Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das Gute im Kleinen: Hilfe bei der Suche nach dem Glück

„Schritt für Schritt sind Veränderungen keine Hexerei“, sagt „Glücksministerin“ Gina Schöler.
»Schritt für Schritt sind Veränderungen keine Hexerei«, sagt »Glücksministerin« Gina Schöler.

Viele Menschen sind auf der Suche nach dem Glück. Gut, dass es dafür in Mannheim eine Institution gibt: Vor zwölf Jahren hat Gina Schöler das „Ministerium für Glück und Wohlbefinden“ gegründet.

Mit Vorträgen, Workshops und Straßenaktionen hilft das unabhängige „Ministerium“ bundesweit bei der Suche nach dem kleinen und großen Glück. „Meine Arbeit besteht darin, die Ergebnisse der Glücksforschung in alltagsnahe Aufgaben, Aktionen und kreative Ideen zu übertragen“, sagt Gina Schöler. Die 38-Jährige und ihr Team werden etwa in Schulen oder Unternehmen eingeladen. Während ihres Studiums in Mannheim kam die Kommunikationsdesignerin auf die Idee, sich nicht nur selbstständig zu machen, sondern auch gleich ihren eigenen Beruf samt fiktivem Amt zu entwerfen.

Doch ein Allgemeinrezept, eine „Schublade, wo das Glück sitzt“, hat auch die „Glücksministerin“ noch nicht gefunden. „Das ist sehr individuell, aber es braucht ein paar Grundfaktoren wie Sicherheit und ein soziales Gefüge. Gerade Beziehungen sind ein wichtiger Faktor“, erklärt Schöler. „Für mich persönlich ist es die Verbundenheit. Zum einen mit mir selbst, dass ich weiß, was mir gut tut und was nicht. Und dass ich mich selbst reflektieren kann.“ Auch die Verbundenheit mit anderen Menschen spiele eine große Rolle, insbesondere in Zeiten der Vereinsamung. „Eine verlässliche Freundschaft oder der kleine Plausch mit Fremden sind absolute Glücks-Booster“, betont Gina Schöler.

Streben nach Glück

Doch warum streben wir überhaupt nach Glück? „Bei allen Lebewesen gibt es ein Grundbedürfnis nach einem schmerzfreien Leben. Glücksmomente helfen uns, eine gute Zeit zu haben“, berichtet die 38-Jährige. Gleichzeitig warnt sie vor Übertreibungen. „Genau in diesem Streben liegen die Probleme, wenn es zwanghaft, verkrampft und zum Selbstoptimierungsdruck nach einem perfekten Leben wird“, sagt sie mit Blick auf Filterblasen in digitalen Netzwerken. Schölers Empfehlung: „Stattdessen kann man es auch mal gut sein lassen, das kleine Glück wahrnehmen und dankbar sein.“

So hält es Schöler auch mit den Neujahrsvorsätzen, die sie lieber als „Vorsätzchen“ betitelt: „Sie sind sinnvoll, wenn man sie nicht zu groß macht und sich wirklich darauf fokussiert. Schritt für Schritt sind Veränderungen keine Hexerei.“ Neben der Überwindung des inneren Schweinehundes müsse man auch dessen großen Bruder, den inneren Säbelzahntiger, austricksen, der den Blick auf Schlechtes und mögliche Gefahren werfe. „In Zeiten, in denen wir von Verrücktheiten auf der Welt überrollt werden, fällt es immer schwerer, sich trotz alledem auf das Gute im Kleinen zu konzentrieren“, motiviert die „Glücksministerin“.

Wandel zum Positiven

Trotz der vielen negativen Nachrichten macht Gina Schöler auch einen gesellschaftlichen Wandel zum Positiven aus. „Zu Beginn habe ich mir gerade in der Wirtschaft noch eine blutige Nase geholt. Glück in Unternehmen? Seelische Gesundheit und Zufriedenheit bei Mitarbeitern? Da hieß es: Nein danke, brauchen wir nicht“, berichtet Schöler. Seitdem habe sich viel geändert: „Mentale Gesundheit wird ernster genommen, es ist nicht mehr alles nur auf Leistung getrimmt.“ Im Bildungssektor etwa könne sie in Zusammenarbeit mit der Weinheimer Hopp-Foundation verstärkt Lehrkräfte in der Rhein-Neckar-Region weiterbilden.

Schöler, die nun mehr als ein Jahrzehnt lang „im Amt“ ist, konnte nach eigener Aussage selbst viel dazu lernen. So habe sie mit dem Bundesjustizministerium die Regierungsstrategie „Gut leben in Deutschland“ entworfen. Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe sie mit ihrem „Ministerium“ zum Schmunzeln gebracht. Die größte Überraschung sei eine thailändische Delegation gewesen, die plötzlich vor der Tür gestanden habe. „Ich musste erst einmal klarstellen, dass ich kein Bundesministerium bin“, erzählt Schöler. „Mit 50 Thailändern habe ich dann über das Glück philosophiert.“ Eine Botschaft aus diesen Gesprächen sei gewesen, vor lauter Grübelei über die Vergangenheit und Sorgen um die Zukunft die Gegenwart nicht zu vergessen und achtsamer den Moment zu leben.

Immer wieder aufs Neue

Dazu will auch das „Glücksministerium“ seinen Beitrag leisten. „Wenn die Menschen dann tatsächlich ihren Job wechseln, ein Sabbatical nehmen, die Welt bereisen, überfällige Liebeserklärungen machen oder einfach nur ihren Kaffee oder Gespräche intensiver genießen, sind wir natürlich stolz“, bekennt Schöler.

Letztlich sind wir also unseres eigenen Glückes Schmied. Weniger beim Bleigießen am Silvesterabend, sondern an 365 Tagen im Jahr. Immer wieder aufs Neue.

Die Serie

In dieser Serie stellen wir Menschen aus Mannheim vor, die mit dem Jahr 2025 besondere Erwartungen oder Hoffnungen verknüpfen.

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