Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Fahrrad-Bürgermeisterin für Mannheim – und wo bleiben die Fußgänger?

Fest im Sattel: Mannheims Fahrrad-Bürgermeisterin Gabriele Fröhlich.
Fest im Sattel: Mannheims Fahrrad-Bürgermeisterin Gabriele Fröhlich.

Die Idee stammt aus Holland: Mehr als 100 Fahrrad-Bürgermeister gibt es schon. Bei der Mobilitätswende bleibt eine Gruppe auf der Strecke. Ein Plädoyer für die Fußgänger.

Einen Nachtbürgermeister hat Mannheim schon eine ganze Weile. Und die Glücksministerin kommt auch aus der Stadt mit den Quadraten. Nun ist ein „Bicycle Mayor“ hinzugekommen. Gut, dass man auf Deutsch präziser sein darf: eine Fahrrad-Bürgermeisterin. Gabriele Fröhlich, seit einem Jahr Mannheims erste ehrenamtliche Fahrradbeauftragte, tritt das Amt an, wie es aus dem Rathaus heißt. Die 68-Jährige ist Teil des weltweiten Fahrrad-Bürgermeister-Netzwerks. Amtskollegen hat Fröhlich In Deutschland in Köln, Witten und München. Natürlich ist das kein offizielles Amt, bewirken soll Fröhlich dennoch etwas: die Sicherheit für Radfahrer im Straßenverkehr verbessern und kritische Stellen in der City finden und im Idealfall beheben.

Hinter der Bezeichnung „Bicycle Mayor“ steckt die Nichtregierungsorganisation BYCS. Sie hat ihren Sitz – na klar – in den Niederlanden, dem Land der Tulpen und Fahrräder. Weltweit gibt es über hundert solcher Bürgermeister, zum Beispiel in Amsterdam, Kapstadt und Mumbai. Die „Bicycle Mayors“ sollen als Schnittstelle dienen zwischen Bürgern, Aktivisten, Behörden und Unternehmen. Ein ganzheitlicher Blick auf das Thema Radverkehr ist gefragt.

Mit dem Rad durch Abu Dhabi
In Mannheim sind zuletzt viele Fahrradstraßen entstanden.
In Mannheim sind zuletzt viele Fahrradstraßen entstanden.

Der in Mannheim für Verkehrsplanung und Radkultur zuständige (richtige) Bürgermeister Ralf Eisenhauer (SPD) sagt dazu: „Der Weg zu nachhaltiger und klimafreundlicher Mobilität ist ein globaler Prozess, der aber vor allem auf kommunaler Ebene bewusst gelebt werden muss. Städte überall auf der Welt stehen dabei oft vor den gleichen Herausforderungen. Daher ist es wichtig, sich zu vernetzen und neue Lösungsansätze kennenzulernen. Mit Gabriele Fröhlich haben wir nicht nur eine lokal engagierte Fahrradbeauftragte, sondern nun auch internationale Expertise.“

Fröhlich ist ideal für den ehrenamtlichen Job. Denn die fitte Pensionärin kann sich ein Leben ohne Radeln nicht vorstellen. Sie tut das überall, wo sie kann. Auf heimischen Radwegen ebenso wie im Urlaub. Sogar in Abu Dhabi und in Paris war sie schon mit dem Rad unterwegs. Ursprünglich stammt sie aus Tauberbischofsheim. 1975 zog sie nach Mannheim, wo sie Diplom-Soziologie studierte. Die Straßen der Quadratestadt kennt sie also aus dem Effeff.

Ein dringender Appell!

Die Lobby für Radfahrer jedenfalls wird immer stärker. Mobilitätswende und so. Einen Auto-Bürgermeister zu installieren, dürfte heutzutage in Deutschland nicht so leicht sein. Aber vielleicht einen für Fußgänger? Denn die haben es gerade besonders schwer. In Städten wie Freiburg war es schon früher üblich, dass man per Klingel andauernd freundlich darauf aufmerksam gemacht wurde, schon wieder im Weg zu stehen. Das passiert mittlerweile auch immer öfter in Mannheim. Dabei hat man heutzutage schon Glück, wenn man als Fußgänger auf dem Gehweg nicht von einem E-Scooter umgefahren wird, der sich lautlos und schnell von hinten nähert. Also, liebe Nichtregierungsorganisationen dieser Welt: Denkt mal über einen Fußgänger-Bürgermeister nach! Vielleicht kommt der weltweit erste aus Kenia – dem Land der Läufer. Und dann kann das auch in Mannheim ganz schnell gehen.

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