Ludwigshafen Ein toskanischer Bilderreigen

Die jährliche Kerwe ist für die Mitglieder der Weisenheimer Künstlergruppe Anlass, abwechselnd ihre Werke der Öffentlichkeit vorzustellen. In diesem Jahr präsentiert Roland Würtz in der ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg seinen toskanischen Bilderzyklus. Schwiegersohn Flavio Orellano stellt passend zu diesem Motto Terrakotta-Skulpturen vor.
In der Region ist Roland Würtz vor allem durch seine musikalischen Aktivitäten bekannt. Der pensionierte Oberstudienrat für Musik und Deutsch ist promovierter Musikwissenschaftler, der mehr als 40 Veröffentlichungen vorweisen kann. Seit 20 Jahren ist er Präsident der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz, Gründer und Leiter des Kammerorchesters Leiningische Hauskapelle und Gründer des Kreisjugendorchesters Sinfonietta Palatina. Bei der Vernissage hat Roland Würtz sich jetzt auch auf seiner Bratsche mit Musik von Bach und Alessandro Rolla begleitet. Genauso leidenschaftlich wie der Musik widmet er sich seit seiner Schulzeit der Malerei. Er nimmt sich die Freiheit, keinem Zwang zu „Originalität“ gehorchen zu müssen, alles ausprobieren zu dürfen, was Laune oder Anregungen eingeben. Häufig war er in der Toskana zu Besuch, wo seine Tochter eine Zeitlang gelebt hat. Inzwischen ist sie als Musikerin wieder nach Weisenheim zurückgekehrt. Während dieser Aufenthalte in Italien sind ein randvolles Skizzenbuch und viele Ölbilder entstanden. Eine Auswahl daraus zeigt Roland Würtz in der ehemaligen Synagoge. Die Ausstellung führt den Betrachter mit zwei Bildern auf eine Reise in die Toskana. Der Gardasee, stimmungsvoll in lichtem Blau, und eine enge Gasse in Lucca sind die ersten Motive. Dann öffnet sich ein Fenster mit Blick auf den Monte Amiata, einen vulkanischen Berg in der südlichen Toskana. Das reizende Städtchen Castell Azzara hat Roland Würtz im Stil des Malers Piero della Francesca gemalt. Dieser Maler der Frührenaissance war zugleich Mathematiker und Kunsttheoretiker. Er versuchte als Erster, mit Hilfe der Mathematik perspektivische Probleme zu lösen, was bei dieser Stadtansicht deutlich zu erkennen ist. Zugleich verströmt das Bild eine spielerische Leichtigkeit. Am Monte Amiata steht ein vom Sturm gebeutelter Baum, ein Motiv, das Roland Würtz zu einer fotorealistischen Umsetzung gereizt hat, ebenso wie der Wandel der Jahreszeiten, der die Landschaft immer wieder in einem anderen Licht erscheinen lässt. Die Ansicht von Piancastagnaio, einem kleinen Dorf, das für seine Esskastanien bekannt ist, zeigt viele ineinander verschachtelte Häuschen, gekrönt von einer mittelalterlichen Burg, was durch das kleine Bildformat besonders betont wird. Eine reizvolle Abwechslung im Reigen der Landschaftsbilder bietet die Darstellung eines bäuerlichen Osterlammbratens in der Wandnische der Synagoge. Ganz gegenständlich sind auch die hier platzierten Terrakotta-Skulpuren von Flavio Orellano: eine sich schwungvoll drehende Tänzerin, daneben ein liegender weiblicher Akt, bronziert, und eine ebenfalls bronzierte Mädchenbüste. Auf dem gegenüberliegenden Sims hat Orellano abstrakte Terrakotta-Formen aufgestellt, die durch den Holzbrand eine dunkle Färbung angenommen haben. Sie wirken dadurch wie aus Eisen und werfen im Sonnenlicht reizvolle Schatten.