Ludwigshafen Einbruchserie reißt nicht ab
Die Schlagzeilen klingen in allen Fällen ähnlich: „Einbrecher im Lehrerzimmer“ oder „Diebe plündern Kita“: Die Täter brechen Fenster und Türen auf und durchwühlen Schränke, sie stehlen Bargeld, technische Geräte, aber manchmal auch Süßigkeiten und Getränke. Meist ist der Schaden, den die Unbekannten anrichten, deutlich größer als die Beute, die sie mit nach Hause nehmen. Teils lassen die Unholde auch ihrer Zerstörungswut freien Lauf. Etliche Schulen und Kitas in Ludwigshafen waren schon mehrfach in einem relativ kleinen Zeitraum betroffen. Wie zum Beispiel die Anna-Freud-Berufsschule in Süd. Die informierte kürzlich, dass die Taten für die Schüler und das Kollegium eine große psychische Belastung seien. Die Schulleitung sagt: „Die Politik bleibt gefordert, mehr für die Sicherheit auch an den städtischen Schulen zu sorgen, damit bei Schüler- und Lehrerschaft das mit jedem Einbruch wachsende Unsicherheitsgefühl wieder nachhaltig korrigiert wird.“ Überwachungskameras und Gitter vor den Kellerfenstern könnten die Situation nach Ansicht der Berufsschule verbessern. In der jüngsten Sitzung des Stadtelternausschusses in Süd wurde deutlich, dass auch viele Mütter und Väter sich Sorgen machen wegen der anhaltenden Einbruchserie in Betreuungseinrichtungen für Kita- und Grundschulkinder. Die Eltern berichteten allein von sieben Fällen in Kitas in Edigheim. Und sie fragen: Was unternehmen Verwaltung und Polizei? Auch die Politik ist inzwischen auf die fast täglichen Meldungen über Einbrüche in Kitas und Schulen im gesamten Stadtgebiet aufmerksam geworden. Die FWG-Stadtratsfraktion hakte in der jüngsten Hauptausschusssitzung nach, welche Schulen und Kitas im laufenden und in den beiden Vorjahren zum Ziel von Einbrechern geworden sind und wie hoch die jeweiligen Schäden waren. Die Stadtverwaltung listet auf die FWG-Anfrage hin auf, dass die Ernst-Reuter-Grundschule in der Gartenstadt im Jahr 2016 viermal betroffen war. Die Einbrecher verursachten einen Schaden von knapp 4000 Euro. Ebenso häufig wurde das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Süd heimgesucht (Schaden: 436 Euro). Sogar sechsmal war die Ernst-Reuter-Realschule plus (Gartenstadt) betroffen. Der Schaden: rund 6700 Euro. Im Jahr 2017 wüteten Einbrecher viermal an der Integrierten Gesamtschule Edigheim und richteten knapp 7000 Euro Schaden an. Im laufenden Jahr traf es dreimal das Max-Planck-Gymnasium in Friesenheim (knapp 2000 Euro Schaden). Den Versicherungsschaden durch Einbrüche an allen betroffenen Schulen in den Jahren 2016, 2017 und 2018 beziffert die Verwaltung auf rund 60.000 Euro. In den Kitas verursachen die Einbrecher zwar in der Regel nur vergleichsweise geringe Sachschäden. Trotzdem listet die Verwaltung hier besonders viele Taten auf. Im laufenden Jahr bereits 21 Fälle. Siebenmal war das Edigheimer Kinderhaus Wolfgrube betroffen, fünfmal die Kitas in Mitte. Im gesamten Jahr 2017 gab es dagegen nur neun Fälle. Doppelt so viele waren es jedoch bereits 2016. Die Verwaltung sieht Handlungsbedarf und hat daher im Doppelhaushalt 2019/2020 Mittel für den Einbruchschutz in Kitas und Schulen beantragt und will mit den betroffenen Kita- und Schulleitungen Gespräche führen, um Sofortmaßnahmen zu ergreifen und Einbruchschutzlösungen zu erarbeiten. Es gebe jedoch keine schulbaurechtlichen Fördermittel für den Schutz vor Einbrüchen. Auch das Polizeipräsidium Rheinpfalz hat mit Blick auf die Vielzahl der Vorfälle eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, berichtet eine Sprecherin auf Anfrage der RHEINPFALZ. In der Polizeistatistik sind für das Jahr 2017 insgesamt 17 Einbrüche in Schulen erfasst. Im ersten Halbjahr 2018 waren es bereits mehr als im ganzen Vorjahr: 21. Wie häufig Einbrecher in Kitas ihr Unwesen getrieben haben, konnte die Polizeisprecherin nicht beantworten. Dazu gebe es keine eigene Statistik. „Gleichwohl erstellen wir selbstverständlich ein Lagebild, basierend auf anderem Datenmaterial.“ Daraus sei abzulesen, dass die Polizei auch bei den Kita-Einbrüchen einen deutlichen Anstieg registriere.