer nominiert habe.“ Ediz Sari, Teamchef des TDSV Mutterstadt, wechselt während einer Partie oft die Taktik. Niemand beginnt so häufig im 4-1-4-1 wie der TDSV. „Wir haben viele spielstarke Akteure, sodass ich gerne mit vier Mann hinter der Spitze spiele. Aber wenn es Probleme gibt, übernimmt einer die Rolle des zweiten Sechsers“, erläutert Sari. Kollege Marc Lautenschläger vom Landesligisten Phönix Schifferstadt ist der Vielseitigste und agierte in fünf verschiedenen Anordnungen. „Ein Lieblingssystem habe ich nicht. Das Gefüge muss stimmen, und wir wollen in Ballnähe immer Überzahl schaffen“, sagt der spielende Coach. Fazit: Ausschlaggebend für das System ist die Qualität des zur Verfügung stehende Personals. Außerdem gilt es, auf Stärken und Schwächen des Gegners zu reagieren und das Team entsprechend ein- und aufzustellen. Das System ist in erster Linie eine feste, sichtbare Grundordnung bei gegnerischem Ballbesitz. Hat man selbst die Kugel, ist Kreativität gefragt und die Grenzen sind fließend.