Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Einbruch mit fatalen Folgen

Marc-Robin Eisel siegte am Freitagabend noch mit der HSG Friesenheim-Hochdorf in der Abstiegsrunde gegen Bieberau-Modau. Am Sonn
Marc-Robin Eisel siegte am Freitagabend noch mit der HSG Friesenheim-Hochdorf in der Abstiegsrunde gegen Bieberau-Modau. Am Sonntag unterlag der Mittelmann mit den Eulen Ludwigshafen aber in Dresden.

Fast 50 Minuten führen die Eulen Ludwigshafen am Sonntag beim HC Elbflorenz Dresden. Doch dann drehen die Sachsen das Spiel. Es endet in der vierten Niederlage in Folge für den pfälzischen Zweitligisten. Spielmacher Marc-Robin Eisel sagt, warum die Niederlage so schmerzt und die Eulen keinen Psychologen brauchen.

Den aufmunternden Klaps von Torwart-Trainer Sanimir Radek wird Marc-Robin Eisel auf seiner Schulter kaum gespürt haben. Die Gedanken des 22-jährigen Spielmachers der Eulen Ludwigshafen kreisten am Sonntagabend in der Dresdner Ballsportarena um die 60 Minuten davor. Schon wieder? Ja, schon wieder. Das vierte Spiel in Folge keine Punkte für den Absteiger aus der Handball-Bundesliga.

Eisel saß mit versteinerter Miene auf der Bank, die Trinkpulle in der rechten Hand und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. Grund dafür gab es mehr als genug. Denn mindestens 45 Minuten lang waren die Gäste beim HC Elbflorenz ganz anders aufgetreten als ein Team, dem man eine inzwischen eklatante Auswärtsschwäche (7:17 Punkte) nachsagt. Voller Selbstvertrauen und Selbstverständnis, engagiert, druckvoll und zupackend in der Abwehr. Das Ergebnis aber lügt nicht: 25:24 (11:14) für Dresden.

Bester Mann muss gehen

Wie konnte das passieren? „Wir spielen eigentlich über 60 Minuten einen guten Angriff“, sagte Eisel. Der frühere Jugend-Nationalspieler setzte seine Nebenleute immer wieder klug und teilweise überraschend in Szene. Die Pausenführung der Eulen war auch ein Verdienst von Eisel, der selbst noch vier Tore beisteuerte. Aber dem jungen Kerl ging in der hektischen Schlussviertelstunde vor 1259 Zuschauern ebenfalls der Überblick verloren. „Wir scheitern am Schluss in der zweiten Halbzeit zu oft am gegnerischen Torwart“, lobte Eisel indirekt den Dresdner Kapitän Mario Huhnstock. Der 36 Jahre alte Routinier, dessen Vertrag die Dresdner zum Saisonende auslaufen lassen, parierte nach seiner Einwechslung in seinen 40 Einsatzminuten zwölf Ludwigshafener Würfe – sage und schreibe 52 Prozent. Teilweise krachten die Eulen-Profis die Bälle einfach auf dessen blauen Pullover. Trainer Ceven Klatt zählte allein sechs vertane Riesenchancen vom Kreis. „Elbflorenz nutzt das mit seinem Tempospiel. Leider am Schluss ein Tor zu wenig“, lautete Eisels bittere Einsicht.

Immerhin lag sein Team fast 50 Minuten lang in Führung. Nach dem Dresdner Ausgleich zum 21:21 (49.) kippte die knappe Partie vollends zugunsten der Hausherren. „Wenn man in so einer Phase ist, wie wir, dann strotzt man nicht vor Selbstvertrauen“, sagte der gebürtige Homburger: „Und wenn man dann in so einen Tritt reinkommt, dass man drei, vier klare Dinger verwirft und man direkt den Konter bekommt, dann tut man sich noch schwerer.“ Dann greifen Automatismen, die sich in einer Negativserie nur schwer beeinflussen lassen. Nachdenken, zweifeln, fragen. Passiert das alles schon wieder? „Das ist nicht gut für den Kopf“, sagt der Student für Betriebswirtschaftslehre.

Auch für solche verzwickten Situationen gibt es Lösungen – Sportpsychologen oder Mentaltrainer. „Ich glaube, für uns ist das egal, ob Zuhause oder auswärts, wir brauchen jetzt ein Erfolgserlebnis. Jetzt haben wir vier Spiele mit ein, zwei Toren verloren, das tut einfach weh“, sagte Eisel. Und den Schmerz drückte er mit jeder Faser seines zusammengesunkenen Körpers aus.

Was hat Matej Ašanin

Apropos Schmerz. Körperlich wird Schlussmann Matej Ašanin wohl am meisten an den Nachwirkungen des Duells in Dresden leiden. Der Kroate war in der 22. Minute mit Dresdens Regisseur Sebastian Greß zusammengeprallt und hatte sich am linken Knie verletzt. Weil Ersatzmann Ziga Urbic in seinen wenigen Einsatzminuten keinen Zugriff auf die Dresdner Würfe bekam, stellte sich Ašanin in den Dienst seiner Mannschaft, hielt auch humpelnd, was es zu halten gab. „Er hat von sich aus gesagt, er würde noch mal ins Tor gehen. Er war für uns ein wichtiger Rückhalt. Normalerweise wäre es wahrscheinlich aber nicht gegangen“, sagte Ceven Klatt. Wie der Verein am Montag mitteilte, soll nun beim 28-jährigen Torhüter eine Magnetresonanztomographie (MRT) Aufschluss über die Schwere der Verletzung bringen. „Wir haben fast das ganze Spiel vorne gelegen, haben gut gespielt und gut gekämpft und geben in den letzten zehn Minuten wieder alles ab“, haderte auch der Keeper.

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